Katja Davar gastiert als "Artist in Residence" im Hanse-Wissenschaftskolleg in Delmenhorst Kreatives Arbeiten im "Luxus-Asyl"

Delmenhorst. "Ich mag diese kalte Darstellung von Diagrammen", sagt Katja Davar. "Sie bieten die reine Information, jeder kann es lesen - aber die Zusammenhänge dahinter versteht man so nicht." Ein Diagramm ist die Reduktion großer Zusammenhänge auf eine Kernaussage. In ihrem Bild "Barometer" hat sie zum Beispiel diese Pfeile eingearbeitet , die in der Tagesschau anzeigen, ob der DAX oder die Kurse an der New Yorker Wall Street gefallen oder gestiegen sind. Warum die Kurse steigen, erklären die Pfeile nie. "Da verbirgt sich viel, viel mehr dahinter." Dem spürt sie nach, sie zeigt, dass hinter dem Diagramm mehr liegt.
18.06.2011, 05:00
Lesedauer: 1 Min
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Von Andreas D. Becker

Delmenhorst. "Ich mag diese kalte Darstellung von Diagrammen", sagt Katja Davar. "Sie bieten die reine Information, jeder kann es lesen - aber die Zusammenhänge dahinter versteht man so nicht." Ein Diagramm ist die Reduktion großer Zusammenhänge auf eine Kernaussage. In ihrem Bild "Barometer" hat sie zum Beispiel diese Pfeile eingearbeitet , die in der Tagesschau anzeigen, ob der DAX oder die Kurse an der New Yorker Wall Street gefallen oder gestiegen sind. Warum die Kurse steigen, erklären die Pfeile nie. "Da verbirgt sich viel, viel mehr dahinter." Dem spürt sie nach, sie zeigt, dass hinter dem Diagramm mehr liegt.

Katja Davar, in London geboren, in Köln lebend, ist noch bis Ende des Monats "Artist in Residence" am Hanse-Wissenschaftskolleg. Ein Teil ihrer Zeichnungen sind dort bis zum 30. Juni in einer kleinen Schau zu sehen, Altes und Aktuelles. Ihre Zeichnungen sind dabei immer Überlagerungen, zum einen von künstlerischen Techniken (was vor allem in ihren Animationswerken deutlich wird, die die kleine Kolleg-Schau aber nicht zeigen kann), aber auch der Bedeutungsebenen, wenn Technik und Natur, Geschichte und Gegenwart aufeinanderknallen.

"Rhythms of the Market Place" ist ein gutes Beispiel dafür, wie Technik und Natur zusammen wirken. Hinter den asiatisch anmutenden Bäumen dominieren zwei Balkendiagramme das Bild, das dunkle zeigt die Entwicklung des Erdölpreises, die weißen Balken stehen für den Kupferpreis. "Kupfer ist ein gutes Barometer für die wirtschaftliche Entwicklung", sagt Katja Davar, ein Metall, das für so viele Produkte benötigt wird. Daran erinnert die Platine, die dem Grund Struktur gibt. "Sehr oft faszinieren mich auch die negativen Auswirkungen, die mit technologischen Entwicklungen einhergehen", sagt sie. Die Darstellung von Natur, von natürlichen Gebilden wird von ihr immer gebrochen.

Einen neuen Blick auf Auswirkungen technologischer Entwicklungen hat die Künstlerin in den Gesprächen mit den Wissenschaftlern im Kolleg gewonnen - auch wenn es für sie nicht immer einfach war, wenn sie mit ihrer offenen Künstlersicht auf die klaren Vorstellungen der Wissenschaftler stieß. Allein die Semantik habe sie fasziniert, eine Sprache, die immer auch Machtansprüche erhebe, eine Verteidigung gegen Angriffe von außen mitdenke.

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