Neueröffnung des Skulpturenhauses mit Werken von Wolf E. Schultz im Klosterbezirk / Wechselnde Ausstellungen

Kunst gewordene Naturverehrung

Hude. 1980 hat der Bildhauer Wolf E. Schultz zum ersten Mal in Hude gearbeitet.
19.03.2015, 00:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Ute Winsemann
Kunst gewordene Naturverehrung

Freuen sich auf die Eröffnung des Skulpturenhauses im Klosterbezirk am Ostersonnabend (von links): der Gastronom Jens Burgdorf („Klosterschänke“) und der Künstler Wolf E. Schultz.

Janina Rahn

1980 hat der Bildhauer Wolf E. Schultz zum ersten Mal in Hude gearbeitet. Auf Einladung der damaligen Galerie Klostermühle schuf er, damals noch aus Hamburg angereist, während einer Kulturwoche aus Pappelholz die Skulptur „Prävitalis“. Die steht heute gleich gegenüber vor der Klosterschänke. Auch an einigen weiteren Stellen im Klosterbezirk finden sich Schultz’ Werke. Und nun kehrt der Künstler, der seit 1983 in Hude lebt, beziehungsweise seine Kunst, sogar noch viel konzentrierter an diese erste Wirkungsstätte zurück: In einem Nebengebäude der Klosterschänke wird am Ostersonnabend, 4. April, Schultz’ neues Skulpturenhaus eröffnet.

Das erste hatte er ab 1992 im „hässlichsten Schuppen von ganz Hude“ eingerichtet. „Da konnte man an manchen Stellen den Himmel sehen“, erinnert er sich an den Zustand des Gebäudes am Mühlenweg. Nachdem er das Dach erneuert, diverse andere Schäden ausgebessert und die Bretterfront zur Straße durch hohe Fenster ersetzt hatte, diente der gemietete Schuppen rund 20 Jahre lang als Ausstellungsraum. Doch dann kauften Stephanie Burgdorf-Stein und Timo Stein, Tochter und Schwiegersohn von Gastronom Peter Burgdorf, das gleich um die Ecke von dessen Hotel liegende Grundstück und wollten es anderweitig nutzen. Vor ungefähr anderthalb Jahren mussten die Skulpturen deshalb weichen.

Burgdorfs mit Schultz ver

bunden

Vorerst kamen sie an Schultz’ Privatadresse am Ladillenweg unter, wo er das zu seinem Atelier gehörende Holzlager ausräumte. Da stehen die Skulpturen seitdem zwar sicher und trocken, aber nicht gerade präsentabel. Deshalb war der Künstler von Anfang an auf der Suche nach einer neuen dauerhaften Ausstellungsmöglichkeit. Und eigentlich sei auch recht bald klar gewesen, dass die Familie Burgdorf sie bieten wollte, sagte Klosterschänken-Wirt Jens Burgdorf. Schließlich sei seine ganze Familie sehr verbunden mit Wolf E. Schultz und dessen Kunst. „Wir mochten uns schon ziemlich lange leiden“, die Familie besitze auch mehrere von Schultz’ Werken.

Trotzdem war für eine Umsiedlung des Skulpturenhauses in den Klosterbezirk zunächst buchstäblich die Bahn noch nicht frei: In dem Raum, der jetzt hergerichtet wird, wurde noch gekegelt. „Die letzten Klubs waren im Dezember zur Weihnachtsfeier hier“, berichtet Jens Burgdorf. Doch da Kegler mittlerweile „zu einer aussterbenden Rasse gehören“, beschloss er, den Raum langfristig für Schultz’ Kunst zur Verfügung zu stellen.

„Die letzten vier Kegelklubs sind zu meinen Eltern rübergewechselt“, sagt der Gastwirt. Zwei andere Gruppen blieben der Klosterschänke treu, indem sie sich darauf verlegten, nun in der Remise Jakkolo zu spielen. Dass es von der Idee bis zur Umsetzung noch vergleichsweise lange dauerte, habe aber weniger an den Gästen gelegen, erklärt Jens Burgdorf. Sondern der Nutzungsänderung in dem gepachteten Gebäude habe auch erst noch die Gutsverwaltung schriftlich zustimmen müssen.

Das ist mittlerweile geschehen. Vor den Skulpturen sind nun vorübergehend noch Handwerker eingezogen. Das eine oder andere wird gerichtet und erneuert. Außerdem wurde der Teil des lang gezogenen Raums, von dem aus einst die Kugeln auf die Bahn geschickt wurden, bereits für einen neuen Personalraum abgetrennt; auf der anderen Seite ist der ehemalige Bereich der Hebevorrichtung ebenfalls hinter einer Wand verborgen. Dass der einstige Stall lange als Kegelbahn gedient hat, wird im neuen Ausstellungsbereich aber auch weiterhin zu sehen sein. So bleiben etwa die hölzernen Beläge der eigentlichen Bahnen auf dem Boden bestehen.

Was er dort dann als erstes zeigt, entscheidet Wolf E. Schultz gerade noch. Der Titel der ersten Ausstellung steht zwar schon fest, doch kommt es auch darauf an, was in dem Raum wie wirkt. Und unter dem Titel „Menschen und Träume – Eine Retrospektive von Wolf E. Schultz“ lässt sich schließlich zwar nicht alles, aber doch recht vieles von einem Menschen unterbringen, der in seiner Kunst immer das, was im Material – oft Holz, aber auch Stein oder Metall – steckt, mit dem verbunden hat, was in ihm selbst steckt.

„Meine Naturverehrung“ nennt Wolf E. Schultz seine Arbeit. Das heißt aber nicht, dass er einfach nur abbildet, im Gegenteil: „Die Natur ist nicht zu übertreffen.“ Deshalb flößen in seine Kunst immer „Aspekte meiner Seele“ ein. Aber eben nicht nur, denn er stülpt die Formen dem Material nicht einfach von außen über, sondern greift auch dessen Eigenschaften auf.

Diese Herangehensweise ist unter anderem an dem einzigen Stück zu erkennen, von dem schon feststeht, dass es nun erstmals öffentlich zu sehen sein soll: 1953 habe ihm ein Lehrer ein Stück Kirschholz und ein Schnitzmesser in die Hand gedrückt, erinnert sich der mittlerweile im 75. Lebensjahr stehende Künstler. Das Objekt, das der 13-Jährige daraus entwickelte, war vielleicht noch eher jugendtypisch: ein Dinosaurier. Doch eine Scharte im Holz ließ er zu einer Wunde im Panzer des Reptils werden – ein frühe Handschrift, die sich in den sechs Jahrzehnten, die die Ausstellung umfassen soll, immer weiter ausprägte.

Vernissage am Ostersonnabend

Die Vernissage ist für Ostersonnabend in der Zeit von 15 bis 19 Uhr angesetzt. Wie immer bei solchen Gelegenheiten will Schultz auf Musik und „Fremdredner“ verzichten und nur selbst „das sagen, was mir gerade einfällt“.

Regelmäßig zugänglich ist das neue Skulpturenhaus anschließend immer sonnabends in der Zeit von 14 bis 18 Uhr sowie sonntags von 10 bis 18 Uhr, wenn auch der vor dem Ausstellungsraum liegende kleine Laden geöffnet ist. Besuche können aber auch unter der Telefonnummer der Klosterschänke, 0 44 08 / 77 77, für andere Zeiten vereinbart werden. Wenn es gewünscht wird und sich zeitlich einrichten lässt, kommt der Künstler Wolf E. Schultz selbst gern dazu.

Weitere Informationen gibt es auf seiner Internetseite unter der Adresse www.wolf-e-schultz.de.

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