Innovations- und Zukunftszentrum Der Roboter, dein Freund und Helfer

Sie wirken futuristisch, dabei sind sie in der Industrie längst Alltag: programmierbare Roboter. Dieser Trend der Arbeitswelt kommt nun nach Delmenhorst. An der BBS II entsteht ein Labor für Industrierobotik.
04.03.2021, 18:26
Lesedauer: 4 Min
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Der Roboter, dein Freund und Helfer
Von Björn Struß

Es sind elektronische Arme, die sich wie von Geisterhand bewegen und so dem Menschen schon heute viele Arbeitsschritte abnehmen können. Programmierbare Roboter sind ein Megatrend der Arbeitswelt, insbesondere in der industriellen Produktion sind die futuristisch anmutenden Geräte schon heute Alltag. Die Berufsbildenden Schulen (BBS) II in Delmenhorst wollen ihr Bildungsangebot in diesem Bereich deutlich ausweiten. Für eine halbe Million Euro entsteht bis 2023 ein Fachlabor für Industrierobotik.

„An der Robotik führt kein Weg mehr vorbei“, ist sich Schulleiter Ulrich Droste sicher. Im vergangenen Jahr erarbeitete er deshalb mit seinen Kollegen ein Konzept, um sich um Fördergelder für ein Innovations- und Zukunftszentrum zu bewerben. In ganz Niedersachsen taten dies 17 berufsbildende Schulen, alle buhlten um die Gunst der „Landesinitiative n-21: Schulen in Niedersachsen online“. Zu dem Verein gehören neben dem Land Niedersachsen auch kommunale Spitzenverbände und viele Unternehmen. Zwischen den Jahren 2000 und 2018 beteiligte sich die Wirtschaft mit rund 30 Millionen Euro an diversen Bildungsprojekten. Für das Projekt „Mensch-Roboter-Kollaboration – Robonatives“ wählte die Initiative sieben Schulen aus. Eine davon ist die BBS II.

Für zwölf moderne Roboter und die dazu passende Hard- und Software kann die Schule nun 527.576 Euro ausgeben. Der Laborraum soll zum neuen Schuljahr im August dieses Jahres für die ersten Schülergruppen bereit sein. Neben Auszubildenden der Metall- und Elektrotechnik sollen auch junge Menschen von den neuen Möglichkeiten profitieren, die an der BBS II das berufliche Gymnasium mit dem Schwerpunkt Mechatronik besuchen. In Kooperation mit anderen allgemeinbildenden Schulen soll die Robotertechnik zudem die Berufsorientierung verbessern. „Das Labor wird immer voll belegt sein“, verspricht Schulleiter Droste.

Konkret geht es etwa um die Anschaffung von sechs sogenannten „Universal Robots Lernstationen“. Ein Simulationsprogramm ermöglicht es, den Roboterarmen Befehle zu geben, unterstützt durch eine Kamera. Ein Beispiel aus der Industrie 4.0 sind Robotersysteme, die eine Taschenlampe fertigen und verpacken können. Was zunächst nicht spektakulär klingt, ist für Produktionsabläufe schon heute sehr wichtig. „Dies ermöglicht ab dem ersten Stück ein individuelles Produkt“, erklärt Droste.

Die teuerste Anschaffung ist ein Roboter für 40.000 Euro, der künftig im Zusammenspiel mit einer CNC-Fräse zum Einsatz kommen soll. Das Gerät für die Metallverarbeitung steht bereits in der BBS II. „Dieser Roboter steht in einem Gehäuse. Er ist schneller und stärker als die anderen Maschinen. Dem sollte man nicht in die Quere kommen“, sagt Droste.

Der Schulleiter möchte jungen Menschen unabhängig von ihrem Bildungsstand eine Perspektive bieten: „Egal ob mit Hauptschulabschluss oder einem angestrebten Abitur: Jeder, der Roboter programmieren will, soll hier eine Perspektive bekommen.“ Ausgestattet mit neuen Kompetenzen sollen die jungen Menschen dann den Fachkräftemangel verringern, über den noch immer viele Unternehmen in der Region klagen. Droste verfolgt ein ambitioniertes Ziel: „Mit einem Migrationshintergrund ist der Weg in hochqualifizierte Berufe oft schwer. Dieses Potenzial wollen wir in Delmenhorst erschließen.“ Eine Kollegin, die zuvor das Land Niedersachsen beraten habe, kümmere sich deshalb um die sprachliche Unterstützung von Menschen mit einer Einwanderungsgeschichte.

Die Ziele des neuen Zukunftszentrums gehen also über die BBS II hinaus. Wenn alles nach Plan läuft, soll die ganze Stadt Delmenhorst davon profitieren. Deshalb hat die Stadtverwaltung die Bewerbung um die Fördermittel begleitet. „Das ist eine große Chance – für die Schule und die Stadt“, freut sich Patrik Kolbe, Fachdienstleiter für die Bereiche Schule und Sport. Der Antrag und nun das Fördergeld laufe über den Verwaltungsapparat der Stadt. „In diesem Fall war dies aber der kleinere Part der Arbeit. Das Konzept ist in der Schule entstanden“, betont Kolbe.

Auch Lehrer Frank Köhrmann begleitet den Aufbau des Fachlabors. Er ist Ingenieur für Mechatronik und kennt sich auch in den Bereichen Industrie und Forschung bestens aus. „Die Kernkompetenz besteht darin, mit der Software umgehen zu können“, erklärt er. Auch wenn sich die Technik schnell weiter entwickle, sei davon auszugehen, dass die angeschafften Roboter mindestens eine Dekade gute Arbeit leisten werden.

Schulleiter Droste kennt auch die Skepsis, die Roboter immer noch auslösen. „Es ist aber nicht so, dass sich die Unternehmen für viel Geld diese Technik anschaffen und dann 30 Mitarbeiter vor die Tür setzen“, betont er. Vielmehr gehe es darum, Menschen körperlich anstrengende oder lästige Arbeitsschritte abzunehmen.

Info

Zur Sache

Chance für den „City Campus“?

Das Labor für Industrierobotik soll nicht nur der BBS II vorbehalten sein. Schulleiter Ulrich Droste will zum Beispiel auch mit dem Hanse-Wissenschaftskolleg kooperieren. Das Innovationszentrum könnte zudem für das Projekt „City Campus“ eine Rolle spielen. Dieses treibt der Förderverein der örtlichen Wirtschaft voran. Ziel ist es, eine Bildungseinrichtung nach Delmenhorst zu holen, die dem Fachkräftemangel entgegenwirkt und die Innenstadt belebt. Vorstellbar sind etwa eine Berufsakademie, ein privater Hochschulstandort oder die Zweigstelle einer öffentlichen Hochschule. Unter dem Dach der Delmenhorster Wirtschaftsförderung (DWFG) arbeitet Jennifer Burdorf seit über einem Jahr an der Umsetzung. Mit dem Robotik-Zentrum der BBS II kann sie nun für den Standort Delmenhorst ein Argument mehr ins Feld führen.

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