Kreis Oldenburg setzt auf E-Mobilität Ladestationen in allen Kommunen geplant

58 Elektrofahrzeuge sind aktuell im Kreis Oldenburg gemeldet. Das soll sich ändern. Der Kreis will in jeder ihm angehörenden Kommune Ladestationen einrichten. Den Strom soll es vorerst sogar umsonst geben.
23.02.2016, 00:00
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Von Ute Winsemann

58 Elektrofahrzeuge sind aktuell im Kreis Oldenburg gemeldet. Das soll sich ändern. Der Kreis will in jeder ihm angehörenden Kommune Ladestationen einrichten. Den Strom soll es vorerst sogar umsonst geben.

Eine Million Elektroautos bis zum Jahr 2020 sind das Ziel der Bundesregierung. Davon ist der Landkreis Oldenburg, heruntergerechnet auf seine Einwohnerzahl, noch knapp 1500 Fahrzeuge entfernt. Denn bislang sind nach Angaben der Klimaschutzbeauftragten Manuela Schöne gerade einmal 58 E-Mobile im Kreis gemeldet. Mit einem neuen Projekt will sie nun dabei helfen, dass es mehr werden: In jeder kreisangehörigen Kommune will der Landkreis in diesem Jahr eine eigene Ladestation einrichten. Und zumindest vorerst sollen die Nutzer den Strom sogar unentgeltlich zapfen können.

Der Preis ist nach Schönes Einschätzung allerdings weniger wichtig als die Möglichkeit, überhaupt unterwegs nachladen zu können. Denn die geringe Reichweite im Vergleich zu konventionell betriebenen Fahrzeugen sei immer noch eine der größten Hürden beim Umstieg. Bei einigen Modellen liegt sie mit einer vollen Ladung über 200 Kilometer, oft jedoch nur bei 140 bis 160 Kilometer. Das schrecke viele Menschen ab, ist Schöne überzeugt. Wenn sie wenigstens die Gewissheit hätten, nicht irgendwo liegen zu bleiben, sondern nötigenfalls auf der Strecke noch einmal Strom tanken zu können, sähe die Akzeptanz vielleicht schon anders aus, hofft sie. Erfahrungswerte, wie sich die Dichte des Lade-Netzes auf die Anzahl von Elektroautos in der Umgebung auswirkt, liegen ihr nach eigenen Worten allerdings nicht vor. Das Projekt ist also eher ein Versuchsballon.

Für die Stationen ist jeweils eine Versorgung mit 22 Kilowatt und Wechselstrom vorgesehen. „Man könnte auch mit 3,7 oder elf Kilowatt rangehen“, sagt Schöne, „oder auch mit 43 Kilowatt Gleichstrom – solche Schnelllader sind aber natürlich noch teurer.“ Die beabsichtigte Größenordnung sei ein Kompromiss zwischen Preis und Geschwindigkeit. Ein weiterer Kompromiss ist der Anschluss. Schöne hat sich für den Euro-Stecker Typ 2 entschieden. Aber ähnlich wie bei Handys gilt: Es gibt keinen Standard, nicht jedes Modell ist mit jedem Ladekabel kompatibel. Anders als bei Handys lässt sich das Problem jedoch mit Adaptern überbrücken. „Die Fahrer sind da in der Regel drauf eingerichtet.“

Wo genau die Stationen stehen sollen, ist noch offen. In Hude hat die Verwaltung wegen der touristischen Wirkung den Parkplatz im Klosterbezirk vorgeschlagen, darüber berät der Wirtschaftsausschuss am Donnerstag (öffentlich, 17 Uhr, Feuerwehrhaus). In der Samtgemeinde Harpstedt ist bislang nur klar, dass es wohl auf den Flecken hinauslaufen soll. In Wildeshausen schwebt der Verwaltung ein Standort in der Innenstadt vor, Genaueres soll die Politik aber erst im April besprechen. In Ganderkesee hat Klimaschutzmanager Lars Gremlowski ebenfalls zentrale Orte ins Gespräch gebracht: Festplatz, Marktplatz, Arp-Schnitger-Platz oder am Rathaus.

Damit das Ganze wirklich dem Klimaschutz hilft und nicht am anderen Ende der Leitung doch ein dreckiges Kraftwerk hängt, sollen die Stationen voraussichtlich mit Ökostrom betrieben werden. „Am besten wäre natürlich eine eigene Versorgung neben einem Dach mit Photovoltaik oder einer Biogasanlage“, meint Schöne, aber das sei vermutlich nicht hinzukriegen. Angedacht ist, dass der Kreis in einer fünfjährigen Pilotphase den Strom bezahlt. In Stein gemeißelt ist das laut Schöne jedoch nicht. Wenn die Nutzung sich tatsächlich vervielfacht, könnte auch schon eher mit dem freien Tanken Schluss sein – Bezahlsysteme sollen nachzurüsten sein.

Die Einrichtung der Stationen soll ausgeschrieben werden. Insgesamt sind für das Projekt 61 000 Euro eingeplant. Die Hälfte davon soll die Europäische Union aus dem Förderprogramm „Leader“ beisteuern, die Lokale Arbeitsgruppe hat sich bereits dafür ausgesprochen. Außer für die Stationen selbst soll das Geld noch dafür reichen, Elektriker für den Einbau weiterer Stationen zu schulen und Öffentlichkeitsarbeit zu betreiben. Dabei könnte sich Schöne sowohl Poster oder Informationsblätter als auch etwa eine öffentlichkeitswirksame Fahrt mit Elektro-Tank-Stopps vorstellen.

Einer, der das Projekt auf jeden Fall sinnvoll findet, ist Eckhard Philipp, an dessen Wohnhaus in Kirchseelte eine der bislang sechs öffentlich zugänglichen Lademöglichkeiten im Kreis hängt. Streng genommen sei sie den Teilnehmern der „Unternehmensinitiative Elektromobilität“ vorbehalten, über die auch er selbst 2013 eingestiegen ist. „Aber seitdem waren hier höchstens zwei, drei Mal andere Leute“, sieht er die Nutzung angesichts der geringen Verbreitung von Elektroautos bislang ganz entspannt. „Die Reichweite ist immer das Totschlagargument“, weiß er. Mit seinen Erfahrungen hält er dagegen: „Die Dinger sind absolut alltagstauglich.“ Das erste Elektroauto hatte nach 30 Monaten 30 000 Kilometer runter, das zweite nach eineinhalb Jahren sogar 35 000. „Es lohnt sich. Und es macht wahnsinnig Spaß.“

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+