Lebenshilfe Delmenhorst

Der Extraschub für den Start ins Leben

Die Lebenshilfe Delmenhorst unterstützt mit gezielter Frühförderung 90 Kinder beim Start ins Leben – doppelt so viele wie noch vor fünf Jahren. Deshalb war es nun Zeit für einen Umzug.
04.05.2021, 17:42
Lesedauer: 3 Min
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Der Extraschub für den Start ins Leben
Von Björn Struß
Der Extraschub für den Start ins Leben

Nathalie Wicher hat mit Benjamin nun deutlich mehr Platz und Möglichkeiten zum Spielen.

TAMMO ERNST

Die ersten Lebensjahre eines Kindes sind für die Eltern oft die spannendsten. Der Weg von einem krabbelnden Baby hin zu einem Schulkind mit eigenen Stärken, Hobbys und Freunden vollzieht sich gefühlt in Windeseile, Großeltern können sich da manchmal nur noch voller Staunen die Augen reiben. Doch was tun, wenn es mit dem Sprechen nicht so recht klappen will? Was tun, wenn die Entwicklung vollkommen anders läuft als bei Gleichaltrigen? Der Start ins Leben ist kein Selbstläufer. Manchmal brauchen Kinder mehr Unterstützung, als ihnen Eltern und Kita bieten können. Dafür hat die Lebenshilfe in Delmenhorst in den vergangenen Jahren ein pädagogisches Team aufgebaut, das heilpädagogische Frühförderung anbietet. In den vergangenen fünf Jahren hat sich die Zahl der geförderten Kinder zwischen null und sieben Jahren auf 90 verdoppelt. Deshalb war es nun Zeit für einen neuen Standort mit mehr Räumen und mehr Möglichkeiten. Vor wenigen Tagen ist die Frühförderung der Lebenshilfe an die Stedinger Straße umgezogen.

„An der Bismarckstraße sind wir zuletzt förmlich aus allen Nähten geplatzt, dort hatten wir nur drei Gruppenräume. Nun sind es sechs“, freut sich Ann-Christin Senger, Leiterin der Heilpädagogischen Frühförderung. Corona hatte zuletzt die Platzprobleme der Lebenshilfe noch verschärft. Denn eigentlich arbeiten die Pädagogen mit den Kindern gerne im gewohnten Umfeld, also in der Kita oder zu Hause. Durch die Kontaktbeschränkungen war das nicht mehr möglich, alles spielte sich in den Räumen der Lebenshilfe ab. „Unsere Fördergruppen mit vier Kindern haben wir deshalb auch halbiert“, berichtet Senger.

Einschränkungen durch Corona

Besonders hart waren die Einschränkungen im ersten Lockdown, für sechs Wochen konnten die Pädagogen nur noch per Anruf oder Videochat den Kontakt zu den Familien halten. Dann kam eine Übergangsphase mit Angeboten unter freiem Himmel. „Zum Glück war aber schnell klar, dass wir weitermachen dürfen“, erinnert sich Senger. Sie erlebt schon jetzt, wie sich Corona auf die Jüngsten in der Gesellschaft auswirkt: „Ich arbeite mit einem Jungen, der vier Monate nicht zur Kita durfte. Nun ist er total verunsichert, er muss sich wieder neue Freunde suchen.“ Seine Eltern bemühten sich deshalb auch darum, die heilpädagogische Frühförderung um ein halbes Jahr zu verlängern.

Die Entscheidung darüber treffen Sozialarbeiter der Stadtverwaltung. Denn die Kosten für die intensive pädagogische Betreuung zahlt die Kommune. „Insgesamt hat sich in den vergangenen Jahren die Einsicht verstärkt, dass sich diese Investition lohnt“, sagt Tina Cappelmann, Geschäftsführerin der Lebenshilfe Delmenhorst/Landkreis Oldenburg. Die wachsende Zahl der Kinder, um die sich die Lebenshilfe in Delmenhorst kümmert, sei zum Teil mit dem Rückzug eines anderen Trägers zu begründen. Sie sagt aber auch: „Junge Familien stehen vor immer mehr Herausforderungen. Die Digitalisierung und die Mediennutzung sind zwei große Faktoren.“ Auch die Migration steigere den Bedarf an frühkindlicher Förderung. Diese Entwicklung zeige sich aber nicht nur in Delmenhorst, sondern in ganz Deutschland.

Sozialarbeiter der Stadt entscheiden

Ein weiterer Faktor: In den Kitas sind die Mitarbeiter zunehmend dafür sensibilisiert, auf Defizite in der Entwicklung zu achten. Und sie kennen die Möglichkeiten der Förderung. Oft sind es deshalb die Erzieher, die ein kostenloses Beratungsgespräch mit der Lebenshilfe vermitteln. Erst danach erfolgt in der Regel der offizielle Antrag bei der Stadtverwaltung. „Früher war es noch die Amtsärztin, die darüber entschieden hat. Seit zweieinhalb Jahren beschäftigt die Stadt dafür nun aber Sozialarbeiter. Die Zusammenarbeit läuft sehr gut“, berichtet Senger. Sie leitet ein Team aus 13 Mitarbeitern, darunter sind neben Heil- und Sozialpädagogen auch Sonderpädagogen. So kann sich die Lebenshilfe auch um Kinder mit geistigen oder körperlichen Behinderungen kümmern.

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