Schule an der Ellerbäke hatte mit Unterrichtsengpässen zu kämpfen – Nischenfächer weiterhin unterversorgt

Lehrerzuwachs an der Oberschule

Ganderkesee-Bookholzberg. Es tut sich was an der Schule an der Ellerbäke in Bookholzberg. Eine Anfrage der FDP-Fraktion im niedersächsischen Landtag hatte zu Beginn des Schuljahres zutage gefördert, dass die Unterrichtsversorgung an keiner der 44 allgemeinbildenden Schulen im Landkreis Oldenburg so schlecht ist wie an der Oberschule (wir berichteten).
08.03.2017, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Alexandra Penth

Ganderkesee-Bookholzberg. Es tut sich was an der Schule an der Ellerbäke in Bookholzberg. Eine Anfrage der FDP-Fraktion im niedersächsischen Landtag hatte zu Beginn des Schuljahres zutage gefördert, dass die Unterrichtsversorgung an keiner der 44 allgemeinbildenden Schulen im Landkreis Oldenburg so schlecht ist wie an der Oberschule (wir berichteten). Der Lehrermangel hatte sich vor allem auf den Englischunterricht ausgewirkt. „Es hat den großen Engpass drei Wochen lang im ersten Halbjahr gegeben“, erklärt der kommissarische Schulleiter Jan-Michael Braun.

Von einem Mangel an Lehrkräften kann laut Braun inzwischen jedoch nicht mehr die Rede sein: Seit Beginn des zweiten Schulhalbjahres verstärken sechs neue Lehrkräfte sowie eine Sozialarbeiterin das Kollegium. Die Anzahl der Lehrer ist somit auf 38 angestiegen. Olga Bodemer, Philipp Kock, Christian Göken, Miriam Thamm und Antje Kalmlage decken Hauptfächer Deutsch, Englisch und Mathe sowie Nebenfächer wie Gesellschaftswissenschaften, Werte und Normen, Technik, Wirtschaft, Biologie und Chemie ab. Mit Philipp Kock hat die Schule zudem einen zusätzlichen Französischlehrer dazugewonnen.

Einen gesonderten Aufgabenbereich übernimmt Christine Ilse. Sie lehrt Deutsch als Zweitsprache und ist für Schüler zuständig, die noch nicht so lange in Deutschland leben. Doch nicht nur die Lehrkräfte haben Verstärkung bekommen: Sozialpädagogin Victoria Walther nimmt sich den Schwerpunkten Berufsorientierung und Koordination von Flüchtlingen an und unterstützt somit ihre Kollegin Nina Verena-Müller. Alle Lehrkräfte haben unbefristete Verträge, allein Mathe- und Sportlehrerin Miriam Tamm ist nur bis zu den Sommerferien an der Oberschule in Bookholzberg, wie Jan-Michael Braun berichtet.

Erst vor eineinhalb Wochen hat das niedersächsische Kultusministerium die aktuellen Planungswerte für die Unterrichtsversorgung an den allgemeinbildenden Schulen im Bundesland veröffentlicht. Sie beziehen sich auf den Stand vom 18. August 2016. Die Oberschule in Bookholzberg schafft es auf 75,8 Prozent. Zum Vergleich: Die Quote sollte knapp über 100 Prozent liegen, damit zum Beispiel genügend Reserven im Falle von kurzfristigen Lehrer-Ausfällen vorhanden sind.

Auf Planungswerte möchte sich Braun nicht versteifen. „Ich gucke auf den Stundenplan, und wenn der voll ist, bin ich erst einmal zufrieden.“ Gut aufgestellt sei die Schule vor allem beim Fach Französisch. Doch so sieht es nicht überall aus: „Nischenfächer wie Textil werden im Moment leider ein bisschen stiefmütterlich behandelt“, bedauert Braun. Das liege vor allem daran, dass in den Textil- und Werkräumen nur Platz für jeweils eine halbe Klassengröße vorhanden ist. Die Schüler teilen sich also auf. „Für zwei Stunden effektiven Unterricht bringen wir vier tatsächliche Lehrerstunden auf“, sagt Braun. Und die Textillehrer werden dringend in ihren Hauptfächern gebraucht.

Die Situation ist besonders bedauerlich, weil die Oberschule erst vor Kurzem neue Textilräume bekommen hat. Die Gemeinde steckte nach eigenen Angaben rund 15 000 Euro in die Neuausstattung der zwei Unterrichtsräume mit 15 Nähmaschinen sowie Arbeitstischen und Schränken. Doch derzeit wird nach Angaben von Textil- und Englischlehrerin Edith Wiessner-Neis lediglich zwei Wochenstunden Textiles Gestalten an der Schule erteilt. Sie selbst ist schwerpunktmäßig ebenfalls für den Hauptfach-Unterricht eingeteilt.

„Ich hoffe, dass wir mindestens noch eine zusätzliche Stelle bekommen“, sagt Braun mit Blick auf die Unterversorgung in den Nischenfächern. Die Bewilligung einer Neueinstellung allein sei schon lange kein Garant mehr dafür, auch tatsächlich Kollegen zu bekommen. „Die Lehrer suchen sich mittlerweile ihre Schulen aus“, berichtet Braun. So stehe die Schule an der Ellerbäke auch in Konkurrenz mit anderen allgemeinbildenden Einrichtungen.

Christian Dürr, FDP-Fraktionschef im niedersächsischen Landtag, möchte das Thema Unterrichtsversorgung im Landkreis weiter beobachten. Die Entwicklung an der Schule an der Ellerbäke sei erfreulich. „Ob es ausreicht, werden wir im Verlauf des Schuljahres sehen“, sagt Dürr. Grundsätzlich fordert der FDP-Politiker mehr Transparenz. Denn die Planungswerte zur Unterrichtsversorgung erscheinen einmal jährlich. „Die Zahlen sollten vom Kultusministerium laufend offengelegt werden.“

„Ich gucke auf den Stundenplan, und wenn der voll ist, bin ich erst einmal zufrieden.“ Jan-Michael Braun
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