Edwin Rademacher verzichtet auf Zigaretten, um sich Modellautos zu kaufen / Er hat 10000 Exemplare

Lieber Wiking als Nikotin

Delmenhorst. Edwin Rademachers Hobby ist nicht nur recht umweltfreundlich (und das ohne Politikerzwänge, Feinstaubfilter oder Tempolimit), sondern in seinem Fall auch gesundheitsfördernd. Denn wegen seiner Leidenschaft für Modellautos hörte der zweite Vorsitzende des Modell-Auto-Clubs Weser-Ems vor etlichen Jahren mit dem Rauchen auf.
07.04.2012, 05:00
Lesedauer: 2 Min
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Von MERLE OSTERTHUN

Delmenhorst. Edwin Rademachers Hobby ist nicht nur recht umweltfreundlich (und das ohne Politikerzwänge, Feinstaubfilter oder Tempolimit), sondern in seinem Fall auch gesundheitsfördernd. Denn wegen seiner Leidenschaft für Modellautos hörte der zweite Vorsitzende des Modell-Auto-Clubs Weser-Ems vor etlichen Jahren mit dem Rauchen auf.

"Beides konnte ich mir damals einfach nicht leisten", erklärt Edwin Rademacher. Und so musste der 57-Jährige sich zwischen den Glimmstängeln und seinen geliebten Modellautos entscheiden. Die Wahl fiel dem Delmenhorster nicht schwer: "Die Modelle waren mir wichtiger, also habe ich von heut auf morgen mit dem Rauchen aufgehört." Mit diesem Entschluss verlängerte der zweite Vorsitzende des Modell-Auto-Clubs Weser-Ems aller Voraussicht nach nicht nur sein Leben, sondern konservierte auch Teile davon. Denn stöbert Rademacher heute durch seine riesige Sammlung, findet er dort seinen ersten gefahrenen Laster, den Traumwagen aus der Kindheit und Hunderte weitere Fahrzeuge, mit denen er Geschichten aus der Vergangenheit verbindet.

Anfang der Achtziger begann Rademachers Sammelleidenschaft. Der Delmenhorster machte gerade seine Meisterschule zum Elektroniker, musste nebenbei jedoch noch Geld verdienen. Kurzerhand legte er deshalb die Lastwagen-Führerscheinprüfung ab, um einige Fahrten für verschiedene Firmen zu übernehmen. Sein treues Gefährt damals: "Ein Magirus TE mit Fernverkehrskabine." Einen solchen sah der 57-Jährige dann als Nachbildung des Modellbau-Autoherstellers Wiking - "Und so ging alles los".

Zu Beginn katalogisierte Rademacher seine Fahrzeuge noch. Im Jahr 2001 besaß er bereits 4100 Exemplare. Doch dann fehlte ihm die Zeit, sie weiter zu zählen. "Mittlerweile müssten es an die 10000 sein", schätzt der Delmenhorster. Wie viel seine Sammlung wert ist, weiß Rademacher ebenfalls nicht genau. "Wirklich schwer zu sagen." Für einen seiner wertvollsten Wagen, einen Hapag Lloyd-Transporter, würde er um die 300 Euro bekommen, erklärt der Delmenhorster. In Sammlerkreisen sind solche Preise aber längst nicht das Ende der Fahnenstange. So blättert ein begeisterter Modellauto-Fan laut Rademacher beispielsweise für einen Tanksattelzug der Firma Thyssen aus dem Jahr 1961 schon mal 10 000 Euro hin.

Rademacher besitzt nicht nur nachgebildete Lastwagen, sondern auch Oldtimer und geläufige Alltagsfahrzeuge. An den Mehrtonnern hängt sein Herz aufgrund seines Lebenslaufs jedoch besonders. "Ich finde es spannend, dass meine Sammlung quasi durch die Geschichte der Laster führt und man erkennen kann, wie sie sich im Laufe der Zeit entwickelt haben", erklärt der Vorsitzende eine weitere Motivation.

Rademachers 58 Club-Kameraden sind ebenso wie er mit viel Herzblut bei der Sache. Die meisten von ihnen sammeln den Maßstab H0 (1:87), doch auch andere Maßstäbe werden zunehmend angeschafft, konstruiert oder umgebaut. Die Bastler unter ihnen bilden sogar die Lackierungen und Beschriftungen der Modelle originalgetreu nach. "Es ist eben kein Spielzeug", betont Rademacher. Spaß bringen die kleinen Autos den Modellsammlern aber trotzdem. Deshalb lädt der Modell-Auto-Club auch am Sonntag, 15. April, zu einer Tauschbörse für Modellautos aller Maßstäbe ins Autohaus Gerdes ein. Von 14 bis 17 Uhr kann dort getauscht, gefachsimpelt und gekauft werden.

Ans Verkaufen seiner Schätze denkt Rademacher selbst nicht. "Höchstens im Notfall, wenn ich krank werde oder so", sagt er. Gut, dass der Vorsitzende den Zigaretten schon vor Jahren abgeschworen hat.

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