Traditionsgemeinschaft Fliegerhorst Ahlhorn hat Feier zum 100-jährigen Bestehen des Flugplatzes organisiert

Luftschiffhafen brauchte noch keine Piste

Großenkneten-Ahlhorn. Wenn auf dem ehemaligen Fliegerhorst Ahlhorn an diesem Wochenende Jubiläum gefeiert wird, dann müsste ausgerechnet die Piste eigentlich außen vor bleiben. Denn die gab es anfangs noch gar nicht.
11.07.2015, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Ute Winsemann
Luftschiffhafen brauchte noch keine Piste

Vor einer Transall C-160 werben Peter Pasternak (rechts) und Kollegen von der Traditionsgemeinschaft Fliegerhorst Ahlhorn für die Feier zum 100-jährigen Bestehen des Flugplatzes.

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Wenn auf dem ehemaligen Fliegerhorst Ahlhorn an diesem Wochenende Jubiläum gefeiert wird, dann müsste ausgerechnet die Piste eigentlich außen vor bleiben. Denn die gab es anfangs noch gar nicht. 1915, als im Zuge des Ersten Weltkriegs der Bau beschlossen und begonnen wurde, ging es zwar um Fortbewegung am Himmel – aber nicht per Flugzeug, sondern per Luftschiff. Bis zum Kriegsende waren auf dem 1916 in Betrieb genommenen Gelände 25 Zeppeline stationiert, ist einer historischen Übersicht der Traditionsgemeinschaft Fliegerhorst Ahlhorn zu entnehmen. Der Verein hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Geschichte des Flugplatzes für die Nachwelt zu erhalten und richtet auch die Feier heute und morgen jeweils von 10 bis 18 Uhr aus.

Das Luftschiff-Kapitel in Ahlhorn war schnell wieder vorbei. Dass sie technisch zunehmend von Flugzeugen abgelöst wurden, spielte dabei weniger eine Rolle als das Kriegsende. Von 1918 bis 1938 habe die Caritas das Gelände zivil genutzt, weiß Traditionsgemeinschafts-Vorsitzender Peter Pasternak. Im ehemaligen Luftschiffer-Kasino sei eine Lungenheilanstalt untergekommen, in anderen Gebäuden wurden erholungsbedürftige Kinder untergebracht. Zur Versorgung wurde ein Gutshof eingerichtet, der das Land beackerte. „Die waren autark“, sagt Pasternak. Von dem Hof ist heute nichts mehr übrig, dafür aber existiert noch immer die in der zweiten militärischen Phase ab 1938 auf seiner Fläche angelegte Start- und Landebahn. Im Zweiten Weltkrieg diente der Fliegerhorst der Wehrmacht, bis er im Februar 1945 durch Bomben zerstört wurde.

Nach dem Krieg übernahm das britische Militär den Platz und baute ihn wieder auf. 1958 übernahm ihn die Bundesluftwaffe. Zehn Jahre später sei in Ahlhorn die erste der auch „Luftwaffenbrummer“ genannten Transall C-160 an die deutsche und französische Luftwaffe übergeben worden, berichtet Pasternak. Eine solche Maschine ist auch bei der Jubiläumsfeier zu sehen.

Bis 2005 blieb Ahlhorn ein militärischer Flugplatz, nicht nur für deutsche, sondern im Rahmen der Nato zeitweise auch für US-amerikanische Streitkräfte. Doch habe er auch zivilen Aufgaben gedient, erklärt der Vorsitzende. So sei der SAR-Dienst – die Abkürzung steht für „search and rescue“ – immer weiter ausgebaut worden. „Das war praktisch der Startschuss für die Rettungsfliegerei.“ Unter anderem seien von Ahlhorn aus einmal acht Eissegler gerettet worden, die auf dem Dümmer eingebrochen waren.

Doch ab Mitte der 1990er war es damit vorbei. „1995 wurde der letzte Hubschrauber vom Platz abgezogen“, sagt Pasternak, der SAR-Dienst endete 1997. Danach wurde der Platz bis 2005 noch vom Militär genutzt, aber nicht mehr fliegerisch.

Die zweite zivile Phase war nur kurz. Der Aircraft Maintenance Service, der nach der Konversion auf dem Gelände Flugzeuge wartete, reparierte und umbaute, ging 2009 in Insolvenz. Noch vor diesem Schritt hatte das Papenburger Bauunternehmen Johann Bunte das 307 Hektar große Areal gekauft und wandelt es seitdem in einen Gewerbe- und Industriestandort um.

Das läuft nicht immer konfliktfrei. So regte sich unter anderem Kritik an einem „Wohnpark“mit mehr als 2000 Betten, der überwiegend mit Werkvertragsarbeitern belegt wird. Massiven Protest gab es auch gegen – letztlich nicht umgesetzte – Pläne, dort einen Hähnchenschlachthof einzurichten. Und vor allem viele Wildeshauser hegten Sorgen wegen der künftigen fliegerischen Nutzung. Seit 2014 ist Ahlhorn als „Sonderlandeplatz“ genehmigt und dient nicht nur zivilen, sondern auch wieder militärischen Zwecken. Unter anderem starten von dort laut Pasternak wieder Fallschirmspringer der Bundeswehr.

Das Regiment aus Seedorf beteiligt sich auch an der Feier, es stellt am Boden seine Ausrüstung vor. Aus der Luft einschweben wollen dagegen die zivilen Kollegen der Fallschirmsportgruppe Wildeshausen. Auch die Mitglieder des Luftfahrvereins Wildeshausen-Ahlhorn wollen den Besuchern ihr Hobby näher bringen.

Entsprechend der langen militärischen Geschichte gibt es aber vor allem aus dieser Ecke einiges zu sehen, dem laut Ankündigung „in hiesiger Region auf absehbare Zeit sicherlich nicht wieder so nahe gekommen werden kann“. Neben der Transall ist das etwa der Militärhubschrauber Bell UH-1D. Außerdem bringen Kampfmittelbeseitigungsexperten des Objektschutzregiments Luftwaffe aus Diepholz einen „Fuchs“-Transportpanzer und den Bombenmanipulator „Teodor“ mit. Passend dazu sind Karriereberater der Bundeswehr sowie der Reservistenverband dabei.

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