Galerie und Freundeskreis Haus Coburg präsentieren im Oktober Sonja Alhäuser / Im Mai große Auktion Markthalle wird zum essbaren Kunstwerk

Es wird groß: „XXL“ heißt die Kunst-Aktion, mit der die Städtische Galerie und der Freundeskreis Haus Coburg im Oktober einen Tag zusammen mit der Berliner Künstlerin Sonja Alhäuser die Markthalle bespielen und in einen orgiastisch-kulinarischen Tempel verwandeln. Um das Projekt zu finanzieren, ist am Internationalen Museumstag eine große Auktion geplant.
15.04.2014, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Andreas D. Becker

Es wird groß: „XXL“ heißt die Kunst-Aktion, mit der die Städtische Galerie und der Freundeskreis Haus Coburg im Oktober einen Tag zusammen mit der Berliner Künstlerin Sonja Alhäuser die Markthalle bespielen und in einen orgiastisch-kulinarischen Tempel verwandeln. Um das Projekt zu finanzieren, ist am Internationalen Museumstag eine große Auktion geplant.

Sonja Alhäuser liebt es, wenn es ausschweifend wird. „Sie sieht sich als Künstlerin durchaus in der Tradition der Renaissance und des Barock, dass der Künstler für ein Fest alles organisiert, von der Gestaltung des Raumes über die Musik bis hin zur Kleidung“, erzählt Annett Reckert, Leiterin der Städtischen Galerie Haus Coburg. Sie gab 2010 ihren Einstand in Delmenhorst mit der Ausstellung „Sonja Alhäuser. Hartgesotten“ – und nun will sie die Berliner Künstlerin wieder in die Stadt holen. In die Markthalle. Für ein Spektakel. Am 16. Oktober.

„Sonja Alhäuser. XXL. Installation und Performance in der Delmenhorster Markthalle“ ist das Projekt betitelt, mit dem Annett Reckert wieder das macht, was sie sich sowieso vorgenommen hat: die Kunst in das Zentrum der Stadt tragen, direkt zu den Menschen. Auch wenn die Galerie recht zentral liegt, ist es doch irgendwie am Rande, Laufkundschaft gibt es dort nicht. Und wenn der Prophet nicht zum Berge kommt, muss der Berg eben zum Propheten kommen. 2011 bespielte Reckert mit Hilfe des Freundeskreises in dieser Absicht den Wasserturm mit der Klanginstallation „oben ohne“ von Thomas Putze, in diesem Jahr soll es eben die Markthalle sein.

„Bei Markthalle denkt man an Markt denkt man an Essen denkt man an Eat Art denkt man an Sonja Alhäuser“, erklärt Annett Reckert ihre Assoziationskette. Mit der Idee, hübsch verpackt in eine Präsentation auf dem Laptop, ging sie in die Jahreshauptversammlung des Freundeskreises. Und offenbar war der Feuer und Flamme, wohl auch, weil die Alhäuser-Ausstellung als außergewöhnlich spannend im Gedächtnis haften geblieben ist.

Neben dem Aspekt der Kunstvermittlung reizt den Freundeskreis auch, damit etwas auf die Beine zu stellen, bei dem sich alle Mitglieder des Vereins einbringen können. „Deswegen werden wir am Internationalen Museumstag am 18. Mai kollektiv etwas zusammenbringen, um bei der Finanzierung zu helfen“, sagt Beate Busch-Löw, Vorständlerin des Freundeskreises. Auch in der Hoffnung, dass Mitglieder, die man sonst selten sieht, vielleicht auch dabei sind und man sich in der Projektvorbereitung öfter sieht, quasi die menschliche Dimension der Aktion.

Um Geld in die Kasse zu spülen, ist eine Auktion geplant, um eine Schwarm-Finanzierung, neudeutsch Crowdfunding genannt, hinzubekommen. Unter den Hammer kommen an diesem Tag Dienstleistungen, angeboten von Mitgliedern des Freundeskreises und von Fans des Hauses. Ein Buchsbaumschnitt wird dann zum Beispiel zu ersteigern sein. „Ich biete ein ,Dinner for Two’ an“, sagt Beate Busch-Löw. Sie kommt zum Ersteigerer nach Hause und bekocht ihn und eine weitere Person. Aber auch dem Haus verbundene Künstler bringen sich ein – und zwar mit Angeboten, bei denen Sammlerherzen deutlich schneller schlagen werden. Heike Kati Barath, deren Einzelschau „Nun gut, wer bist Du denn“ gerade im Haus Coburg lief, bittet zur exklusiven Porträt-Session. Und Sonja Alhäuser übersetzt des Ersteigerers liebstes norddeutsches Eintopfrezept in eins ihrer großartigen Aquarelle.

Mit all dem Geld soll Delmenhorst auch einiges geboten werden am 16. Oktober. Derzeit geplant ist ein Podest in der Mitte der Halle, auf dem drei von Sonja Alhäuser gestaltete Stände stehen. Dort wird es Köstlichkeiten geben, die gegessen werden sollen. Und Skulpturen und Malerei der Künstlerin, eben ihre Eat Art, zum Beispiel überdimensionale Schokoladenkugeln und Buttermännchen. Einige Genusssponsoren konnten Galerie und Freundeskreis für das Projekt bereits gewinnen. Am Surf-and-Turf-Stand, an dem es Fleisch und Fisch gibt, werden zum Beispiel Forellen von „Forellen Abel“ zum Verzehr bereit hängen, geradezu schlaraffisch den Besuchern den Munde wässrig machen. Auch Inkoop und die Bäckerei Krützkamp, mit deren Hilfe die Künstlerin Brot-Gemälde backen wird, sind schon mit im Boot. Weitere Unterstützer werden derzeit gesucht.

Um das zentrale Stand-Dreigestirn werden weitere Stände aufgebaut, alles unter der Regie Sonja Alhäusers, alle opulent, alle zum Anbeißen, Naschen, Schwelgen und Sich-gehen-lassen. Von 8 bis 13 Uhr wird die Markthalle zu einem Genusstempel, wahrscheinlich werden Besuchergruppen, die speziell zum Schlemmen kommen, kuratiert, damit viel aufgegessen wird. Wie Sonja Alhäuser die Menschen packt, demonstriert Annett Reckert mit einem Foto. Die Künstlerin hatte bei einer Messe in Berlin einen essbaren Stand gebaut, mit Bildern aus Lebkuchen, einem Tisch aus Zuckerguss und Schokolade. „Die Besucher kamen und haben den Stand aufgegessen. Damen in High Heels knieten nieder und knabberten am Tischbein“, erzählt Annett Reckert. Dieses dionysische Gefühl, diese bacchantischen Qualitäten sollen auch die Besucher der Markthalle riechen und schmecken.

„Am Nachmittag bauen wir dann um“, erzählt Annett Reckert. Am Abend wird es ein Bankett geben, ebenfalls von Sonja Alhäuser entworfen, es wird ein Abend voller Genuss und Ästhetik. Zum Beispiel soll das Essen von männlichen wie weiblichen Mannequins, die direkt auf der großen, runden Tafel laufen, serviert werden.

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