Jürgen Schmelz in den Ruhestand verabschiedet

Ein Urgestein der Delmenhorster Musikgeschichte

Der Oberstudienrat Jürgen Schmelz hat sich am Dienstag vom Kollegium des Max-Planck-Gymnasiums in den Ruhestand verabschiedet. Zu seinen Zöglingen gehört auch Popsängerin Sarah Connor.
30.07.2021, 16:18
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Von Alexandra Wolff
Ein Urgestein der Delmenhorster Musikgeschichte

Jürgen Schmelz war fast 30 Jahre lang Oberstudienrat des Max-Planck-Gymnasiums und vor ungefähr 25 Jahren Sarah Connors Musiklehrer.

Ingo Möllers

Ohne zu übertreiben kann man behaupten, dass Jürgen Schmelz Generationen von Delmenhorstern musikalisch stark geprägt hat. Seit Dienstag ist der Oberstudienrat und Musiklehrer des Max-Planck-Gymnasiums im Ruhestand. Jürgen Schmelz hatte seit 1992 das Fach Musik am Maxe unterrichtet. Zu seinen Schülerinnen gehörte die heutige Popsängerin Sarah Connor. "Vier Jahre lang habe ich sie in Musik unterrichtet", sagt der 63-Jährige. "Sie war damals noch ein Teenager und hat zum Beispiel in der Musiktheater-AG des Maxe in dem Musical 'Linie 1' mitgespielt." Nach wie vor findet er ihre Stimme bewundernswert.

Sein Herz schlägt vor allem für den Barock-Komponisten Johann Sebastian Bach: "Da ist einfach die gesamte Musik drin. Alles, was in der Musikentwicklung vorkommt, gab es schon bei Bach", schwärmt er. "Ich habe ihn mir sogar angeguckt." Schmelz grinst erwartungsfroh, als hoffe er auf die nächste Frage. So etwas wie: "Wie angeguckt?" – "Ja, sein Gesicht wurde mithilfe seiner Knochen zu einem 3D-Modell geformt. Er sieht gut aus, so als junger Mann", antwortet er und zeigt das Foto des Modells auf seinem Handy.

Aber auch der Jazz-Gitarrist Pat Metheny aus den USA habe es ihm angetan: "Er ist ein großartiger Instrumentalsongschreiber und Improvisateur, und er hat ein Wahnsinnsgespür für Soundlandschaften."

Als Fachkonferenzvorsitzender Musik war Schmelz eine prägende Person für das künstlerisch-musikalische Profil des Gymnasiums an der Graft. In den vergangenen Jahren oblag ihm auch die musikalische Leitung des Musiktheaters, das jährlich im Kleinen Haus Stücke auf die Bühne brachte. Zuvor konnte er noch Erfahrungen mit der Musikschule Delmenhorst (MSD) und deren heutigen Leiter Michael Müller sammeln. Das damalige MSD-Maxe-Orchester hat zwar viele eigene Konzerte gegeben, trat aber auch mit dem Musiktheaterproduktionen der MSD unter der Leitung von Müller auf.

Wenn Schmelz daran zurückdenkt, welche Aufführungen ihm unter den Maxe-Produktionen besonders in Erinnerung geblieben sind, fällt ihm zunächst "Swingend wollen wir marschieren" ein, wofür das Theater am Goetheplatz in Bremen das Notenmaterial zur Verfügung stellte, aber auch die "Sonnenallee", eine Theateradaption des Theaters Schwerin des Leander-Haußmann-Kinofilms. Zu hören waren Lieder der 60er- und 70er-Jahre. Karat? Puhdys? City? "Ja auch, aber eher die Musik, die die Leute in der DDR damals gerne gehört hätten: Pink Floyd und Rolling Stones beispielsweise." Ohne Ost-Rock ging es aber nicht. "Du hast den Farbfilm vergessen" von der Nina-Hagen-Band Automobil war zum Beispiel auch zu hören.

Zudem war der gebürtige Cloppenburger für den Austausch mit dem Musikgymnasium der Delmenhorster Partnerstadt Lublin in Polen verantwortlich und ein großer Förderer der Kooperation mit der Delmenhorster Musikschule. "Lublin hat viele Schülergenerationen geprägt, und da sind Freundschaften entstanden", meint er heute. "Die Motivation für die Austauschprojekte ging von der dortigen Deutschlehrerin aus. Sie wollte ihren Schülern einen Aufenthalt bei deutschen Familien ermöglichen." Und nicht nur das: Die gemeinsamen Aufführungen hat Schmelz als "beeindruckend" in Erinnerung: "Zum 25-jährigen Bestehen der Städtepartnerschaft vor drei Jahren haben 40 oder 45 Schüler gemeinsam Computerspiel- und Filmmusiken interpretiert. Das klang gut in der Markthalle." Die polnische Partnerschule sei "ganz anders organisiert" als das Maxe, hat Schmelz in Erfahrung gebracht. "Am Max-Planck-Gymnasium haben die Schüler im Musikprofil durchgehend von der sechsten bis zur zehnten Klasse vier Stunden Musik in der Woche. Das entspricht der Stundenanzahl eines Hauptfachs. Die Oberstufe bietet jedes Jahr den Leistungskurs Musik an", sagt er sichtlich stolz. Doch die polnische Schule toppe das noch: "Dort bekommen die Schüler zehn Stunden Musikunterricht in der Woche. Dazu gehören auch Form- und Gehörbildung. Mathe, Englisch, Deutsch kommen noch obendrauf. Die Schüler haben also gut zu tun. Und danach sind sie dann reif fürs Musikstudium."

Außer mit Schülern arbeitete er auch mit Erwachsenen. In seinem Haus in Ganderkesee hatte er sich ein kleines Tonstudio aufgebaut. Dort nahm er für die Folk-Band Tiree das Debut-Album "Over the Moon" auf – und katapultierte es gleich in die Bestenliste der Deutschen Schallplattenkritik.

Pläne für seinen Ruhestand hat er noch nicht. "Aber die Musik spielt weiterhin eine große Rolle", stellt er klar. "Ich hatte zuletzt keine Zeit, am Instrument zu üben", sagt er und blickt auf seinen Flügel. "Dem möchte ich mich jetzt wieder etwas mehr widmen. Für weitere Überlegungen für die Zukunft ist es noch zu früh."

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