Geschäfts-Bericht: Arbeit ab Mitte September in drei Schichten / Strukturelle Veränderungen innerhalb des Werks MBB Palfinger erwartet sattes Umsatz-Plus

Ganderkesee-Hoykenkamp. Volle Auftragsbücher bescheren dem Hoykenkamper Unternehmen MBB Palfinger, das vor allem Hubladebühen für Lastwagen, aber auch Einstiegshilfen für Rollstuhlfahrer produziert, gegenwärtig gute Laune und eine satte Umsatzsteigerung. Erwirtschaftete das Unternehmen im vergangenen Jahr 52,9 Millionen Euro, so gab sich Geschäftsführer Stefan Schnier gestern am Rande eines Termins mit Gewerkschaftsvertretern optimistisch, in diesem Geschäftsjahr die 60-Millionen-Euro-Grenze knacken zu können.
27.08.2016, 00:00
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MBB Palfinger erwartet sattes Umsatz-Plus
Von Jochen Brünner

Ganderkesee-Hoykenkamp. Volle Auftragsbücher bescheren dem Hoykenkamper Unternehmen MBB Palfinger, das vor allem Hubladebühen für Lastwagen, aber auch Einstiegshilfen für Rollstuhlfahrer produziert, gegenwärtig gute Laune und eine satte Umsatzsteigerung. Erwirtschaftete das Unternehmen im vergangenen Jahr 52,9 Millionen Euro, so gab sich Geschäftsführer Stefan Schnier gestern am Rande eines Termins mit Gewerkschaftsvertretern optimistisch, in diesem Geschäftsjahr die 60-Millionen-Euro-Grenze knacken zu können.

Die gute wirtschaftliche Situation hat auch für die rund 220 Beschäftigten Konsequenzen. Ab Mitte September dehnen sie die Produktion vom gegenwärtigen Zwei-Schicht- auf einen Drei-Schicht-Betrieb aus. „Diese Veränderung ist von der Belegschaft gewollt und wird auch vom Betriebsrat mitgetragen“, erklärte der Betriebsratsvorsitzende Frank Meyer, da auf diese Weise weniger Überstunden anfallen würden.

Aber auch strukturell stehen in dem Werk in Hoykenkamp in den kommenden sechs Monaten erhebliche Veränderungen an. So wird das Werk die Produktion von Hydraulik-Zylindern sukzessive an ein Schwesterwerk abgeben. Die auf diese Weise frei werdenden Kapazitäten will das Unternehmen nutzen, um den Anteil der selbst gefertigten Aluminiumplattformen zu steigern. Gegenwärtig würden in Hoykenkamp etwa die Hälfte der benötigten Aluminiumplattformen gefertigt werden, künftig solle dieser Anteil erheblich vergrößert werden.

Nach den Worten Meyers seien etwa 27 Mitarbeiter von der Umstellung betroffen. „Die Kollegen, die in der Zylinderfertigung gearbeitet haben, werden in anderen Bereichen eingesetzt und verschlechtern sich nicht“, betonte Meyer. Schnier erwartet, dass die Umstellung, die auch mit erheblichen Investitionen verbunden sei, im ersten Quartal 2017 abgeschlossen sei. Darüber hinaus gebe es weitere Modernisierungen – unter anderem im Bereich der Energieeffizienz. Meyer wertete die Entwicklungen als gutes Bekenntnis zum Standort Hoykenkamp, auch wenn die Veränderungen nach außen hin nicht sichtbar werden würden.

„Schwere Nutzfahrzeuge sind ein ganz guter Konjunkturindikator“, sagte Schnier. „Im Augenblick entwickeln sich die Märkte positiv, aber während der Finanzkrise in den Jahren 2009 und 2010 haben wir auch schwer gelitten.“ Nicht zuletzt der niedrige Eurokurs sei gut für das Geschäft, exportiert MBB Palfinger doch fast 60 Prozent seiner Hubladebühnen ins Ausland. Gegenwärtig verkauft das Unternehmen allein am Standort Hoykenkamp jährlich etwa 13 000 bis 14 000 Einheiten in etwa 55 Länder in aller Welt. Darüber hinaus werden in Ganderkesee auch noch Einstiegshilfen für Rollstuhlfahrer für Busse und Straßenbahnen produziert. Sie würden laut Schnier aber nicht mehr als zehn Prozent des Geschäfts ausmachen.

Für die Zukunft gelte es, auch weiterhin flexibel zu bleiben. "Wir bekommen unsere Aufträge in der Regel nicht sechs Monate im Voraus, sondern müssen innerhalb von drei bis vier Wochen liefern können“, erklärte der Geschäftsführer. Beim Export müsse man dazu schließlich auch noch die Transportzeiten hinzurechnen. Meyer lobte, dass sich die Quote der Leiharbeiter mit einem Anteil von zehn Prozent in Grenzen halten würde. Die Leiharbeiter würden zudem an den Prämienmodellen beteiligt und hätten, wenn sie sich bewähren, auch die Chance auf eine Festanstellung.

Im Jahr 2008 hatte der österreichische Konzern Palfinger mit Sitz in Salzburg (etwa 10 000 Beschäftigte, Jahresumsatz, 1,23 Milliarden Euro) das zur MBB Gruppe gehörende Werk in Hoykenkamp übernommen. 1937 hatte Henrich Focke dort in einer alten Margarinefabrik einen der ersten deutschen Hubschrauber gebaut. Nachdem das Werk mit Unterbrechungen bis in die 60er-Jahre für den Flugzeugbau genutzt wurde, konzentrierten sich die Vereinigten Flugtechnischen Werke (VFW) dann in Hoykenkamp auf die Hydraulikfertigung. Neben Containern wurden aber unter anderem auch Wohnwagen hergestellt. Anfang der 80er-Jahre ging VFW dann in dem Konzern Messerschmitt-Bölkow-Blohm (MBB) auf.

„Die Kollegen aus der Zylinderfertigung verschlechtern sich nicht.“ Frank Meyer, Betriebsratsvorsitzender
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