Seit 25 Jahren gibt es Ganztagsbetreuung an der Grundschule Jägerstraße / Bedingungen inzwischen schwieriger

Mehr Miteinander am Nachmittag

Hude. Idealismus ist nötig, wenn es um Konzepte für die Ganztagsschule geht – das hat sich in den vergangenen 25 Jahren an der Grundschule Jägerstraße nicht geändert. Doch während der damalige Schulleiter Harm Köhler mit Idealismus daranging, die Ganztagsbetreuung einzuführen, muss die heutige Rektorin Ilona Schütte immer wieder Erlasse umsetzen, die die Möglichkeiten der Schule einschränken.
30.09.2015, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Antje Rickmeier
Mehr Miteinander am Nachmittag

Schulleiterin Ilona Schütte und ihr Vorgänger Harm Köhler (hinten von rechts) sind überzeugt, dass die Kinder von der Ganztagsschule profitieren. Zurzeit nutzen etwa 90 Schüler an unterschiedlichen Tagen das Ganztagsangebot der Grundschule Jägerstraße. AR·

Antje Rickmeier

Idealismus ist nötig, wenn es um Konzepte für die Ganztagsschule geht – das hat sich in den vergangenen 25 Jahren an der Grundschule Jägerstraße nicht geändert. Doch während der damalige Schulleiter Harm Köhler mit Idealismus daranging, die Ganztagsbetreuung einzuführen, muss die heutige Rektorin Ilona Schütte immer wieder Erlasse umsetzen, die die Möglichkeiten der Schule einschränken.

Als die Grundschule Jägerstraße vor 25 Jahren mit der Nachmittagsbetreuung begann, waren Ganztagsschulen auf dem Land noch selten zu finden. Doch Harm Köhler nutzte einen Schulversuch des niedersächsischen Kultusministeriums, um diese Schulform in Hude zu etablieren. „Ich habe etwas gemacht, worüber ich heute nur noch den Kopf schütteln kann“, sagt der frühere Schulleiter. Kurz vor den Sommerferien habe er einen Antrag bei der Unteren Schulbehörde gestellt, ohne vorher die Gemeinde zu fragen.

Er war vom Ganztags-Konzept überzeugt: „Ich habe beobachtet, dass viele Kinder da waren, die Probleme mit den Hausaufgaben hatten, kein Mittagessen bekamen oder nachmittags alleine waren.“ Auch habe er festgestellt, dass Kinder mit Migrationshintergrund für sich geblieben seien. „Wir mussten etwas tun, damit alle zusammenkommen.“ Trotz des Alleingangs des Schulleiters zog die Gemeinde mit. Noch heute lobt Köhler die gute Zusammenarbeit mit der Verwaltung.

Zum Start habe die offene Ganztagsschule an der Jägerstraße die erforderliche Anzahl an Lehrerstunden bereits zur Verfügung gehabt. „Wir brauchten nur noch eine Sozialpädagogin.“ Auch das Mittagessen für die anfangs 30 bis 40 Kinder, die auch aus der Grundschule Hude-Süd und der katholischen Grundschule kamen, war schnell organisiert: Der Schlachter lieferte es an. Mittags wurden die Tische der Schüler zusammengerückt, eine Lehrkraft und fünf Kinder aßen gemeinsam. „So konnten wir eine Familiensituation aufbauen.“

In kleinen Gruppen erledigten die Kinder mit Unterstützung der Lehrer ihre Hausaufgaben. Außerdem organisierten die Pädagogen ein vielfältiges Angebot an Arbeitsgemeinschaften. Die Fußball-AG sei besonders toll gewesen, erinnert sich Harm Köhler. „Denn die Migranten-Kinder, die sich mit dem Lernen schwertaten, waren die besten im Fußballspielen.“ Das Konzept des Schulleiters für ein gutes Miteinander am Nachmittag ging auf – auch, weil das Land die neuen Ganztagsschulen gut ausstattete. „Unsere personelle Ausstattung war spitzenmäßig. Das war schon ein gewisser Luxus“, sagt Köhler, der 2006 in den Ruhestand ging.

Über die Bedingungen in der Anfangszeit kann die heutige Leiterin Ilona Schütte nur staunen. Während früher an fünf Nachmittagen in der Woche Lehrkräfte die Betreuung übernahmen, ist dies jetzt nur noch an drei Tagen der Fall. Am Donnerstag und Freitag sowie in der Zeit von 15.30 bis 16.30 Uhr finanziert die Gemeinde die Betreuung. Außerdem war die Schule in den vergangenen Jahren immer wieder gefordert, Erlasse und Sparvorgaben des Kultusministeriums umzusetzen.

Trotzdem wurde an der Jägerstraße daran gearbeitet, die Qualität der Ganztagsbetreuung stetig zu verbessern. Im Schuljahr 2009/2010 sei unter der Leitung ihrer Vorgängerin Margareta Schledde ein neues Konzept entwickelt worden, sagt Ilona Schütte. „Lehrkräfte, Eltern und einige Schulklassen haben gemeinsam ein hochwertiges Modell erarbeitet.“ Die Hausaufgabenbetreuung sei je nach Bedarf der Schüler in „intensiv“ und „normal“ unterteilt worden. Mit Unterstützung von Honorarkräften seien außerdem viele AG-Angebote geschaffen worden. In diese Zeit fiel auch der Umbau der Schule: Die Gemeinde habe genau an den richtigen Stellen investiert und immer ein offenes Ohr gehabt, so die Schulleiterin.

Doch nach etwa einem Jahr schränkte ein Erlass die Beschäftigung der externen Kräfte ein. Das Konzept sei zu teuer gewesen und habe nicht aufrechterhalten werden können. Die Lehrerstunden für die Hausaufgaben-Betreuung wurden reduziert, und die Honorarkräfte mussten gehen. „Es waren noch mehr Gelassenheit, Kreativität und Idealismus nötig“, sagt Ilona Schütte. Bei Sport- und Musikangeboten arbeitet die Grundschule zwar nach wie vor mit externen Partnern wie dem TV Hude, dem TuS Vielstedt und der Musikschule des Landkreises zusammen. Aber auch diese Zusammenarbeit sei nur bedingt möglich. „Es ist schwieriger geworden, ein vielfältiges Angebot zu schaffen.“

Doch die Ganztagsschule hat sich in der Gemeinde Hude etabliert: Dass sie absolut gewollt sei, zeige sich auch daran, dass die Grundschule Hude-Süd zur Ganztagsschule geworden sei und in Wüsting darüber diskutiert werde, meint Ilona Schütte. Wie ihr Vorgänger Harm Köhler glaubt auch sie an das Ganztagskonzept: „Vielen Kindern tut der Besuch der Ganztagsschule gut. Sie werden zusätzlich gefördert.“ Für die Zukunft kann sich die Schulleiterin deshalb vorstellen, dass aus der offenen eine teilgebundene Ganztagsschule wird, in der zwei Nachmittage in der Woche für alle Schüler verbindlich wären.

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