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Kopfschütteln zum Thema Mallorca-Reisen

Kanzlerin und Länderchefs haben den Lockdown verlängert. Unsere Redaktion befragte dazu nicht nur den Oberbürgermeister, sondern auch Menschen auf der Straße.
23.03.2021, 17:25
Lesedauer: 2 Min
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Kopfschütteln zum Thema Mallorca-Reisen
Von Gerwin Möller
Kopfschütteln zum Thema Mallorca-Reisen

Der Lockdown wurde nochmals verlängert: Zu den von Kanzlerin und Länderchefs verhängten Maßnahmen befragten wir den Oberbürgermeister und Delmenhorster, die wir in der Fußgängerzone trafen.

CLARA MARGAIS/dpa

Ostern steht vor der Tür, es ist das zweite Osterfest unter Corona-Beschränkungen. In der Nacht zu Dienstag hat die Runde von Kanzlerin und Länderchefs den Lockdown erneut verlängert. Die Inzidenzwerte steigen, Virusmutationen verbreiten Corona in verstärktem Tempo. Anders als zum Weihnachtsfest sollen für die Ostertage ganz besonders strenge Auflagen greifen, so hat es die Politikspitze verordnet. Die Zusammentreffen von Menschen werden auf Angehörige aus zwei Hausständen und maximal fünf Personen beschränkt. Geschäften werden neue Ruhetage verordnet, und selbst die Kirchen sollen zu ihrem höchsten Fest auf Präsenzgottesdienste verzichten. Für Gebiete mit hohen Neuinfektionszahlen ist sogar von Ausgangssperren die Rede.

„Wir sind noch dabei, alle Informationen zu sortieren“, sagte Delmenhorsts Oberbürgermeister Axel Jahnz Dienstagnachmittag auf Nachfrage des DELMENHORSTER KURIER. Er befürchtet wegen vieler Unklarheiten ein Einkaufschaos am Ostersonnabend. Er werde gefragt, ob Gründonnerstag nun wie ein Feiertag behandelt werde. Im Rathaus müsse man sich Fragen stellen, welche Geschäfte überhaupt öffnen dürften. Jahnz sieht die wachsenden Unzufriedenheiten in der Kaufmannschaft und - wohl noch viel mehr - in der Gastronomie. Man könne den Entscheidungen kaum noch folgen. Die Maßnahmen, die gerade bekannt werden, seien jetzt aber von den Kommunen umzusetzen, „es wirkt nicht sehr geordnet, was da gerade passiert“. Kopfschütteln hat Jahnz fürs Thema Mallorca-Reisen übrig und beendet das Telefonat mit unserer Redaktion, um in eine weitere Konferenz einzutreten.

In der Fußgängerzone haben wir mit Bürgern darüber gesprochen, wie die Beschlüsse über die neuen Beschränkungen bei ihnen angekommen sind. Viel Vertrauen zeigt Dagmar Kruse: „Irgendwann muss auch einmal Schluss sein“, sagt sie und mahnt alle Mitmenschen zu mehr Achtsamkeit in Bezug auf die Corona-Pandemie. Man sehe ja gerade, dass auch in Delmenhorst die Zahl der Neuinfektionen wieder ansteige.

Die bereits bekannt gewordenen Maßnahmen kommen bei Lars Petersen nicht gut an: „Das ist alles nicht mehr vermittelbar“, sagt er. Den Politikern wirft er vor, „den Faden“ verloren zu haben. „Die hangeln sich von einer Liane zur anderen.“ Hilflosigkeit herrsche vor, und die Politik kaschiere ihr eigenes Versagen. In seinen Augen müssten regionale Wege eingeschlagen werden. Wissenschaftler hätten bereits gesagt, dass der Inzidenzwert nicht der alleinige Maßstab für Maßnahmen sein dürfe. Die Politiker sollten endlich ihre Aufgabe annehmen und dafür Sorge tragen, dass es ausreichend Impfstoff gibt.

Ganz und gar nicht nachvollziehen kann Thea Mustaficia den Umstand, dass Touristen nach Mallorca fliegen dürften, sich Familien zu Ostern aber nicht sehen sollten. Aber das jeweils geltende Reglement müsse akzeptiert werden. Sie kritisiert, dass es immer noch oder schon wieder zu viele Menschen gebe, die sich um die Einschränkungen nicht kümmern, „da werden Partys gefeiert“. Auf diese Weise werde Corona das Leben noch lange begleiten. „Ich erlebe es im Beruf, wie Menschen mit der Maske unterm Kinn in den Laden laufen.“ Wenn sie dann Hinweise gebe, hagele es Widerworte, „die Leute reagieren dann zickig“.

Dieses Osterfest biete ihm ohnehin keinen Grund mehr zu feiern, sagt Niels Pelka zur Ankündigung ruhiger Tage von Gründonnerstag bis Ostermontag durch die Politik. Dass das Einkaufen sich mit dem Wegfall des Gründonnerstags auf den Sonnabend konzentrieren werde, hält er für völlig falsch. „Die Supermärkte werden voll sein - dabei wäre es doch besser, Menschenansammlungen zu vermeiden und dafür zu sorgen, dass es eine Entzerrung gibt.“

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