Freiwilligen-Engagement Michael Hink hilft Kindern in Südamerika

Delmenhorst. Und Michael Hink (61) überlegte, was er mit der vielen Freizeit anfangen könnte, die da auf ihn zukam und er entschied sich fürs Helfen. Und zwar nicht nebenan, sondern in Costa Rica, Mexiko, Guatemala. Der Beginn eines Unruhezustands.
28.02.2010, 17:30
Lesedauer: 3 Min
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Von Alexander Schmolke

Delmenhorst. Ein langes Arbeitsleben neigte sich dem Ende entgegen, der Ruhestand nahte. Und Michael Hink (61) überlegte, was er mit der vielen Freizeit anfangen könnte, die da auf ihn zukam: Den Rasen auf Golfplatz-Niveau bringen? Briefmarken sammeln? Kaffeekränzchen veranstalten? Nein, all das wollte der Delmenhorster auf keinen Fall. Stattdessen entschied er sich fürs Helfen. Und zwar nicht nebenan, sondern in Costa Rica, Mexiko, Guatemala. Der Beginn eines Unruhezustands.

Angefangen hat alles bei einem Urlaub vor fünf Jahren. In Thailand besuchte Hink mit seiner Frau die 'Beluga School for Life', in der Freiwillige in Not geratenen Kindern halfen. Er war beeindruckt und überlegte damals: 'Das könnte ich auch machen, wenn ich nicht mehr arbeite.' Nicht einfach so dahin gedacht: Der ehemalige Vorsteher des Finanzamts Delmenhorst (1995 bis 1999) behielt den Gedanken im Hinterkopf - und holte ihn hervor, als sein Berufsleben im Januar 2009 endete.

Nun steigt man allerdings nicht einfach in einen Flieger, geht in ein costaricanisches Dorf und bietet dem Erstbesten seine Hilfe an. Helfen will gut vorbereitet sein. Also wurde Hink erst einmal wieder zum Schüler, Spanisch stand auf seinem Stundenplan. Er besuchte VHS-Kurse, schob den Vokabel-Audiotrainer in den CD-Player, nahm an einem einwöchigen Lehrgang auf Mallorca teil. Heute kann der 61-Jährige auf Spanisch zwar keine tiefschürfenden Diskussionen über Politik oder Wirtschaft führen, 'doch im normalen Alltag komme ich bestens zurecht'.

Hinks nächster Schritt: Er sah sich auf der Homepage von 'Travel Works' um, einem Anbieter für weltweite Freiwilligenarbeit, der unter anderem Gastfamilien und Arbeitsstätten organisiert. Allerdings nicht gratis: Der sechswöchige Aufenthalt in Costa Rica, für den sich Hink schließlich entschied, kostete ihn 790 Euro. 'So habe ich das erste Mal bezahlt, um arbeiten zu dürfen', sagt der 61-Jährige lächelnd.

Sein Abenteuer begann im November vergangenen Jahres. Wenn Hink sich daran erinnert, strahlen seine Augen. Er erzählt, dass seine Gastfamilie in San Jose überaus nett und hilfsbereit gewesen sei, auf sein Bitten sogar die gebratene Schweinehaut für sechs Wochen vom Speiseplan genommen habe. Und erst das Land: 'Wunderschön und abwechslungsreich', so Hink. In gut vier Stunden konnte er mit dem Bus sowohl den Pazifik als auch den Atlantik erreichen, er lief durch den Regenwald, sah Vulkane, begegnete Affen, Krokodilen, Leguanen, bunten Fröschen und diversen Krabbeltieren.

All das allerdings nur am Wochenende! 'Von Montag bis Freitag hatte ich ganz normale Arbeitstage', erzählt der Delmenhorster. Eingesetzt war er im 'Centro Hogar Infantil Ana Frank', einer Kindertagesstätte und Schule für Sieben- bis Zwölfjährige. Hink betreute die Kinder im und nach dem Unterricht, half beim Rechnen und Schreiben, schlichtete manchen Streit. 'Die Mädchen waren wirklich unglaublich lieb', sagt Hink, 'doch Jungs in diesem Alter sind eben Rabauken.' Da mündete ein Foul beim Fußball schon mal in eine Prügelei, bei der Hink dann dazwischen gehen musste. Helfen kann anstrengend sein.

Doch vor allem ist es befriedigend: 'Was man dort tut, bringt den Kindern etwas', sagt Hink, 'und man merkt jeden Tag, dass sie einem dankbar sind.' Beim Abschied flossen sogar einige Tränchen. 'So stark wie in diesem Augenblick ist mir noch nie bewusst gewesen, dass es im Leben wichtigere Dinge gibt als Steuerrecht, Personalratssitzungen und Gesundheitsmanagement', sagt Hink.

Abenteuer Nummer zwei steht an

Angesichts dieser Erfahrungen verwundert es nicht, dass er bereits Abenteuer Nummer zwei geplant hat: Am 13. April sitzt Hink im Flugzeug nach Mexiko-Stadt. Sieben Wochen bleibt er dort, wird in den Einrichtungen 'Por un mejor Hoy' in Cuernavaca und 'Casa Hogar Nueva Vida' in Puerto Escondido Kindern helfen. Und im Februar 2011 soll es dann auf Tour Nummer drei nach Guatemala gehen. Alles übrigens mit Genehmigung seiner Frau: 'Sie ist berufstätig, kann also noch nicht mitkommen', sagt Hink. 'Doch sie unterstützt mich voll in dem, was ich tue.'

Seine eigene Unterstützung bietet Hink allen Delmenhorstern an, die sich vorstellen können, selbst in der Freiwilligenarbeit tätig zu werden - gerade älteren Mitbürgern. Denn er kennt viele Beispiele, in denen Rentner zwei mal pro Woche ins alte Büro laufen 'oder den bisher reibungslos laufenden häuslichen Alltag stören', wie er schmunzelnd sagt. 'Dabei', schildert Michael Hink, 'macht der Ruhestand so viel mehr Freude, wenn man anderen Menschen helfen kann.'

Freiwilligenarbeit ist nicht nur in der Kinderbetreuung möglich. Die Palette reicht von Natur- und Tierschutzprojekten über Unterrichtstätigkeit bis hin zur Arbeit in Altenheimen. Wer Interesse hat, kann sich mit Michael Hink über dessen Erfahrungen austauschen. Kontakt über E-Mail an michael.hink@t-online.de.

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