Tagelange Wanderung und Schneesturm auf der Spitze: Polizeichef Jörn Stilke erklimmt den Kilimandscharo

Mit Delmenhorst-Flagge auf den Gipfel

„Die dünne Luft macht einem schon zu schaffen.“ Jörn Stilke Delmenhorst.
01.02.2016, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Mit Delmenhorst-Flagge auf den Gipfel
Von Christina Steinacker
Mit Delmenhorst-Flagge auf den Gipfel

Eiseskälte und Schneesturm auf dem Gipfel: Jörn Stilke (Foto), sein Freund Klaus-Peter Zeh sowie ihre afrikanischen Begleiter hatten oben Pech mit dem Wetter. In den Genuss der tollen Aussicht, auf die sich die Delmenhorster gefreut hatten, kamen sie nicht.

Polizeidirektion Oldenburg, frei

20 000 Touristen wollen ihn jedes Jahr erklimmen, den Kilimandscharo in Tansania, den höchsten Berg Afrikas. Viele scheitern aber an der Höhe. Jörn Stilke hat es bis nach oben geschafft, gemeinsam mit einem Freund ist der Delmenhorster Polizeichef zum Gipfel hinaufgewandert. Dabei ging er bis an seine Grenzen, wanderte stundenlang, teilweise bei bitterer Kälte. Aber es war ein grandioses Abenteuer, sagt der zweifache Vater.

Für elf Tage reiste Jörn Stilke zusammen mit seinem Freund, dem Adelheider Klaus-Peter Zeh, im Januar nach Tansania. Seit knapp zwei Wochen sind die beiden wieder da. Ohne Schnupfen, ohne Nachwirkungen anderer Art. „Beide Familien waren dann schon froh, uns wiederzuhaben“, sagt der Polizeichef, „man ist ja sonst immer erreichbar, auf dem Berg aber nicht. Null Kommunikation.“

Sieben Tage klinkten sich die beiden Freunde aus der Zivilisation aus. „Fünf den Berg rauf – zwei Tage wieder runter“, fasst der 55-Jährige zusammen. Die restliche Zeit wurde zur Akklimatisierung, zum Ausruhen und für Ausflüge genutzt. Sein Freund sei der Initiator des Ganzen gewesen, das ist Jörn Stilke wichtig, zu betonen. „Er hat jemanden gesucht, der ihn begleitet. Wir haben uns gemeinsam rauf- und wieder runtergequält. Arm in Arm.“

Den „Kili“ kann man erwandern, Bergsteigerei sei das nicht, beschreibt er, aber wie im Harz sei das natürlich nicht, schon anspruchsvoll. Knapp 5900 Meter ist der Berg hoch, und die Höhe sei auch die größte Herausforderung, erzählt der Leitende Kriminaldirektor, der mit seiner Familie in Heide wohnt. „Wir beiden halten uns körperlich recht fit, und was die eigentliche Kondition angeht, war das kein Problem. Aber die dünne Luft macht einem schon zu schaffen.“ Die typischen Symptome wie Kopfschmerzen, Übelkeit, Schwindel setzten auch bei ihm ein. „Aber im Grunde macht man den Rest dann mit dem Kopf“, blickt Stilke zurück, „man muss ein stückweit den Körper ausschalten und sagen: Ich will da jetzt rauf.“

Achteinhalb Stunden dauerte der Aufstieg vom letzten Basislager aus. Dabei schleppten die Wanderer noch ein Zwei-Mann-Zelt und Verpflegung mit. „Da oben gibt’s ja nichts zu kaufen, spätestens ab dem letzten Basislager muss man sogar das Wasser mit hochtragen“, erzählt Stilke. Als es Richtung Spitze ging, hatten Jörn Stilke und Klaus-Peter Zeh (samt ihrer afrikanischen Begleiter) dann allerdings Pech: „Man geht nachts los, um auf den Gipfel zu kommen, weil der Reiz ist, den Sonnenaufgang über Tansania zu sehen. Das war uns aber leider nicht vergönnt. Wir hatten Schneesturm und minus zwölf Grad.“ Die Kälte im Gesicht, das Stemmen gegen den eisigen Wind – „das war schon unheimlich anstrengend“.

Aber das Gefühl, wenn man es dann geschafft hat – überwältigend, sagt Stilke. „Total matt, aber stolz und glücklich“ sei er gewesen – und es kam ihm auch ein bisschen unwirklich vor, dass er dort oben stand, auf dem höchsten frei stehenden Berg der Welt. Dann ging es wieder runter, bis auf 3100 Meter, da war das Lager. 4100 zurückgelegte Höhenmeter waren das an einem Tag. Ein Abenteuer-Urlaub, der auf die Knochen geht. Aber gleichzeitig so viel Faszination besitzt, sagt Stilke, und schwärmt von der Farbenvielfalt des Regenwaldes – „eine Welt, die man sonst nur über irgendwelche Medien zu sehen bekommt“. Von dort geht es weiter durch eine Heidelandschaft und eine Steinwüste, bis man dort ankommt, wo Schnee liegt. „Man erwandert sich die verschiedensten Klimazonen, das ist das Grandiose.“

Ob er es noch einmal machen würde? Den „Kili“ nicht , sagt der Polizeichef, nur noch Strandurlaub ist künftig aber keineswegs angesagt. „Irgendwas Verrücktes machen wir bestimmt noch mal.“

Zur Person

Jörn Stilke wurde am 2. Oktober 1960 in Bremerhaven geboren. Der 55-Jährige hat gemeinsam mit seiner Frau Helga zwei Söhne und lebt in Heide in der Gemeinde Ganderkesee. Der Leitende Kriminaldirektor ist seit 2008 Chef der Polizeiinspektion Delmenhorst/Oldenburg-Land/Wesermarsch. Von 2005 bis 2008 leitete er drei Jahre die Polizeiinspektion Verden/Osterholz, war davor unter anderem Dezernatsleiter bei der Polizei Oldenburg sowie Leiter des ersten und zweiten Polizeikommissariats in Oldenburg und von 1983 bis 1993 bereits als Polizist in Delmenhorst tätig.

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