Kartierung von Waldvögeln beginnt am Wochenende / Diskussionsgrundlage für Naturschutzfragen

Mit offenen Ohren durch Holz und Fuhr

Die Vogelkenner, die in den kommenden Monaten im Auftrag des Fuhrenkamp-Schutzvereins und der NABU-Ortsgruppe Ganderkesee unterwegs sein werden, brauchen ein geschultes Gehör. Bei Exkursionen wollen sie die Waldvögel in der Gemeinde erfassen – und lauschen dafür den Rufen und dem Gesang der Tiere. Im vergangenen Jahr hatten die Helfer bereits Ackervögel kartiert, 2014 folgen die Vogelarten in Siedlungen und Feuchtgebieten. Auf diese Weise wird eine Datensammlung erstellt, die als Diskussionsgrundlage für Naturschutzfragen dienen soll.
20.02.2013, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Antje Rickmeier

Die Vogelkenner, die in den kommenden Monaten im Auftrag des Fuhrenkamp-Schutzvereins und der NABU-Ortsgruppe Ganderkesee unterwegs sein werden, brauchen ein geschultes Gehör. Bei Exkursionen wollen sie die Waldvögel in der Gemeinde erfassen – und lauschen dafür den Rufen und dem Gesang der Tiere. Im vergangenen Jahr hatten die Helfer bereits Ackervögel kartiert, 2014 folgen die Vogelarten in Siedlungen und Feuchtgebieten. Auf diese Weise wird eine Datensammlung erstellt, die als Diskussionsgrundlage für Naturschutzfragen dienen soll.

Ganderkesee. Die 14 Vogelkenner, die die naturschutzrelevanten Waldvögel erfassen sollen, sind für ihre Aufgabe gut gerüstet. Mit MP3-Playern und anderen Abspielgeräten gehen sie am Wochenende auf ihre erste Exkursion in die Waldgebiete der Gemeinde Ganderkesee. Da sich die ehrenamtlichen Helfer im Wald nicht auf ihre Augen verlassen können, wollen sie den Gesang und die Rufe der Vögel abspielen und die Tiere so zum Antworten animieren. "Bestimmte Arten reagieren nur auf eine Klangattrappe", sagte Klaus Handke, Vorsitzender des Fuhrenkamp-Schutzvereins und Leiter des Projekts. Doch wenn sich die Waldvögel dann bemerkbar machen, sind die Kartierer erst recht gefordert. Denn sie müssen die Laute einer Vogelart zuordnen.

"Die Kunst besteht darin, aus 15 Stimmen die eine entscheidende herauszuhören", sagte Handke bei der Vorstellung des Projekts. Da insgesamt etwa 30 Arten erfasst werden sollen, ist dafür eine gute Vorbereitung nötig. Man müsse sein Gehör trainieren und die Vogelarten lernen. Genau das hat Hergen Skibbe gemacht. "Man muss sich die Stimmen immer wieder vorspielen", sagte der 25-jährige Student. "Aber wenn man es kann, erschließt sich eine neue Welt." Auch Exkursionen und Informationsabende unterstützen die Kartierer bei der Vorbereitung auf ihre Aufgabe. Darüber hinaus nehmen sie Bestimmungsbücher, Ferngläser und Karten mit. Die Mehrzahl der Helfer hat bereits Erfahrung mit der Kartierung von Brutvögeln. Im vergangenen Jahr widmete sich das Team um Klaus Handke und den Vorsitzenden des Naturschutzbunds (NABU) Hans Fingerhut der Erfassung der Ackervögel.

Alle größeren Waldflächen in der Gemeinde sollen kartiert werden, darunter die Waldgebiete Stenumer Holz und Bürsteler Fuhren. Insgesamt nehmen sich die Kartierer eine Fläche von knapp acht Quadratkilometern vor. Doch der Hasbruch bleibt außen vor: Dieser sei bereits 2011 erfasst worden, sagte Handke. Die Vogelkenner arbeiten in kleinen Teams und nähern sich von Wegen und Waldrändern aus den Waldgebieten, um die Vögel nicht zu stören. Erfasst werden sollen naturschutzrelevante Vogelarten wie Greifvögel, Eulen und Spechte. Besonderes Augenmerk wird auch auf Höhlenbrüter wie Hohltaube und Dohle sowie Kleinvogelarten wie Pirol und Star gelegt. Die Vorkommen werden dann in vorbereitete Karten eingetragen und später ausgewertet. Klaus Handke hofft auf neue Erkenntnisse: "Wir wissen gar nicht, wie verbreitet die Waldschnepfe ist", nannte er ein Beispiel. Um die unterschiedlichen Vogelarten erfassen zu können, müssen die Kartierer zu unterschiedlichen Tages- und Jahreszeiten aufbrechen. Bis Ende Juni sind insgesamt neun Exkursionen am Tag und weitere drei in der Nacht geplant. Im September sollen die Ergebnisse vorliegen.

Das Projekt ist insgesamt auf drei Jahre angelegt. Für 2014 ist eine Kartierung der Vögel in Siedlungen und Feuchtgebieten geplant. Auf diese Weise sollen nach den Worten von Klaus Handke Daten als Diskussionsgrundlage für Naturschutzfragen gesammelt werden. "In der Gemeinde Ganderkesee werden zum ersten Mal alle relevanten Vogelarten erfasst und ihre Brutstandorte bestimmt", erläuterte er. Außerdem sollen die Ganderkeseer für die Vögel in ihrer Umgebung begeistert werden. Es sei geplant, der Öffentlichkeit die Ergebnisse in einem Buch zu präsentieren.

Schon jetzt zeigt sich, dass die Arbeit von NABU und Fuhrenkamp-Schutzverein in der Region auf Interesse stößt. Bei den Kartierungen machen außer Vogelkennern aus Ganderkesee auch Ornithologen aus Hude, Oldenburg und Delmenhorst mit. Interessierte Helfer sind weiterhin willkommen.

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