Neben der Dauerausstellung über die Arbeit der Wollkämmerei geht es jetzt auch um die Bekleidungs-Industrie Museum zeigt ganz besondere Mode-Schau

„Mode made in Delmenhorst“ heißt die neue Sonderausstellung im Nordwestdeutschen Museum für Industriekultur auf der Nordwolle. Ende kommender Woche wird sie eröffnet – soll danach aber kontinuierlich weiterentwickelt werden und wachsen. Konzipiert wurde die Schau federführend von Maike Lammers.
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Von Andreas D. Becker

„Mode made in Delmenhorst“ heißt die neue Sonderausstellung im Nordwestdeutschen Museum für Industriekultur auf der Nordwolle. Ende kommender Woche wird sie eröffnet – soll danach aber kontinuierlich weiterentwickelt werden und wachsen. Konzipiert wurde die Schau federführend von Maike Lammers.

Nicht einmal mehr zwei Wochen, um die leeren Schaukästen zu füllen. Keine 14 Tage mehr, um die Maschinen und Kleidungsstücke so in der Nadelsetzerei

anzuordnen, dass sie eine stimmige und spannende Geschichte erzählen. „Es ist schon sportlich“, gibt Maike Lammers zu. Sie kuratiert im Industriemuseum die Sonderausstellung „Mode made in Delmenhorst. Aufstieg, Glanz und Niedergang der Bekleidungsindustrie“, die sich vom 25. Oktober bis zum 22. März 2015 mit einem großen Wirtschaftsthema der Stadt beschäftigt: der vielfältigen Modeproduktion. Denn die Branche war in Delmenhorst viele Jahre weitaus mehr als nur Delmod.

Das wurde bereits im November des Vorjahres deutlich, als das Museum ehemalige Textiler zu einem Gesprächskreis einlud. „Die Resonanz war überraschend und überwältigend“, erzählt die 31-Jährige, die eigentlich in Dortmund lebt, jetzt, in der heißen Phase vor der Eröffnung, aber rund um die Uhr in Delmenhorst weilt. Der Gesprächskreis findet mittlerweile regelmäßig im Museum statt und ist eine lebendige Quelle für Maike Lammers, um Ideen und Inhalte für die Ausstellung zu erhalten.

Wie groß das Thema Bekleidungsindustrie in Delmenhorst war, kann Maike Lammers aber selbst noch nicht abschließend beantworten. Die Ausstellung bereitet sie erst seit Beginn des Jahres vor, was, gemessen am Thema, nicht besonders lang ist. Sie hatte kaum genug Zeit, all die Ausstellungsstücke, die dem Museum mittlerweile vor allem von ehemaligen Textilern zur Verfügung gestellt wurden, zu katalogisieren. „Es ist schon überraschend, in wie vielen Kleiderschränken noch Stücke wie Mäntel oder Kostüme hängen, oft hochwertige Mode von Delmod“, sagt Museumsleiter Hans-Hermann Precht. Eine detaillierte Einzelrecherche – also ein Abtauchen in die Archive und gezielte Interviews mit den Zeitzeugen – zu jedem Exponat war da schon mal gar nicht möglich.

Zudem hat Maike Lammers im Laufe der Arbeit zwar viele kleine Puzzlestücke gefunden, die großen Bilder dahinter ließen sich aber noch nicht rekonstruieren. Da tauchten Hinweise auf den Herrenkleiderfabrikanten „E. Müller & Co.“ auf, sie stieß auf eine „Abitzsch-Modelle KG“ am Wehrhahn 4, also da, wo später Oggi war und heute ein Bekleidungsgeschäft angesiedelt ist, und sie sah Anzeigen, in denen eine „Hering Strickwarenfabrik“ warb. „Von denen weiß ich bislang nur, dass es sie gab.“ Doch ganz bewusst wurde die Entscheidung gefällt, nicht erst alles auszurecherchieren, sondern einfach mit einer Ausstellung zu starten – und diese dann stetig weiter zu entwickeln.

„Ursprünglich lautete unsere Idee ja auch, ein Kreativ- und Kompetenzzentrum Textil zu gründen“, erzählt Precht. „Die Bekleidungs- und Modegeschichte sollte nicht nur museal dokumentieren werden, auch Künstler, Kunsthandwerker und Designer sollten im Museum aktiv arbeiten. Die Idee existiert auch weiterhin, allerdings mittlerweile eher als ein Fernziel. Während einer Sitzung des wissenschaftlichen Beirats im März empfahl Werner Straukamp, Leiter des Nordhorner Stadtmuseums: Beginnt doch erstmal mit der Museumsarbeit. Darauf haben sie sich dann besonnen.

„In der Konzeption hatten wir anfangs drei Schwerpunkte, die sich aber auch ein wenig gewandelt haben“, erklärt Maike Lammers. Schwerpunkt eins ist dabei erhalten geblieben, er war sozusagen Stein des Anstoßes: Das Museum hatte vor einigen Jahren bereits die alte Ausbildungswerkstatt Textil der Berufsbildenden Schulen II gestiftet bekommen, mit dem Aus der Mode-Industrie wurde auch dieser Ausbildungszweig an der Schule geschlossen. Die Werkstatt wird Teil der Schau sein.

„Schwerpunkt zwei sollen die Delmenhorster Betriebe sein, allen voran natürlich Delmod“, sagt Maike Lammers. Im Bewusstsein sind dann vielleicht noch Lamod und Oggi, „aber in den 50er- und 60er-Jahren gab es noch andere Firmen in der Stadt“, sagt sie. „Der dritte Schwerpunkt sollte die Einbeziehung unserer Gesprächskreisteilnehmer werden.“ Doch von dem eher biografischen Ansatz geht es nun weiter in Richtung der Produktionsabläufe in den Betrieben, für die einige der Gesprächsteilnehmer symbolisch stehen. Denn anders als ein Schneider, der ein Kleidungsstück komplett näht, waren im Industrie-Akkord hoch spezialisierte Arbeitsschritte gefragt, eine Näherin hat nur Reißverschlüsse gemacht, die nächste nur Taschen und so weiter. „Wir wollen deutlich machen, dass es um eine serielle Fertigung ging“, sagt Maike Lammers.

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