Vandalismus und Temperaturenproblem lässt Versuch scheitern

Nach Testphase: Spiegel müssen weichen

Seit April dieses Jahres hat die Stadt Delmenhorst sogenannte Ampelspiegel getestet, mit denen Auto-, Bus- und Lkw-Fahrer einen besseren Blick in den toten Winkel haben sollen. Doch die Idee, die Radfahrer auf diese Weise zu schützen, wurde jetzt beerdigt. Die Spiegel werden Anfang kommenden Jahres abmontiert.
19.12.2013, 00:00
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Nach Testphase: Spiegel müssen weichen
Von Kai Purschke
Nach Testphase: Spiegel müssen weichen

Die Idee ist gut, das System der Ampelspiegel aber mangelhaft. Zu diesem Urteil gelangte die Verkehrskommission jetzt, als sie die Erfahrungen mit den Spiegeln Revue passieren ließ. Weil Spiegel seit April oft beschädigt oder verstellt worden sowie bei bestimmten Temperaturen beschlagen waren, nimmt die Stadt Delmenhorst von ihnen Abstand. Anfang nächsten Jahres werden sie abmontiert.

Ingo Moellers

Seit April dieses Jahres hat die Stadt Delmenhorst sogenannte Ampelspiegel getestet, mit denen Auto-, Bus- und Lkw-Fahrer einen besseren Blick in den toten Winkel haben sollen. Doch die Idee, die Radfahrer auf diese Weise zu schützen, wurde jetzt beerdigt. Die Spiegel werden Anfang kommenden Jahres abmontiert.

Die Idee, die in den Spiegeln zu sehen ist, hält die Kommission, die aus Vertretern der Stadtverwaltung und der Polizei besteht, nach wie vor für gut. Aber: „Es gibt mehrere nicht optimale Erfahrungen, die wir machen mussten“, sagte Stadtsprecher Timo Frers am Mittwoch auf Nachfrage. Und all diese Erfahrungen aus den vergangenen acht Monaten, in denen hauptsächlich zwei Ampelspiegel getestet wurden, weil der dritte laut Frers ziemlich schnell komplett zerstört war, haben dazu geführt, dass das Projekt beendet wird. „Wir nehmen davon Abstand und werden die vorhandenen zwei Spiegel Anfang 2014 abbauen“, schilderte Frers.

Einer der Spiegel befindet sich am Wasserturm, der andere an der Oldenburger Straße/Ecke Marktstraße, aber beide haben die gleichen Probleme angezogen. Das ist zum einen der Vandalismus. Und auch wenn die beiden verbliebenen Rundspiegel nicht wie der dritte zerstört wurden, gab es wohl immer mal Spaßvögel, die im Sprung dagegen geschlagen haben. Denn mehrfach hatte die Stadt feststellen müssen, dass die Spiegel verstellt sind. Was dann ihren eigentlichen Sinn ins Gegenteil verkehrt, weil Autofahrer dann mitnichten den toten Winkel einsehen, sondern einen ganz anderen Bereich. „Auto- und Radfahrer haben dann ein falsches Sicherheitsgefühl, weil sie ja glauben müssen, dass alles korrekt eingestellt ist“, sagte Frers.

Der dritte Kritikpunkt, der dazu führte, dass die Verkehrskommission jetzt den Test für gescheitert erklärt hat, ist der Wettereinfluss. Wie Frers schilderte, seien die Spiegel sehr wetterempfindlich. „Bei PlusTemperaturen von fünf bis zehn Grad Celsius sind die Spiegel beschlagen und können nicht benutzt werden“, sagte er. Die aufgezählten Probleme gipfeln darin, dass die Spiegel nicht so oft auf ihren Zustand kontrolliert werden könnten, wie es angesichts der Unwägbarkeiten nötig sei.

Polizeisprecherin Jennifer Koch sagte, dass derartige Spiegel „im Einzelfall zu einer Verbesserung des Blicks in den toten Winkel“ beitragen könnten. Die Polizei habe allerdings nach acht Monaten Testlauf feststellen müssen, dass sich die Ampelspiegel so gar nicht auf das Unfallgeschehen ausgewirkt haben. „Weder positiv noch negativ“, unterstrich Jennifer Koch. Demzufolge haben die neben den Ampellichtern montierten Spiegel laut Polizei-Analyse nicht zu weniger, aber durch verstellte Spiegel auch nicht zu mehr Unfällen an den beiden Punkten im Stadtgebiet geführt. Jedenfalls in der Endabrechnung.

Die aufgetretenen Probleme – Beschädigungen und Beschlag – scheinen allerdings Delmenhorst-spezifisch zu sein. Die Spiegel finden in den Niederlanden schon länger Anwendung und auch die Stadt Freiburg hat sie mittlerweile flächendeckend im Einsatz. „Wir sind im Jahr 2007 mit 20 Spiegeln angefangen und haben nun 160 Stück. Aber es gibt weder Vandalismusschäden noch Probleme mit Beschlag“, sagte Stadtsprecherin Martina Schickle. Freiburg ist allerdings eine sogenannte Fahrradstadt, vielleicht ist dort auch einfach nur die Akzeptanz für die Spiegel größer.

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