Deichband will auf Strecke bis zum Ochtumsperrwerk das Profil abflachen / Baubeginn frühestens in zwei Jahren Neuer Deich von Hasbergen nach Norden

Delmenhorst. Der Ochtumdeich von Hasbergen bis zum Ochtumsperrwerk soll erneuert werden. Das hat der Vorsteher des I.
28.10.2016, 00:00
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Von Ute Winsemann

Delmenhorst. Der Ochtumdeich von Hasbergen bis zum Ochtumsperrwerk soll erneuert werden. Das hat der Vorsteher des I. Oldenburgischen Deichbands, Cord Hartjen, am gestrigen Donnerstag bei der Herbstdeichschau angekündigt. Noch allerdings laufen nur erst die Vorplanungen. „Wir fangen frühestens in zwei Jahren an“, sagte Hartjen. Gebaut werden solle dann in mehreren Abschnitten, insgesamt rechnet Hartjen damit, dass sich die Arbeiten über vier Jahre erstrecken. Wie der Deich nach der Sanierung aussehen soll, lässt sich bereits flussabwärts betrachten: Auf dem Stück zwischen dem Ochtumsperrwerk und dem St.-Veit-Denkmal in Altenesch hat der Deichband den Deich in diesem Sommer auf einer Länge von 840 Metern an die heutigen Erfordernisse angepasst.

Die beiden wichtigsten Aspekte bei der Erneuerung sind eine neue Profilierung sowie die Entwässerung des Deichs. Höher werden soll er dagegen nicht. Die Deichkrone liege bei sechs Metern, erläuterte der Verbandsvorsteher. Laut Berechnungen liefen die Polderflächen am Fluss aber selbst bei einem 48-stündigem Hochwasser lediglich bis zu 3,75 Meter voll. Auch mit einem halben Meter Zugabe für den Wellenschlag sei also noch ausreichend Luft nach oben.

Das Problem ist eher die Form des Deichs. „Die Neigung ist an vielen Stellen zu steil“, erklärte Hartjen – jedenfalls auf der Innenseite. Außendeichs sei das Zielmaß von einem Meter Höhenunterschied auf drei Metern Entfernung bereits erreicht. Aber zu den Häusern und Straßen hin betrage das Verhältnis überwiegend nur 1:1,5, die Deichinnenkante ist also doppelt so steil, wie sie aus wasserbaulicher Sicht sein sollte. „Das ist ein Sicherheitsrisiko“, sagte Hartjen. Denn dadurch lasse sich die Böschung schlecht pflegen. Und auch die Schafe, deren Tritte den Untergrund eigentlich festigen sollen, rutschten auf einer derartigen Schräge leichter mal ab und beschädigten dabei die Oberfläche. Außerdem bedeutet eine flachere Neigung, dass der Deich an seinem Fuß breiter wird und etwaigen Wassermassen mehr eigene Masse entgegenzusetzen hat, also stabiler ist und selbst bei längerer Belastung nicht so schnell durchfeuchtet.

Das neue Profil will der Deichband erreichen, indem er die Deichkappe jeweils um drei bis fünf Meter zur Wasserseite verschiebt. Zum Land bleibt der Verlauf also am unteren Ende gleich. Weder Gärten noch Straßen würden beeinträchtigt, versicherte der Deichband-Vorsitzende. Im Gegenteil: Sie dürften davon profitieren, dass an der Unterkante durchgängig Rigolen aus Rohren mit Kiesfilter verlegt werden sollen, wie es ebenfalls im Abschnitt unterhalb des Ochtumsperrwerks schon geschehen ist. „Vorher lief das Wasser immer auf die Straße“, schilderte Hartjen die typische Situation bei Regenwetter, nun würden vom Deich herabfließende Niederschläge über die Rigolen in Gräben abgeleitet.

Die Sanierungsstrecke ist insgesamt rund vier Kilometer lang. Auf etwa 1,5 Kilometern besteht der Deich bislang ausschließlich aus Deich, auch dieser Abschnitt soll wie der Rest eine Deckschicht aus Klei erhalten. Das soll die Stabilität zusätzlich verbessern.

Unter anderem hält dieser feine und dichte Boden auch Wasser besser, als Sand es vermag. Das mag auf den ersten Blick vielleicht gar nicht so sinnvoll für ein Material erscheinen, das ja gerade Wasser abwehren soll, ist aber doch vorteilhaft. Denn weil Wasser nun mal nach unten fließt, trocknet bei einem reinen Sanddeich der obere Bereich im Sommer leicht aus. „Darunter leidet die Grasnarbe“, sagte der Hasberger Landwirt Bernd Ziessow, der rund 300 Texel-Schafe auf dem Deich sowie dem Polder und auch einigen Flächen in Hasbergen und Richtung Stadt weiden lässt. Die Grasnarbe ist aber die oberste Schutzschicht des Deichs, die verhindert, das Wasser den Untergrund nach und nach wegspülen kann. Also ist es wichtig, sie in einem guten Zustand zu halten.

Wenn die Halme auch bei Trockenheit noch schön saftig und grün sind, haben auch die Schafe mehr zu futtern – die sowohl durch das Verbeißen der Gräser als auch durch ihre Tritte weiter zur Festigkeit beitragen. „Wir sehen das ganz deutlich“, sagte Ziessow, „auf den Flächen, wo seit Jahren Schafe weiden, ist die Grasnarbe besonders gut“. Deshalb steht er den Plänen des Deichbands auch positiv gegenüber – obwohl die Bauphase manche Einschränkungen für den Betrieb mitbringen dürfte. „Wir können das nur begrüßen, selbst wenn die Arbeiten ein ganzes Jahr dauern.“

Zumindest auf dem von ihm genutzten Land dürfte es so lange denn wohl doch nicht dauern. Den knappen Kilometer vom Ochtumsperrwerk bis Altenesch jedenfalls hat der Deichband in rund drei Monaten geschafft. Gekostet hat dieser Abschnitt nach Angaben des Vorstehers 150 000 Euro. Eine Kalkulation für die Strecke von Hasbergen bis zum Sperrwerk liege bislang noch nicht vor. So oder so hofft der Verband aber in beiden Fällen darauf, das Geld letztlich von Bund und Land wiederzubekommen.

„Die Neigung ist an vielen Stellen zu steil.“ Deichband-Vorsteher Cord Hartjen
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