Bei der Vernissage zur Ausstellung „ . . . in der Tiefe entdecken . . .“ enthüllt Norbert Marten seine Gans-Skulptur

Neuer Ganter ist in Ganderkesee gelandet

Die weiße Gans ist angekommen. Ob sie bei den Ganderkeseern jedoch auch im Herzen landen wird, ist noch unklar. Der Westersteder Norbert Marten präsentierte am vergangenem Freitag seine Vision vom Ganter im Haus Müller der kunstinteressierten Öffentlichkeit. Darüber hinaus sind noch weitere Werke von ihm im Kulturhaus zu sehen. Der Verein Ganter-Art wollte nach 60 verkauften Vögeln mal etwas Bewegung in den Ort bringen und beauftragte den 60-jährigen Künstler damit, den alten Ganter zu ersetzen.
15.07.2013, 05:00
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Von Simone Becker
Neuer Ganter ist in Ganderkesee gelandet

Typisch Norbert Marten: der Mix aus Malerei und Bildhauerei.SME·

Simone Becker

Die weiße Gans ist angekommen. Ob sie bei den Ganderkeseern jedoch auch im Herzen landen wird, ist noch unklar. Der Westersteder Norbert Marten präsentierte am vergangenem Freitag seine Vision vom Ganter im Haus Müller der kunstinteressierten Öffentlichkeit. Darüber hinaus sind noch weitere Werke von ihm im Kulturhaus zu sehen. Der Verein Ganter-Art wollte nach 60 verkauften Vögeln mal etwas Bewegung in den Ort bringen und beauftragte den 60-jährigen Künstler damit, den alten Ganter zu ersetzen.

Ganderkesee. Die Flügel sind weit ausgebreitet, die Füße sind nach vorn gestreckt und der Blick des neuen Ganters ist nach rechts gerichtet. Mit der Bezeichnung "Ganter 2.0" ist eine Anlehnung an die Sprache des Computerzeitalters geschaffen worden, um zu signalisieren: Hier kommt etwas Modernes und Frisches. Etwas hat das Wahrzeichen von Ganderkesee in der Version von Norbert Marten doch etwas mit seinem Vorgänger gemeinsam: Zunächst ist es nämlich nur sehr groß und weiß. Bemalen sollen es andere.

Bestellen kann man den Kunstharz-Vogel über den Verein Ganter-Art. Der Preis für das Werk setzt sich zusammen aus einer Spende, 1070 Euro für den Vogel und 530 Euro für den Granitsockel. Gefertigt wird der "Ganter 2.0" dann in Polen. Der Erste seiner Art kann noch bis zum 29. September im Haus Müller betrachtet werden. Am vergangenen Freitag wurde er im Rahmen einer Vernissage der Öffentlichkeit präsentiert. Bevor der Vorhang für den neuen Ganter fiel, fiel zunächst etwas anderes, nämlich eine Skulptur von einem Sockel. Der "Tagträumer" aus Bronze wurde von einem Besucher versehentlich angestoßen und hatte nach seiner Landung gleich eine Macke am Kopf.

Der Vogel blieb dabei unbeschadet. "Er kommt von weit aus dem Osten angeflogen und hat den Flug nach Ganderkesee gut überstanden", bemerkte Marten. Der Ganter soll Bewegung in den Ort bringen und den eher steifen Vorgänger von dem Delmenhorster Künstler Jürgen Knapp ablösen. Die neue Skulptur stellt den Moment der Landung auf dem Wasser dar und soll an die Entstehung Ganderkesees erinnern. "Eine Gans ist hier auf einem See gelandet, und dort haben die ersten Siedler eine Kirche gebaut", erzählte Eckhard Eichhorn, Vorsitzender von Ganter-Art. Der Verein wurde vor sieben Jahren mit dem Ziel gegründet, Kultur im offenen Raum zu installieren und soziale Projekte zu fördern. Finanziert werden sollen diese mit dem neuen Ganter. Drei wurden bereits bestellt.

"Er ist gewaltig. Ich finde ihn ein bisschen überdimensioniert für den Ort", sagte Irene Juchem aus Ganderkesee. Diese Meinung teilten noch andere der rund 40 Besucher am Eröffnungstag der Ausstellung mit dem Titel "... in der Tiefe entdecken ...". Die tiefer gehende Frage, warum der alte Vogel eigentlich ersetzt werden musste, konnte sich allerdings kaum einer so richtig beantworten. "Wir hätten den alten Ganter auch gern in unseren Garten gehabt, wenn er nicht so teuer gewesen wäre", berichteten Enne und Hans Günther. Die beiden Ganderkeseer interessierten sich aber am Freitagabend sowieso besonders für die Bilder von Norbert Marten.

30 Werke, darunter Ölbilder und Bronzeskulpturen, die auch miteinander kombiniert werden können, sind im Haus Müller ausgestellt. Auf die bemalte Leinwand platzierte der Künstler Stellflächen für seine kleinen Plastiken, die durch den Austausch ihres Standortes auch die Aussage des Bildes verändern sollen. "Der Sinn der Arbeiten ist nicht an der Oberfläche zu entdecken. Ein tiefer Blick ist notwendig. Er wird mit Erkenntnis und manchem Schmunzeln belohnt", prophezeite die neue Kulturmanagerin der Gemeinde, die promovierte Kunsthistorikerin Wiebke Steinmetz, die sozusagen im Vorgriff auf ihre neue Tätigkeit bereits die einführenden Worte zur Ausstellung hielt. Sie wechselt am 1. November von der Städtischen Galerie Haus Coburg in Delmenhorst ans Kulturhaus, das in der Regie der Regio-Volkshochschule (VHS) in Ganderkesee bespielt wird.

Der Kulturkoordinator der VHS, Hardy Merchel, freute sich nicht nur über den Künstler Norbert Marten, sondern auch darüber, mit ihm einen ehemaligen Kommilitonen in Ganderkesee zu präsentieren. "Wir haben vor 30 Jahren an der selben Universität studiert", berichtete der Diplom-Designer. Marten studierte von 1976 bis 1982 an der Hochschule für Künste in Bremen zunächst freie Malerei und dann Bildhauerei. Von 1983 bis 1991 lehrte er an der Carl-von-Ossietzky-Universität Oldenburg und seit 1996 lebt und arbeitet er als freischaffender Künstler in Westerstede.

Geöffnet ist die Ausstellung "... in der Tiefe entdecken ..." im Kulturhaus Müller am Ring 24 noch bis zum 29. September immer sonnabends von 14 bis 18 Uhr sowie sonntags von 11 bis 17 Uhr. Individuelle Terminvereinbarungen über Hardy Merchel, Telefon 04222/44440. Weitere Informationen stehen im Internet unter www.kulturhaus-mueller.de.

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