Bundeswehrstandort Delmenhorst

Neues Bataillon mit NATO-Aufgaben

Rund 24 Millionen Euro will die Bundeswehr in ihren Standort in Delmenhorst investieren. Das neue Logistikbataillon 163, das vorrangig NATO-Aufgaben übernimmt, wird dort zusätzlich stationiert.
28.05.2019, 17:30
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Neues Bataillon mit NATO-Aufgaben
Von Esther Nöggerath
Neues Bataillon mit NATO-Aufgaben

60 neue Transportfahrzeuge sind am Dienstag in Delmenhorst von den Streitkräften übernommen worden, zehn davon bleiben am Standort, während der Rest in ganz Norddeutschland verteilt wird.

INGO MÖLLERS

Die Bundeswehr will ihren Standort in Delmenhorst ausbauen. Zum 1. Oktober 2020 soll in der Feldwebel-Lilienthal-Kaserne das neue Logistikbataillon 163, zusätzlich zu dem bereits bestehenden Logistikbataillon 161, aufgestellt werden. Das neue Bataillon soll vor allem zur Erweiterung der multinationalen Fähigkeiten beitragen. Rund 24 Millionen Euro will die Bundeswehr dafür in den Standort investieren, wie Thomas Silberhorn, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesverteidigungsministerium, am Dienstag bei einem Termin vor Ort berichtete.

Für die zusätzlichen 273 Dienstposten, die dann in Delmenhorst angesiedelt werden sollen, sind neben einem neuen Stabsgebäude auch ein Unterkunfts- und Wirtschaftsgebäude geplant, außerdem sollen die Abwasseranlagen saniert, Strukturen geschaffen und WLAN installiert werden. Darüber hinaus wird die Bundeswehr auf eine Reihe von Bestandsgebäuden zurückgreifen, die nach den aktuellen Standards hergerichtet werden sollen. Für das neue Bataillon sollen dann zwei der acht bestehenden Kompanien des Logistikbataillons 161 unter dem Kommando von Oberstleutnant Torsten Ickert, das derzeit 1200 Spezialisten umfasst, rübergezogen werden. Das Kommando über das neue Bataillon 163 übernimmt Oberst Gunter Bischoff, seit 2018 Kommandeur der mobilen Logistiktruppen der Streitkräftebasis.

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„Wir müssen als großes Land in Europas Mitte unsere logistischen Fähigkeiten ausbauen und Transporte quer durch Europa managen“, erklärte Silberhorn. Viele NATO-Partner würden da auf Deutschland bauen. Dementsprechend hat das neue Logistikbataillon 163 die Aufgabe, militärische Kräfte der NATO nach der strategischen Verlegung in das Einsatzgebiet bei der Wiederherstellung der Einsatzbereitschaft und dem weiteren Marsch in die jeweiligen Einsatzräume zu unterstützen.

Empfangnahme von Material und Personal der NATO-Alliierten

RSOM (kurz für Reception, Staging and Onward Movement) nennt sich der Prozess, für dessen reibungslosen Ablauf das neue Bataillon sorgen soll. Dabei werden an See- oder Flughäfen sowie Bahnhöfen Material oder auch Personal von den NATO-Alliierten in Empfang genommen und dann für den weiteren Einsatz oder die Verlegung in Sammelräume vorbereitet. Diese Aufgabe hat die Bundeswehr auch in der Vergangenheit bereits wahrgenommen, allerdings waren dafür bislang keine spezialisierten Kräfte vorgesehen.

Auf den Standort Delmenhorst fiel für das neue Bataillon die Wahl unter anderem wegen der Nähe zu den Häfen an der Nordsee sowie zum multinationalen Trainingszentrum, aber auch wegen den Verknüpfungsmöglichkeiten mit dem bereits hier stationierten Bataillon 161. Auch der Platz sowie die noch vorhandenen Bestandsgebäude auf dem Kasernengelände spielten bei der Entscheidung eine Rolle. „Delmenhorst eignet sich da ideal als Standort“, betonte Silberhorn.

Und Delmenhorst ist nicht der einzige Ort, an dem neue Verbände aufstellt werden, einige Standortschließungen der vergangenen Jahre seien inzwischen rückgängig gemacht worden. „Die Bundeswehr wächst wieder“, sagte der Staatssekretär. Und dabei sei die Logistik eines der Kerngebiete. „Ohne Logistik läuft nichts bei der Bundeswehr.“

Fuhrpark wird modernisiert

Damit die Logistik auch schnell und problemlos vonstatten gehen kann, rüstet die Bundeswehr auch ihren Fuhrpark um. Viele der Fahrzeuge im Bestand sind noch aus den 1970er-Jahren. „Es ist höchste Zeit, den Fahrzeugpark zu erneuern“, erklärte Silberhorn. Die alten Fahrzeuge sollen dafür sukzessive ausgetauscht werden. Insgesamt 2571 neue Fahrzeuge schafft die Bundeswehr dafür an, 60 davon wurden nun in Delmenhorst übergeben, von wo aus sie in Norddeutschland verteilt werden sollen. Zehn der sogenannten Ungeschützten Transportfahrzeuge (UTF) bleiben am Standort in Delmenhorst.

Bis zum Ende des Jahres sollen bereits 810 der neuen Fahrzeuge in Betrieb genommen werden können, obwohl der Auftrag dafür erst 2017 erteilt wurde und die Auslieferung erst 2021 geplant war. „Es ist absehbar, dass wir die restlichen Fahrzeuge auch deutlich früher bekommen“, berichtete Silberhorn.

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Die standardisierten Fahrzeuge dienen Transportaufgaben und kommen als Fünf- oder 15-Tonner daher. Auch Container können damit transportiert werden. Die Fahrzeuge sind dabei auf dem neuesten Stand der Technik, verfügen über GPS, Navigation und Funksystem und sind mit Rückfahrkameras ausgestattet. Das Fahrerhaus der Fahrzeuge kann, wenn sie dann doch in einem Einsatz genutzt werden sollen, außerdem durch ein geschütztes Fahrzeughaus ausgetauscht werden. Dass diese nicht von Vornherein auf jedem Fahrzeug angebracht werden, hängt mit mehr Produktions- und auch höheren Verbrauchskosten zusammen.

Wie flexibel und schnell die Einsatzkräfte mit den neuen Fahrzeugen agieren können, zeigten die Delmenhorster Soldaten in einer Vorführung beim Entladen eines Transportzuges. Nach einem kurzen Plausch mit den Fahrzeugführern wandte sich Silberhorn dann in einer Ansprache an die versammelte Truppe. „Das ist ein guter Tag für Delmenhorst und für die gesamte Logistiktruppe der Bundeswehr“, sagte der Staatssekretär.

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