WESER-KURIER-Fotografin stellt aus

Nikolaus beim Bierholen erwischt

"Moin – Fotogeschichten aus dem Nordwesten“ nennt WESER-KURIER-Fotografin Janina Rahn ihre Ausstellung mit mehr als 30 Arbeiten, die seit Montag auf den Fluren der Orthopädischen Fachklinik in Stenum zu sehen sind.
10.01.2017, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Nikolaus beim Bierholen erwischt
Von Jochen Brünner

„Moin – Fotogeschichten aus dem Nordwesten“ nennt WESER-KURIER-Fotografin Janina Rahn ihre Ausstellung mit mehr als 30 Arbeiten, die seit Montag auf den Fluren der Orthopädischen Fachklinik in Stenum zu sehen sind.

Unter anderem blickte sie dafür hinter die Kulissen des Ganderkeseer Faschings, bei dem sie etwa in die Garderoben der Garden schaute, oder war beim Gildefest in Wildeshausen mit der Kamera dabei. Ein weiterer Teil der Ausstellung zeigt Szenen aus dem Oldenburger Münsterland, in dem Rahn nicht selten auch die Religiosität und ihre Riten thematisiert. So öffnet sie für den Betrachter auch die Schränke einer Kirchengemeinde.

„Ich habe ein großes Interesse an Geschichten, die vor der Haustür stattfinden“, erklärt die Fotografin ihre Liebe zur Region. Doch wer den Fasching in Ganderkesee kenne, dem könne das Gildefest in Wildeshausen gleichwohl völlig unbekannt sein, hat sie festgestellt. Und umgekehrt. Die Idee, Heimatbräuche fotografisch zu dokumentieren, sei entstanden, als sie eine Zeit lang in Ahlhorn gearbeitet habe: „Da habe ich dann das Interesse für die Heimatgeschichte im Oldenburger Münsterland entwickelt“, erzählt die 33-Jährige. Sechs Monate lang habe sie im Landkreis Cloppenburg recherchiert, welche Aspekte das Leben dort prägen und um das Besondere im Alltäglichen zu finden.

Alles rein dokumentarisch

Die in der Ausstellung gezeigten Arbeiten sind nie inszeniert oder gestellt, sondern rein dokumentarisch und immer aus der spontanen Situation heraus entstanden. Der Blick der Kamera wirkt dabei vielfach in das Geschehen integriert: So sind die Fotos stets nah dran an den handelnden Personen (oder Tieren), bewahren aber immer den Respekt vor ihrem Tun. Um die Authentizität noch zu betonen, verzichtet Rahn weitgehend auf Bildbearbeitung, sondern präsentiert die Motive so, wie ihre Kamera sie eingefangen hat. „Natürlich gehört mitunter auch ein bisschen Glück dazu, denn Situationskomik lässt sich schlecht planen“, gesteht sie.

„Im Journalismus müssen meist sämtliche Informationen in einem Bild enthalten sein. Mich reizt es, eine Geschichte in Bildern zu erzählen, die auch ohne Text auskommen kann. Und da eröffnen diese Projekte sehr viele Möglichkeiten“, erklärt Rahn. Aber auch wenn die Bilder für sich sprechen, hat die Künstlerin einige ergänzende Informationen hinzugefügt, die die Neugier des Betrachters zu stillen vermögen. Etwa den Ort, die Situation und die näheren Umstände des Motivs.

Teilweise drängen sich dem Betrachter denkbare Schlagzeilen aber auch geradezu auf. Etwa beim Foto des als Nikolaus verkleideten Kaplans im Supermarkt, der für eine anschließende Adventsfeier gerade Bier besorgt: „Nikolaus beim Bier holen erwischt“ könnte der Titel heißen. Oder bei der Kuh, die bei einer Auktion in Cloppenburg gleich neben einem nach allen Seiten offenen Restaurant steht: „Kuh in Restaurant bewirtet“.

Beruf von der Pika auf gelernt

Janina Rahn hat ihren Beruf von der Pike auf gelernt: Nach ihrer Ausbildung zur Fotografin und einer dreijährigen Tätigkeit als Klinikfotografin in Bremer Krankenhäusern hat Rahn an der Hochschule Hannover Fotojournalismus und Dokumentarfotografie studiert. Seit ihrem Bachelor-Abschluss 2014 arbeitet sie als freie Fotografin für die WESER-KURIER-Mediengruppe, unter anderem regelmäßig auch für den DELMENHORSTER KURIER.

Ihre Arbeiten waren unter anderem in der Staatsoper Hannover, dem Schauspielhaus Hannover oder der niedersächsischen Landesvertretung in Berlin zu sehen. 2013 hat sie den von der Sparkasse Bremen initiierten „Bremer Fotopreis“ gewonnen. Das Gewinnerbild „Die Wäscherei“, das im Rahmen einer Reportage für den WESER-KURIER entstanden ist, wurde dann auch auf der Fachmesse „Photokina“ in Köln gezeigt. Beeinflusst worden seien ihre Arbeiten von Fotografen wie Robert Frank, Alex Soth oder der Spanierin Cristina Garcia Rodero, die alle eine ganz eigene Art entwickelt hätten, eine Region in ihren sozialen Gegebenheiten darzustellen.

Die Ausstellung in Stenum läuft noch bis Ende März.

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