Delmenhorst denkt über Nachnutzung für Pultern-Gelände nach

Noch ein Gewerbegebiet in Stickgras

Delmenhorst. Der Abriss der Pultern-Ruine verzögert sich weiterhin, aber die Ideen, was mit dem Grundstück geschehen könnte, sind jetzt von der Verwaltung vorgelegt worden.
31.01.2014, 17:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Andreas D. Becker
Noch ein Gewerbegebiet in Stickgras

So idyllisch das Pultern-Grundstück ist, so schwierig ist es auch, es zu bebauen. Ein 1,4 Hektar großer Teich und alte Bäume können nicht überplant werden. Die Stadt will das Areal deswegen vor allem zur Erschließung der dahinter liegenden Flächen nutzen.

Ingo Moellers

Der Abriss der Pultern-Ruine verzögert sich weiterhin, aber die Ideen, was mit dem Grundstück geschehen könnte, sind jetzt von der Verwaltung vorgelegt worden. Unter anderem ist auch die Variante dabei, die als Motivation für den Kauf des Grundstücks galt: die Erschließung der hinter Pultern liegenden Flächen.

16 Hektar neues Gewerbegebiet könnten im äußersten Osten der Stadt entstehen, „Stickgras II“ wird das Areal in den ersten Überlegungen der Verwaltung genannt. Erschlossen werden kann das insgesamt 28,6 Hektar große Gelände, weil die Stadt im August vergangenen Jahres das Grundstück des seit 2004 niedergebrannten Landgasthauses „Zur Pultern“ für 193000 Euro ersteigert hatte, mehr als das Sechsfache des Verkehrswertes.

Dass die Stadt damals mit Billigung der Politik derart hoch geboten hat – der Verwaltungsausschuss soll nach Informationen unserer Zeitung bis zu 250000 Euro genehmigt haben –, lag nicht nur daran, dass der Schandfleck an der Syker Straße entfernt werden sollte. Wie wir berichteten, standen vielmehr handfeste wirtschaftliche Interessen durch Erschließung der Flächen nördlich des Pultern-Geländes dahinter.

Der Plan geht natürlich nur auf, wenn die Politik grünes Licht erteilt. Wie die Gemütslage bei den Rats-Parteien ist, wird sich erstmals am 13. Februar im Wirtschaftsausschuss zeigen, wenn die Pläne in der öffentlichen Sitzung ab 17 Uhr im Rathaus präsentiert werden. Dabei geht es darum, sich über die städtebaulichen Ziele klar zu werden. Die Verwaltung hat schon einmal vier solcher Ziele definiert, die aus ihrer Sicht möglich wären.

Möglichkeit eins wäre der Verkauf des Grundstücks „im heutigen Rechtszustand“, also mit dem jetzt gültigen Bebauungsplan. Der erlaubt aber keine gewerbliche Nutzung des Areals. Die Fläche wäre dann wahrscheinlich in erster Linie etwas für Landwirte oder auch für Naturfreunde, die gern an einem 1,4 Hektar großen Teich hocken mögen und dabei den Gesängen des Fern- und Pendlerverkehrs auf der B75 lauschen. Allerdings wird die Stadt dabei kaum so viel Geld, wie sie selbst für den Grundstückskauf bezahlt hat und den Abriss der Brandruine ausgeben wird, einspielen.

Ähnlich dürfte es bei den Varianten zwei und drei sein. In Variante zwei verkauft die Stadt das Gelände, hat es aber vorher neu beplant, sodass zumindest auf 2,2 Hektar Gewerbe angesiedelt werden könnte – aber wegen des Teiches und einiger alter Bäume auf dem Grundstück sowie des Immissionsschutzes wäre die Bebaubarkeit stark eingeschränkt. Gleiches gilt für Variante drei, in der sich die Stadt zumindest einen Teil des Gebietes direkt am Damm der B75 abzwacken würde, um dort eine Straße bauen zu können. Aber auch diese beide Varianten werden kaum Erlöse einbringen.

So bleibt im Grunde als schlüssige Variante eben nur übrig, dass die Stadt alles selbst überplant, um das Grundstück vor allem zur Erschließung der großen Flächen dahinter zu nutzen. Zumal sich dieses neue Gewerbegebiet „Stickgras II“ direkt an das bisher eher mickrig vermarktete „Stickgras I“ anschließt und sich durch diese Verbindung vielleicht auch Kunden gewinnen lassen, die größere Flächen als zurzeit erhältlich benötigen. Allerdings könnte das Projekt daran scheitern, dass die Stickgraser Wiesen Teil eines Landschaftsschutzgebietes sind und auch die Bäume schützenswert sein könnten. Problematisch sei darüber hinaus auch das „für ein Gewerbegebiet geringe Emissionspotenzial“, wie die Verwaltung schreibt.

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