Ausstellung zum Stadtrechte-Jubiläum Wie Vereine die Stadtgeschichte prägen

Gegenwärtig laufen die Vorbereitungen für die Ausstellung „Dein Verein – Delmenhorster Stadtgeschichte(n)“ auf Hochtouren. Ab Juni wird im Nordwolle-Museum ein Jahr lang das Stadtrechte-Jubiläum begangen.
22.01.2021, 16:49
Lesedauer: 3 Min
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Wie Vereine die Stadtgeschichte prägen
Von Gerwin Möller

Anlässlich der Verleihung der Stadtrechte vor 650 Jahren plant das Nordwestdeutsche Museum für Industriekultur ab Juni eine Sonderausstellung. „Das Motto 'Dein Verein – Delmenhorster Stadtgeschichte(n)' haben wir gewählt, weil das Ereignis die Menschen ganz direkt betrifft“, sagt Sonja Köster. Als wissenschaftliche Volontärin des Museums ist sie als Kuratorin mit der Ausstellung betraut. Im Vereinsregister seien aktuell über 360 eingetragene Vereine mit Sitz in Delmenhorst verzeichnet. Diese Vereine würden das kulturelle, sportliche oder auch alltägliche Leben in der Stadt prägen. „Der Großteil der Bevölkerung hat zu einem oder sogar mehreren Vereinen einen Bezug, weswegen dieses Thema für die Ausstellung zum Stadtjubiläum gewählt wurde“, erklärt Köster.

Ausgehend von der Vergabe der Stadtrechte im Jahr 1371 werden anhand bürgerlicher Vereinigungen, Verbände und Vereine besondere geschichtliche Themen aufgegriffen. So etwa die Pest als Anlass zur Gründung der St.-Polycarpus-Gilde im späten Mittelalter. „Einen Boom an Vereinsgründungen erlebte die Stadt nach 1840 und nochmals um 1900“, sagt Sonja Köster. Sie sichtet gerade Exponate, die Vereine für die Ausstellung zum Museum getragen haben. 21 Objekte lagern schon im künftigen Ausstellungsraum, „mit 39 Vereinen befinde ich mich noch in Gesprächen“, sagt Köster.

Seinen „Herzlichen Glückwunsch“ drückt beispielsweise das Niederdeutsche Theater mit der Bereitstellung ihres Bühnenmodells des Musicals „My Fair Lady“ aus dem Jahr 2018 aus. Ein Sporttrikot kommt vom Radfahrverein Urania, ein ganzes Boot steuert der Kanu-Club Hasbergen bei und der Delmenhorster Schützenverein von 1847 beteiligt sich mit einem Andenken ans eigene Vereinsjubiläum aus dem Jahr 1997, als man selbst das 150-jährige Bestehen feiern konnte. Gezeigt wird der Mittelteil des Adlers, um den damals im Wettbewerb um den „Kaiser der Könige“, gerungen wurde. „Das ist eine einzigartige Trophäe“, sagt Köster.

Alles muss noch inszeniert werden, Köster sorgt in zig Telefonaten dafür, zu den Ausstellungsstücken Geschichten erzählt zu bekommen. „Die Corona-Regeln verhindern reale Treffen“, sagt Köster. Sie erlebt die Gespräche mit Zeitzeugen als außerordentlich spannend.

Rund 230 Quadratmeter Ausstellungsfläche sind in der Nadelsetzerei im Fabrikmuseum zu bespielen. Im Raum wird es Platz für die Exponate geben und es soll ein Vereinslokal aufgebaut werden. Während der einjährigen Ausstellung werden dann immer wieder Delmenhorster Vereine oder ihre Vorstände eingeladen, in dieser Kulisse eine Sitzung abzuhalten. „Sicher wird das erst in der zweiten Halbzeit der Ausstellung möglich sein“, sagt Köster, die weiß, dass zunächst noch die Corona-Regeln zu reges Treiben auf der Schaufläche verhindern werden.

Sie freut sich schon auf die Ausstellung, die traditionsreichen Vereine, wie die St.-Polykarpus-Gilde, den Delmenhorster Schützenverein oder den Allgemeinen Deutschen Arbeiterverein zusammen mit Vereinsgründungen jüngeren Datums, wie den Delme-Square-Dancern oder dem Verein „Slam-A-Rang“ ein Podium gibt. „Die Poetry-Slamer bringen den ersten Mikrofonständer aus ihren Poetry-Slam-Veranstaltung mit“, sagt Köster. Vertreter der SPD überreichten dem Museum die fast 150 Jahre alte Fahne des Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins. Das Tuch wurde 1872 geweiht und markiert damit gleichzeitig die Gründung der SPD an der Delme. Schon in der Zeit Bismarcks, als der „Eiserne Kanzler“ mit den Sozialistengesetzen gegen die Arbeiterbewegung vorging, wurde die Fahne vom Zigarrenmacher Wilhelm Hense erstmals versteckt. Abermals war dies während der Zeit des Nationalsozialismus nötig.

Gezeigt werden nicht nur historische Objekte von Interesse, sondern auch alltägliche Objekte, so ein riesiges Gefäß für den Teeausschank aus der Küche des Landheims Immer. „Das Landheim liegt wohl auf Ganderkeseer Gebiet, der Trägerverein aber hat seinen Sitz in Delmenhorst“, erklärt Köster. Ausgestellt werden Modelle, die der Schiffs-Modellbau-Club ausleiht. „Bei manchen Vereinen hätte es Probleme gegeben, Ausstellungsstücke für ein ganzes Jahr zur Verfügung zu stellen“, sagt Köster. Sie freut sich, dass auch die Freimaurerloge Einblicke in ihre Arbeit gibt und traditionsreiche Musikvereine mitmachen, wie der Gesangsverein Teutonia. Die Schau soll auch der Präsentation der Vereine und der Werbung dienen, so wollen der Verein zur Selbsthilfe „Kette“, Terre des Hommes oder der Naturschutzbund Deutschland ihre gemeinnützige Arbeit vorstellen.

Durch die Vielzahl der Objekte soll auch die thematische Spannbreite der Vereinigungen, Vereine und Verbände abgebildet werden: „Es gibt Vereinigungen zu Sport, Kultur, Gesundheit, Religion, Politik und vielen weiteren Themen in Delmenhorst und damit auch in der Ausstellung“, sagt Köster.

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