Norma Holthusen führt seit fast 20 Jahren Gäste durchs Schnoor

Stuhr-Heiligenrode.Stuhr-Heiligenrode.Mit geschichtlichem Interesse und einem dunkelblauen Pillbox-Hut hat die gebürtige Hannoveranerin Norma Holthusen vor fast 20 Jahren die ersten Gruppen durch das Bremer Schnoorviertel und über den historischen Marktplatz geführt. Seither hat sich für die Gästeführerin aus Heiligenrode vieles verändert.
05.09.2013, 00:00
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Von Merle Heusmann

Mit geschichtlichem Interesse und einem dunkelblauen Pillbox-Hut hat die gebürtige Hannoveranerin Norma Holthusen vor fast 20 Jahren die ersten Gruppen durch das Bremer Schnoorviertel und über den historischen Marktplatz geführt. Seither hat sich für die Gästeführerin aus Heiligenrode vieles verändert. Ihr anfängliches Interesse für die Vergangenheit der Stadt Bremen ist zu einem großen Wissensschatz mutiert, von dem die 69-Jährige bei ihren fast täglichen Führungen Gebrauch macht. Die Kopfbedeckung der 1950er-Jahre hat die Gästeführerin abgelegt. Heute erkennt man Norma Holthusen nur noch an ihrer blau-weißen Kleidung. „Hanseatisch korrekt“, wie die erfahrene Gästeführerin sie bezeichnet.

Den Hut, der sie in den Anfangsjahren begleitete, sei das Einzige, was sie von ihrem damaligen Arbeitgeber – dem Bremer Verkehrsverein – erhalten habe, sagt sie. Selbst den kleinen Bremer Schlüssel, der an der Kopfbedeckung klebt, habe sie noch selbst dazugekauft. „Ein bisschen ausgeblichen ist er schon“, sagt die gelernte Versicherungskauffrau und Praktische Betriebswirtin und wird beim Anblick der alten Kopfbedeckung gleich nostalgisch.

Wie sie zur Gästeführung gekommen sei, wisse sie noch genau, sagt Norma Holthusen. Einmal habe sie einer Bekannten das Bremer Schnoorviertel gezeigt und dabei eine Gästeführerin mit ihrer Gruppe beobachtet. Die Dame habe sie anfangs für eine Politesse gehalten, erinnert sie sich. Wenige Wochen später stand sie selbst an der Stelle und warf mit Erläuterungen um sich. Das tut Norma Holthusen auch heute noch. Während der Zeit als Gästeführerin habe sie ihr Interesse für Architektur entdeckt, sagt sie. Nicht umsonst führt sie ihre Gäste am liebsten durchs Innere des Bremer Rathauses. Fast jeden Tag ist die Gästeführerin im Einsatz. An einigen Wochen des Jahres arbeite sie aber grundsätzlich nicht: im Dezember. Wenn Hunderte Buden den Marktplatz belagern, würden ihre Gästeführungen sinnlos seien, sagt sie. Die Geräuschkulisse sei einfach zu groß, ein Durchkommen unmöglich.

Dafür hat sie längst auch alternative Stadtführungen in ihr Angebot aufgenommen. Als einzige Gästeführerin bietet sie noch immer den Astro-Walk an. Ein Mal im Monat wandelt sie dann mit einer Besuchergruppe auf den Spuren europäischer Astronomen. Ihr Arbeitgeber ist jetzt die Bremer Touristik-Zentrale. Die Führungen macht die Heiligenroderin längst auch auf Englisch – langjährigen Auslandserfahrungen sei dank. Nur Französisch habe sie sich dann doch nicht zugetraut.

Ans Aufhören denkt Norma Holthusen noch lange nicht. „Solange die Füße mitspielen, mache ich weiter“, sagt sie. In ihrer Heimat Heiligenrode will die 69-Jährige deshalb erst einmal nicht als ehrenamtliche Gästeführerin agieren. „Dann müsste ich mir ja alles noch einmal neu aneignen.“

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