Klimamusterstadt ist schon schwer Endlose Träumerei

Delmenhorst hat sich schon zur Klimamusterstadt erklärt und es schwer, den damit gesteckten Zielen zu entsprechen. Nun lebt der Traum vom Universitätsstandort auf, das aber kostet und ist keine Einnahmequelle.
16.04.2021, 15:45
Lesedauer: 1 Min
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Endlose Träumerei
Von Gerwin Möller

Die einen reden davon, andere machen es vor. In dieser Woche wurde an den Berufsbildenden Schulen II ein Projekt vorgestellt, das jungen Menschen ermöglichen soll, in Delmenhorst zu studieren. Mit diesem Angebot können Fachkräfte an die Stadt gebunden werden, wird eine Abwanderung derer, die ein Studium anstreben, gebremst. Der Bedarf an gut ausgebildetem Führungspersonal im Erziehungsbereich ist unumstritten, den künftigen Absolventen ein berufliches Weiterkommen fast garantiert. Man spricht heute gerne von einer Win-win-Situation. Und nur, wenn es auf allen Seiten Gewinner gibt, kann eine Idee erfolgreich werden.

Von Delmenhorst als einer Universitätsstadt oder mindestens einem Hochschulstandort wird viel gesprochen. Studentisches Leben in die Stadt zu holen wird als die eierlegende Wollmilchsau gepriesen. Von Akademikern versprechen sich einige gut verdienende Steuerzahler, die einen Strukturwandel einleiten sollen. Das würde Wohnprojekte aus dem Boden stampfen, der City neues Leben einhauchen und sogar Gastronomie und Kultur beflügeln. Daraus, dass die kreisfreie Stadt im Nordwesten die einzige ihrer Größe ist, die ohne Universität dasteht, wird ein Anspruch darauf formuliert. Verbunden damit wird die Hoffnung auf reichlich Fördergelder, denn eine Hochschule zu gründen, kostet erst einmal viel Geld.

Schade, dass die Angebote, die in der Stadt schon vorhanden sind, so wenig geschätzt werden. Es gibt das Hanse-Wissenschaftskolleg, das in Kooperation mit den Universitäten in Oldenburg und Bremen in der Wissenschaft einen ausgezeichneten Ruf genießt. Die Möglichkeiten der beruflichen Bildung bis zum Weg zur Hochschulreife an den Berufsbildenden Schulen sind vielfältig und entwickeln für Delmenhorst eine Magnetwirkung als Bildungsstandort. Die Delmenhorster Universitäts-Gesellschaft diskutiert längst über Konkretes und setzt sich für Kooperationsmodelle ein, ihr Plan für ein „Studentenwohnheim zwischen zwei Universitätsstädten“ steht kurz vor der Verwirklichung.

Delmenhorst hat genug zu tun, die selbst gesteckten Ziele einer Klimamusterstadt zu verfolgen, der Zug für eine weitere Universitätsgründung in Niedersachsen gilt als abgefahren.

Hoffnung wächst aus konkretem Handeln und nicht aus endloser Träumerei.

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