OB-Wahlkampf in Delmenhorst

Die Kandidaten bringen sich in Position

Bisher ist der Kampf ums Rathaus in Delmenhorst eine Angelegenheit der Frauen. Der FDP-Vorstand will nun aber Murat Kalmis ins Rennen schicken. Dieser bittet noch um Bedenkzeit.
24.01.2021, 17:01
Lesedauer: 3 Min
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Die Kandidaten bringen sich in Position
Von Björn Struß

Mitten in der Pandemie fühlt es sich noch ganz weit weg an, aber in Delmenhorst hat tatsächlich gerade ein Superwahljahr begonnen. Neben dem Bundestag wählen die Bürger im September auch einen neuen Stadtrat und einen neuen Oberbürgermeister – oder eine Oberbürgermeisterin. Denn bisher scheint es, als würden drei Frauen das Spitzenamt unter sich ausmachen. Doch für Petra Gerlach (CDU / Grüne), Funda Gür (SPD) und Bettina Oestermann (Delmenhorster Liste) könnte es bald männliche Konkurrenz geben. Der Kreisvorstand der FDP hat sich in einem einstimmigen Beschluss dafür ausgesprochen, Ratsherr Murat Kalmis als Kandidaten für die Oberbürgermeisterwahl aufzustellen. Kalmis selbst bittet bei dieser Entscheidung noch um Bedenkzeit. Aber auch andere Parteien und Gruppen wollen bei der Direktwahl um die Gunst der Wähler kämpfen.

Die Delmenhorster Freidemokraten richten ihren Blick auf den 9. Februar. Spätestens an diesem Dienstag muss sich Kalmis entscheiden, weil die FDP in der Markthalle zu einem Kreisparteitag zusammenkommen will. Dieser Tag könnte für die Partei auch in einem weiteren Punkt richtungweisend werden. Denn an der Spitze des Kreisverbands zeichnet sich ein Führungswechsel ab. Anstelle des amtierenden Vorsitzenden Tamer Sert will sich Werner Stoffregen zur Wahl stellen, der im Vorstand bisher erster Beisitzer ist.

Um vorzufühlen, ob Stoffregen auf die Rückendeckung des Vorstands setzen kann, gab es unter Abwesenheit von Sert eine geheime Abstimmung, bei der sich alle Mitglieder für Stoffregen aussprachen. „Nach derzeitigem Stand gehe ich davon aus, dass sich neben mir niemand sonst zur Wahl stellen wird“, sagt Stoffregen im Gespräch mit dieser Zeitung. Für einen demokratischen Prozess sei es aber vollkommen in Ordnung, wenn auf dem Parteitag ein weiteres FDP-Mitglied Ambitionen auf den Vorsitz anmeldet. Stoffregen ist 70 Jahre alt und sitzt als Wirtschaftsfunktionär derzeit in vier Aufsichtsräten. Stellvertretender Vorsitzender ist er bei dem Delmenhorster Unternehmen Jowo-Systemtechnik. Dessen Chef Johann Woltermann war es auch, der Murat Kalmis öffentlich dazu ermuntert hatte, für das Amt des Oberbürgermeisters zu kandidieren.

Die FDP hat ihre Mitgliederzahl in Delmenhorst im vergangenen Jahr verdoppelt, sie liegt laut Stoffregen nun bei 57. „Wenn ich Vorsitzender werde, möchte ich in zwei Jahren die Schwelle von 100 knacken“, sagt er. Mit einem Alter von 18 bis 85 Jahren deckten die neuen Mitglieder eine große Bandbreite der Gesellschaft ab. Mit lediglich sieben weiblichen Mitgliedern sei der Anteil der Frauen aber ausbaufähig.

Der Parteitag fällt mit dem 9. Februar mitten in die Zeit der strengen Corona-Regeln. Laut Stoffregen gibt es aber eine Vorgabe der Landes-FDP, diesen bis spätestens Mitte Februar abzuhalten, weil der letzte Parteitag schon zu lange zurückliegt. „Ich persönlich stelle mich auch auf digitale Alternativen ein, die Gesundheit steht in dieser Zeit an erster Stelle“, sagt Stoffregen. Murat Kalmis pocht hingegen auf eine Präsenz-Veranstaltung: „Der Termin ist fix, ohne Wenn und Aber.“ Wie die Sitzungen in Bundestag und Landtag sei auch ein kommunaler Parteitag grundsätzlich im Lockdown erlaubt. Eine andere Haltung hat Ali Pektürk, Vorsitzender der Delmenhorster Jungen Liberalen: „Ein rein digitaler Parteitag ist auf kommunaler Ebene nur schwer umzusetzen. Deshalb wünsche ich mir eine Verschiebung.“

Bei den Linken gestaltet sich die Aufstellung eines eigenen Kandidaten durch die Pandemie ebenfalls schwierig. „Sollte sich in absehbarer Zeit keine Möglichkeit für eine Mitgliederversammlung ergeben, muss dies gegebenenfalls telefonisch oder per Post erfolgen“, erklärt Kreissprecherin Edith Belz. Schon im vergangenen Jahr habe sich die Parteibasis dafür ausgesprochen, einen eigenen OB-Kandidaten ins Rennen zu schicken.

Auch das Bürgerforum/Neue Wege will einen eignen Kandidaten aufstellen. Laut Sprecher Michael Effenberg laufe derzeit ein Findungsprozess. Medienberichten zufolge wollen sich auch die Freien Wähler und die AFD mit einem eigenen Kandidaten politisch profilieren. Eine Anfrage dieser Zeitung blieb bei den beiden Parteien allerdings unbeantwortet.

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