Politik fordert weitere Messungen

Ochtum für Weidetiere riskant

Die PFC-Chemikalien brachte die Flughafenfeuerwehr in Bremen in die Umwelt. Ein Monitoring zeigt, dass die Stoffe auch in Weidetieren im Norden von Delmenhorst zu finden sind. Ist auch die Delme betroffen?
01.10.2020, 15:34
Lesedauer: 2 Min
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Ochtum für Weidetiere riskant
Von Björn Struß
Ochtum für Weidetiere riskant

Für Angler gilt schon seit über einem Jahr, dass sie die Fische aus der Ochtum nicht essen sollten.

INGO MÖLLERS

Es ist ein Problem, das auf dem Bremer Flughafen seinen Ursprung hat und inzwischen im wahrsten Sinne des Wortes bis nach Delmenhorst durchgesickert ist. Bis ins Jahr 2003 verwendete die Flughafenfeuerwehr Löschschäume, die per- und polyfluorierte Chemikalien (PFC) enthielten und bei der Flächenentwässerung in die Ochtum gelangten. Ein Monitoring der Bundesländer Bremen und Niedersachsen zeigt, dass die bedenklichen Stoffe inzwischen auch in Leber und Milch von Weidetieren zu finden sind, die an der Ochtum grasen. In Delmenhorst gibt es einen weiteren Verdacht: Haben sich die PFC auch in Delme und Graft ausgebreitet? Der Ausschuss für öffentliche Sicherheit fasste in seiner jüngsten Sitzung deshalb den einstimmigen Beschluss, weitere Messungen in Auftrag zu geben.

2019 riefen die Bremer Behörden den „PFC-Schadensfall am Bremer Flughafen“ aus. Die Verbraucherschutzministerien in Bremen und Niedersachsen gaben die dringende Empfehlung, keine Fische aus der Ochtum mehr zu essen. An seinem nördlichsten Zipfel des Stadtgebietes fließt das Gewässer auch durch Delmenhorst, Landwirte nutzen dort die Wiesen. Auch durch den Landkreis Diepholz fließt die Ochtum. In beiden Kreisen wählte das Niedersächsische Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (Laves) zwei Betriebe aus und untersuchte dort die Milch und das Blut der Tiere, die Zugang zum Oberflächenwasser der Ochtum haben. Das Ergebnis: Die Belastung mit PFC fällt höher aus, als bei Betrieben ohne Risikobezug zur Ochtum.

Eine Gefahr für die Gesundheit des Menschen befürchten die Experten des Laves allerdings nur bei einem übermäßigen Verzehr von Rinderlebern. Hier schlagen sie vor, eine Verzehrempfehlung auszugeben, die allerdings auf einer bundesweit einheitlichen Grundlage basieren sollte. Für die Milch besteht nach aktuellem Kenntnisstand kein Risiko für die Gesundheit.

An Landwirte im Risikogebiet hat das Laves ein Merkblatt zur Weidehaltung ausgegeben. Darin heißt es: „Weidetiere sollten nicht mit Wasser aus der Ochtum beziehungsweise aus Gräben mit Anbindung zur Ochtum oder aus Süßwasserquellen (Tränkwasserbrunnen) in unmittelbarer Nähe dieser Oberflächengewässer getränkt werden.“

Ratsherr Detlef Roß (SPD) bezweifelte in der jüngsten Sitzung des Ausschusses für Bürgerangelegenheiten und öffentliche Sicherheit allerdings, ob diese Empfehlung auch umgesetzt wird. „Wer hat das überprüft? Meines Wissens niemand. Sind Lebern von geschlachteten Rindern in den Verkauf gelangt? Wir wissen es nicht. Das sollte tunlichst nachgeholt werden.“ Um aufzuzeigen, wie eine Kommune in einem solchen Fall handeln kann, berichtete er von einem aus seiner Sicht vergleichbaren Fall aus Düsseldorf. Die Stadt hatte die „erlaubnisfreie Benutzung des Grundwassers“ für Landwirte bis ins Jahr 2034 kurzerhand untersagt.

Die zweite Befürchtung des Sozialdemokraten: Über kleine Nebenflüsse könnten die Chemikalien in die Delme gelangt sein und womöglich auch in die Graft. Dies sollte mit weiteren Messungen untersucht werden. Zudem müsse die Stadt kontrollieren, ob Weidetiere mit Wasser aus der Ochtum getränkt werden. Diese Forderung unterstützte der Ausschuss mit einem einstimmigen Votum. Auch Arnold Eckardt, Fachbereichsleiter für Bürgerangelegenheiten und öffentliche Sicherheit, bezeichnete die Vorschläge von Roß als „sehr konkret und nutzbringend.“

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