Eva Sassen fordert von Verwaltung und Stadtwerken ein Energiekonzept Ökostrom für die ganze Stadt

Delmenhorst. Eva Sassen denkt an den ganz großen Wurf, 'think big', sagen die Amerikaner dazu. Deswegen hat die Ratsfrau des Bürgerforums/Neue Wege in einem Antrag ein Energiekonzept von der Verwaltung gefordert.
29.01.2010, 18:10
Lesedauer: 2 Min
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Von Andreas D. Becker

Delmenhorst. Eva Sassen denkt an den ganz großen Wurf, 'think big', sagen die Amerikaner dazu. Deswegen hat die Ratsfrau des Bürgerforums/Neue Wege in einem Antrag ein Energiekonzept von der Verwaltung gefordert. Darin soll es nicht nur darum gehen, in Zukunft umweltschonend mit Strom und Wärme zu haushalten. 'Wir brauchen ein Konzept, wie die Stadt selbst Strom produziert, um alle Bürger damit zu versorgen.'

Verwaltung und Stadtwerke sollen sich demnach Gedanken machen, wie man in Zukunft regenerative Quellen nutzen könnte, um nicht mehr von teuren Stromversorgern abhängig zu sein und die CO2-Ausstöße auf null zu fahren. 'Wir haben doch noch Flächen, auf denen Windkraftanlagen stehen könnten, wir haben kaum Fotovoltaikanlagen installiert, bislang werden weder Wasserkraft noch Erdwärme genutzt', zählt die Politikerin auf. Sie verweist auf die Gewinne der Stadtwerke in Höhe von rund zehn Millionen Euro, wenn es um die Kosten geht.

Ein zweiter Punkt dieses Konzeptes wäre es, eine größere Effizienz in der Strom- und Wärmenutzung zu erreichen. Ein großes Problem, was sich exemplarisch an den städtischen Gebäuden nachvollziehen lässt. Die Ausgaben explodieren: 'Im Jahr 2000 haben wir für Strom und Wärme 980000 Euro bezahlt, 2008 waren es bereits 1,6 Millionen Euro', sagt Stadtsprecher Timo Frers. Und das obwohl vor allem in Sachen Heizenergie kräftig gespart wurde. Das erreichte die Kommune in erster Linie durch energetische Sanierung, durch neue Brennwertkessel oder auch besser isolierte Fenster und Dächer in den 116 Gebäuden, die der Stadt gehören. Frers: 'Im Jahr 2000 wurden ungefähr 25 Millionen Kilowattstunden Heizenergie verbraucht, 2008 waren es nur noch 20,8 Millionen.'.

Beim Stromverbrauch hat sich die gestiegene Effizienz von Elektrogeräten bisher nicht ausgezahlt, 'um neun Prozent ist unser Verbrauch in den vergangenen Jahren gestiegen', sagt Frers. Das habe auch damit zu tun, dass die Zahl der Stromverbraucher innerhalb der Verwaltung gewachsen ist, zum Beispiel durch mehr Computer, die im Einsatz sind. Manchmal sind es auch nur winzige Details, die zu steigendem Verbrauch führen: Wegen Brandschutzvorschriften müssen die Hinweislämpchen für die Notausgänge die ganze Nacht leuchten. Das frisst zwar wenig Strom, aber natürlich mehr als die einfachen Schilder, die es früher gab.

Um etwas für die Umwelt zu tun, will die Stadt in Zukunft rund 25 Prozent Ökostrom beziehen, das schlägt die Verwaltung zumindest vor, wenn demnächst die Energieversorgung für die Jahre 2011 und 2012 europaweit ausgeschrieben wird. 'Damit hätten wir einen Ökostromanteil, der deutlich über dem Bundesdurchschnitt liegt', sagt Stadtsprecher Timo Frers. Laut seinen Angaben liege der in Deutschland bei 15 Prozent. Aber: Wenn man zum Beispiel beim Oldenburger Energiekonzern EWE Normalstrom kauft, setzte der sich im Jahr 2008 laut Unternehmenshomepage aus 34,7 Prozent Kernenergie, 41,5 Prozent fossiler Energie und zu 23,8 Prozent aus erneuerbaren Energieträgern zusammen.

'Die 25 Prozent sind eine Entscheidung des Verwaltungsvorstands', erklärt Frers. Die Politik wird darauf kaum noch Einfluss haben, denn die Ausschreibung soll den Ratsmitgliedern lediglich als Mitteilungsvorlage zukommen. Dabei sind 100 Prozent Ökostrom nicht einmal utopisch, wie Städte wie Göttingen und Wolfsburg oder Kommunen wie die Gemeinden im Landkreis Ravensburg beweisen.

Eva Sassen ist das noch nicht genug, aber sie weiß, dass es lange dauern wird, bis Änderungen kommen. 'Deswegen müssen wir jetzt anfangen, darüber zu reden.'

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