Verlegung ins Panzermuseum Munster Bye-bye, Pink Panzer

Die Zukunft des Pink Panzers, der auf der Großen Höhe bei Delmenhorst von einem Künstler-Kollektiv rosarot angemalt wurde, ist gesichert: Er wird ein Ausstellungsstück im Deutschen Panzermuseum in Munster.
03.08.2020, 19:04
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Bye-bye, Pink Panzer
Von Andreas D. Becker

Delmenhorst. „Das Fucs-Kollektiv freut es, und ich bin zufrieden, dass der Panzer nicht auf irgendeinem Platz verrottet, sondern dass er weiter zu sehen ist und für Gesprächsstoff sorgen wird“, sagt der Delmenhorster Poetry-Slammer Joschka Kuty, Mitinitiator einer Online-Petition für den Erhalt des Panzers als Kunstobjekt, die von fast 800 Bürgern unterzeichnet wurden. Am Montag wurde der Pink Panzer, der Pfingsten von dem Street-Art-Kollektiv über Nacht angemalt wurde, in Delmenhorst verladen, um in sein neues zu Hause zu reisen: nach Munster, ins Deutsche Panzermuseum. „Obwohl“, sagt Kuty, „ich mich noch mehr gefreut hätte, wenn er in unseren schönen Stadt geblieben wäre.“ Als kleines touristisches Highlight.

Die Strahlkraft des rosaroten Panzers als Ausflugsziel war es auch, weshalb die Bundeswehr ihn direkt nach Pfingsten, nach der Nacht-und-Nebel-Mal-Aktion, von seinem Standort auf der Großen Höhe hat abtransportieren lassen. „Damit stieg bei uns auch die Sorge, dass er zu einem Ausflugsziel werden wird. Im Sinne der Gefahrenabwehr haben wir ihn dann dort weggeholt“, erklärt Oberstleutnant Torsten Ickert, Kommandeur des Logistikbataillons 161 und Standortältester der Feldwebel-Lilienthal-Kaserne in Adelheide, warum er die Entscheidung getroffen hat. Denn der Panzer stand auch auf einem Truppenübungsplatz, der immer noch intensiv genutzt werde. Mehr Besucher also wären an der Stelle nicht wirklich wünschenswert.

Was Joschka Kuty nicht so ganz glaubt. Schließlich war der Panzer schon immer ein Ausflugsziel vieler Familien. Und immer Aufmerksamkeitsmagnet aller Kinder, die ihn gesehen haben. „Der Panzer stand da 50 Jahre rum, schon mein Vater ist darauf rumgeklettert, ich bin darauf rumgeklettert“, erzählt Kuty. Soll heißen: Einem Kind ist es eh egal, ob der Panzer olivgrün oder pink ist, weil er so oder so eine unglaubliche Faszination ausübe. Er vermutet eher, dass es die Farbe war, mit der sich die Bundeswehr schwer tat. Da ist also der Panzer, diese Kriegsmaschine, Symbol der Gewalt, eher männlich konnotiert. Und dann kommt da die Farbe, die man eher in einer Barbie-Welt in Kinderzimmern kleiner Mädchen erwartet.

Genau dieser Gegensatz ist es auch, der Ralf Raths so gefällt. Raths ist Direktor des Panzermuseums in Munster. Und er hatte früh Interesse an dem Gefährt als Exponat angemeldet. Wie übrigens auch das Militärhistorische Museum der Bundeswehr in Dresden, das dann aber doch ablehnte. „Wir bedanken uns, dass wir den Panzer übernehmen dürfen und alles so schnell und unkompliziert geht“, sagt Raths, der sich an seinem neuen schillernden Ausstellungsstück einiges erhofft: „Wenn schon die bloße Existenz des Pink Panzers Diskussionen auslöst, haben wir für unsere Ausstellung alles richtig gemacht.“ Und irgendwie lässt der Panzer nur wenige kalt. Das haben die Diskussionen vor allem in den Sozialen Medien gezeigt, die seit Pfingsten geführt worden – erst recht nach dem plötzlichen Abtransport.

Was zeigt, wie der Farbwechsel wirkt. Schließlich stand der Panzer seit 1970 dort, vielen Delmenhorstern bekannt, aber irgendwie auch nicht weiter beachtet. „Er kam direkt aus dem Depot und war da schon demilitarisiert“, sagt Oberstleutnant Harald Mauritz. Bis 1992 diente er für die damals noch in Adelheide stationierten Panzergrenadiere als Ausbildungsobjekt. Sprich: Sie lernten, wie sie sich einem feindlichen Panzer nähern konnten. Da war der M47 Patton, benannt nach General George S. Patton, dem Kommandeur der 3. US-Armee während des Zweiten Weltkriegs, bereits nur noch Torso, ohne Motor, ohne Tank, damit ihn niemand fahren und entführen konnte. Und natürlich ohne Kampfsysteme, die 90-Millimeter-Kanone schon kupiert, damit wirklich niemand Schabernack mit dem Gerät treibt. „Zuletzt diente er uns in der Ausbildung vor allem als Orientierungspunkt auf dem Gelände“, erklärt Mauritz.

Auch wenn die Verladung des Pink Panzers am Montag medial inszeniert am Nachmittag über die Bühne ging, rollte der Tross tatsächlich erst am Abend gen Munster. Schließlich muss sich auch die Bundeswehr an die Regeln für Schwertransporte halten. Rund 37 Tonnen bringt der Panzer noch auf die Waage, sein volles Kampfgewicht wird in der Wikipedia dagegen mit gut 46 Tonnen angegeben. Drei Bergepanzer Büffel waren im Einsatz, um ihren pinken Kollegen zu verfrachten. Ganz vorsichtig, damit er auf keinen Fall Schaden nimmt. In aller Ruhe und mit genau choreografierter Millimeterarbeit hievten sie ihn auf die Ladefläche. Auch für die drei Kranführer eine besondere Herausforderung und Übung, dermaßen synchron zu arbeiten.

Wann der Panzer nun in Munster zu sehen sein wird, konnte Raths noch nicht sagen. Zuerst müssen sie sich in Munster abschließend darüber einigen, wie sie ihn in der Ausstellung integrieren wollen. Zudem steht sowieso eine Modernisierung seines Hauses an, Fördermittel des Bundes werden dafür fließen. Und dann kann es sein, dass es eh zu einer kompletten Umgestaltung kommt. Was bei den tonnenschweren Exponaten in Munster nicht mal eben nebenbei gemacht wird. „Es gibt unendlich viele Möglichkeiten, wie wir den Panzer präsentieren können. Aber ich denke, in einem halben Jahr sollte er aufgestellt sein.“

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