Frühlingsfest im Kaffeehaus mit Eulen-Sammlung auf Gut Dauelsberg / Am Anfang stand eine Schnaps-Idee

Plausch zwischen gefiederten Wächtern

Der 25. Mai ist im Kaffeehaus mit Eulensammlung auf Gut Dauelsberg der erste Tag der Frühlingsbegegnung. Im zweitälteste Gebäude der Stadt soll eine Brücke zur Lebenswelt der Bewohner der sozialen Heimstätte geschlagen werden.
14.05.2013, 05:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Mareike Scheer

Der 25. Mai ist im Kaffeehaus mit Eulensammlung auf Gut Dauelsberg der erste Tag der Frühlingsbegegnung. Im zweitälteste Gebäude der Stadt soll eine Brücke zur Lebenswelt der Bewohner der sozialen Heimstätte geschlagen werden.

Delmenhorst. Wälder und ihre Bewohner sind Norbert Boese seit der Kindheit bestens vertraut. Stammt er doch aus einem Förster-Haushalt, aufgewachsen ist er in Warder im Bundesland Schleswig-Holstein. Zusammen mit seiner Ehefrau Erika hat Norbert Boese vor 42 Jahren dann seine Eulen-Leidenschaft entdeckt. Es war eine "Grog-Idee" an einem verregnetem Urlaubstag auf Norderney 1971, seitdem sammelt das Ehepaar kleine und große Vögel aus Holz, Porzellan, Plastik und Plüsch, kurz: aus allen Materialien und in allen Formen, die man sich vorstellen kann, von Kunst bis Kitsch, wie der leidenschaftliche Sammler selbst betont. Über Australien, Mexiko, den USA, Kanada, ganz Europa sowie aus fast allen Ecken von Deutschland wurden die Vögel nach Delmenhorst geflogen. Mittlerweile ist das Sammeln nicht mehr nur Hobby, sondern Aufgabe der Stiftung Erika und Norbert Boese.

Warum eigentlich Eulen? "Sie stehen für Weisheit und Klugheit, sind gleichzeitig ein geräuschloser Räuber mit einer schönen Ästhetik und dienen auch der Kunst oft als Vorlage", gerät Norbert Boese über die Tiere ins Schwärmen. Insgesamt befinden sich mittlerweile mehr als 7000 Eulen in der Sammlung. "Ich kenne keinen, der in Deutschland mehr besitzt. Und meine Frau fahndet im Internet", verrät Boese.

Seit 2009 wachen nun mehr als Tausend starre Augenpaare über das Kaffeehaus des Gut Dauelsberg. "Es ist schön, dass wir so der therapeutischen Arbeit dieser sozialen Einrichtung beihelfen können", betont der ehemalige Oberstadtdirektor. Am 25. Mai steigt zwischen den Sammelstücken im Eulen-Haus bei Kaffee und Kuchen der erste "Tag der Frühlingsbegegnung". Ab 10.30 Uhr sorgen die Delme Shanty Singers für Musik, und es werden Eulen-Lesezeichen aus Filz, Stoff und Bändern gebastelt. In Vorträgen von Imkern und Fischern werden Geheimnisse der Bienenzucht sowie der Fischpopulation rund um die Stadt verraten. "Das Café ist eine Brücke zur Außenwelt für die Bewohner des Gut Dauelsberg. Mit diesem Tag wollen wir den Hof als auch das Kaffeehaus in den Vordergrund rücken und das Publikum mit einem spannenden Programm mit uns vertraut machen und über uns informieren", sagt Boese. Mittags gibt es den Dauelsberger Erbseneintopf. Übrigens ist das Kaffeehaus jeden Sonntag auch für Besucher geöffnet, sodass sie das Gut und seine Bewohner kennenlernen können, und diese auch mal mit anderen Menschen in Kontakt kommen.

Das Haus der 1500 Eulen birgt einiges an Geschichte in sich. Es war früher ein Speicher. Der Bau stammt aus dem Jahr 1722 und ist somit das zweitälteste Gebäude in Delmenhorst. Ein Jahr lang haben Teilnehmer einer Maßnahme des Bildungswerks Niedersächsischer Volkshochschulen die alten Räume renoviert und restauriert. Heute steht das Gebäude unter Denkmalschutz. Neben einem frischen Anstrich der Fassade erhielt der Raum rot-schwarze Fliesen und gemütliche Holzmöbel.

Das Kaffeehaus erzählt aber eben auch die Geschichte einer Schnaps-Idee, aus der ein Hobby wurde, das sich zu einer großen Sammelleidenschaft inklusive Stiftungsgründung und Privatmuseum zugunsten einer sozialen Einrichtung auswuchs. Aus Spenden soll dann irgendwann auch noch einmal ein Erweiterungsbau finanziert werden können. "Wenn wir irgendwann der Eulen überdrüssig werden oder nicht mehr in der Lage sind, sie zu umtüdeln, übergeben wir auch die übrigen rund 5500 Exemplare aus dem privaten Besitz an das Gut Dauelsberg", erzählt Boese. Bis auf die liebsten Eulen: die selbst gebastelten Tiere der Kinder. Die erkennt Norbert Boese noch immer sofort unter Tausenden. Im Gegensatz zum ersten Vogel, mit dem die Leidenschaft vor 42 Jahren begann.

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