Beratungsangebote ausgeweitet

Anstieg häuslicher Gewalt durch Corona?

Bislang haben Kinderschutzbund und Polizei in Delmenhorst keine Anzeichen für vermehrte Vorfälle häuslicher Gewalt durch die Corona-Krise festgestellt. Sie haben dennoch ihre Beratungsangebote ausgeweitet.
14.04.2020, 18:51
Lesedauer: 2 Min
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Von Tobias Hensel
Anstieg häuslicher Gewalt durch Corona?

Bislang hat der Kinderschutzbund Delmenhorst keine Anzeichen für vermehrte Vorfälle häuslicher Gewalt durch die Corona-Krise festgestellt.

Patrick Pleul/DPA

Die Corona-Pandemie zwingt die Bevölkerung seit Wochen zum Verbleib in ihren eigenen vier Wänden. Das Homeoffice ist für viele zum täglichen Standard geworden. Da liegt die Vermutung nahe, das der tägliche Stress zwischen Bett, Küche, Schreibtisch und Sofa auch eskalieren könnte, wenn menschliche Nähe auf Dauer zu viel wird. Aber die Polizei gibt ein Stück weit Entwarnung: „Wir haben leider immer mit häuslicher Gewalt zu tun. Aber in den vergangenen Wochen gab es keinerlei Anzeichen für eine corona-bedingte Zunahme“, sagt Albert Seegers, Pressesprecher der Polizeiinspektion Delmenhorst/Oldenburg-Land/Wesermarsch.

Auch Jörg Bernhard, Vorsitzender des Delmenhorster Kinderschutzbundes, hat in den vergangenen Wochen keine Anzeichen dafür erkennen können. Er will aber auch nicht ausschließen, dass die Dunkelziffer weitaus höher sein könnte. Der Kinderschutzbund hat schon vor zwei Wochen eine Hotline geschaltet, an die sich Betroffene oder Beobachter von Misshandlungen und Missbrauch an Kindern wenden können. Zudem gibt es über eine eigens eingerichtete E-Mail-Adresse die Möglichkeit der schriftlichen Kontaktaufnahme. Das Angebot wird durch besonders geschulte Ehrenamtliche ermöglicht.

Unter dem Motto „Vor Ort – Es kann schon helfen, darüber zu sprechen“, hat der Delmenhorster Ortsverband des Kinderschutzbundes Ende März ein zusätzliches Angebot geschaffen, das sich der Sorgen und Nöte von Kindern, Jugendlichen und Eltern in Delmenhorst und Umgebung annimmt und auf eine einfach zu erreichende, niederschwellige Art und Weise unkompliziert Hilfe und Beratung anbieten möchte, falls der Stress durch die Einschränkungen des öffentlichen Lebens tatsächlich zu hoch werden sollte.

„Wir sind noch im Leerlauf“, sagt Bernhard, fügt aber hinzu, dass er das Angebot dennoch weiterhin aufrechterhalten und am liebsten erweitern würde. „Wir müssen die Kinder erreichen, die wollen, aber vielleicht lieber über Whats-App oder ähnliche Programme Kontakt aufnehmen.“ Doch steht er über die Fragen des Datenschutzes in der Diskussion mit dem niedersächsischen Landesverband des Kinderschutzbundes und anderen Akteuren auf dem Gebiet des Kinderschutzes.

Die gegenwärtigen Zeiten und Einschränkungen sorgen vielerorts dafür, dass über die Art und Weise der geläufigen Kommunikation neu nachgedacht wird. Angesichts des akuten Bedarfs nach technischen Möglichkeiten wird wenig Zeit für Datenschutz- und Sicherheitsfragen aufgewendet. Dem alten Motto „Not macht erfinderisch“ folgend, ist aber auch der Kinderschutzbund auf der Suche nach Möglichkeiten, sein Angebot möglichst weit zu streuen und so niederschwellig anzubieten, dass Gewalt schon vor ihrer Entstehung vereitelt werden kann. Denn wie so oft im Leben entstehen Streit und Gewalt häufig nur aufgrund gescheiterter Kommunikation und durch die Enttäuschung von Erwartungen.

Unter der Telefonnummer 0 15 73 / 2 48 60 37 steht das ehrenamtliche Team des Kinderschutzbundes montags bis mittwochs und freitags von 10 bis 12 Uhr zur Verfügung, donnerstags kann es von 15 bis 17 Uhr erreicht werden. Per E-Mail an dksb-del-vorort@web.de können sich Ratsuchende an das Team werden und erhalten dann schnellstmöglich eine Antwort.

Neben dem Delmenhorster Angebot stehen aber auch die etablierten bundesweit erreichbaren Angebote der Nummer gegen Kummer unter der 116 111 und dem Elterntelefon unter Telefon 08 00 / 1 11 05 50 zur Verfügung, die in den 1990er-Jahren aus dem Deutschen Kinderschutzbund heraus entstanden sind und durch das Bundesfamilienministerium gefördert werden.

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