Ausdrucksvielfalt eines jungen Blechbläserensembles Posaunen, um die Gemeinde zusammenzurufen

Delmenhorst. Beinahe jede zweite evangelische Kirchengemeinde hat einen Posaunenchor. Diese Bläserscharen bilden eine der größten Laienbewegungen des deutschen Protestantismus'.
07.03.2017, 00:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Günter Matysiak

Delmenhorst. Beinahe jede zweite evangelische Kirchengemeinde hat einen Posaunenchor. Diese Bläserscharen bilden eine der größten Laienbewegungen des deutschen Protestantismus'. Die Frage, warum es das Blech sein muss, nicht Flöten- oder Streichmusik, beantwortet die Bibel. Im vierten Buch Mose, Kapitel 10, heißt es: „Und der Herr redete mit Mose und sprach: Mach dir zwei Trompeten von getriebenem Silber und gebrauche sie, um die Gemeinde zusammenzurufen…“ Das legitimiert auch gleich die Trompeten, die in den Posaunenchören auch mitspielen. Ensembles nur mit Posaunen sind eher die Ausnahme. Zu sehen und zu hören war das auch am frühen Sonntagabend in der Stadtkirche beim Konzert des „Jugendposaunenchors Oldenburg and Friends“, der sich ein wirklich abwechslungsreiches Programm erarbeitet hat, in dem deutlich wurde, dass man sich um den Posaunenchor-Nachwuchs keine Sorgen machen muss.

Muss man beim Stichwort Posaunenchor leicht auch an die Klangmacht der Trompeten von Jericho denken, die Stadtmauern zum Einsturz brachten, so fiel in der Stadtkirche sofort auf, dass dieser Posaunenchor über einen schönen, tragfähigen Pianoklang verfügt, mit der er Traugott Fünfgelds „Ein feste Burg“-Bearbeitung zur Eröffnung zu schöner Wirkung verhalf. Auch die beiden Sätze aus Mendelssohn-Bartoldys „Elias“ bekamen einen weichen, sehr vokalen Klang. Die „Friends“ an diesem Nachmittag waren Solotrompeter Christian Strohmann und Stadtkirchenkantorin Friederike Spangenberg an der Orgel, die gemeinsam Georg Friedrich Händels „Suite D-Dur“ spielten. Leicht und „fetzig“ die Ouvertüre und die Gigue, die Trompete konnte schmeicheln und schmettern im „Aire“, und auch Marsch und Bourrée erhielten ausgeprägte Satzcharaktere.

Der langsame, von der Trompete lyrisch ausgeformte Satz aus Alexander Arutjunjans Trompetenkonzert zeigte die Orgel als schönen Orchesterersatz. Der Astor-Piazzolla-Tango geriet indes etwas unbeweglich. Voll meditativer Ruhe spielte Friederike Spangenberg Louis Viernes „Choral“, mit konzertantem Schwung Johann Gottfried Walthers Orgelbearbeitung eines „Concerto del Sigr. Tomaso Albinoni“. Detailliert artikuliert spielte der Posaunenchor zuerst das „Prelude“ aus einer Suite von Jeremiah Clarke, später die restlichen Sätze mit dem berühmten Schluss-Rondeau. Die blitzblanken Tuba-Bassläufe sollen stellvertretend für die hohe Spielpräzision des Ensembles stehen.

Nicht so ganz auf den Punkt geriet dass Zusammenspiel zwischen Solotrompete und Tutti in der Sonate B-Dur von Henry Purcell, die aber trotzdem, etwa in den fugierten Partien des Presto, wirkungsvoll musiziert wurde. Nach Thomas Rieglers sehr atmend phrasierter „Hymne“ und ihrem sanften Pathos gab es Gebet und Segen von Holger Heinrich, der auch den Posaunenchor der Stadtkirche leitet. Vorspiel und Gemeindebegleitung des Chorals „Lobe den Herren, den mächtigen König der Ehren“ lagen dann noch einmal in den Händen des Jugendposaunenchors, der großen Beifall erhielt.

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