Gefährliche Körperverletzung

Prügel-Attacke in Urneburg milde bestraft

Mit Bewährungsstrafen sind gestern drei Angeklagte davon gekommen, die 2013 mit Knüppeln und Ästen einen 46-Jährigen krankenhausreif geschlagen hatten. Alle drei Angeklagten waren in vollem Umfang geständig.
04.12.2014, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Prügel-Attacke in Urneburg milde bestraft
Von Jochen Brünner

Mit Bewährungsstrafen zwischen zwölf und 18 Monaten sind gestern drei Angeklagte im Alter zwischen 23 und 48 Jahren davon gekommen, die im Februar 2013 nach einer Trauerfeier auf dem Gelände des Schützenvereins Urneburg gemeinschaftlich mit Knüppeln und Ästen einen heute 46-jährigen Mann krankenhausreif geschlagen hatten. Zur Milde des Urteils hat im Wesentlichen die Tatsache beigetragen, dass alle drei Angeklagten nicht vorbestraft und in vollem Umfang geständig waren.

Ein 48-jähriger Familienvater und zwei seiner Söhne im Alter von 23 und 24 Jahren mussten sich gestern vor dem Amtsgericht Delmenhorst dafür verantworten, am 10. Februar 2013 im Anschluss an eine Trauerfeier auf dem Gelände des Schützenvereins Urneburg einen heute 46-jährigen Mann durch Schläge mit Knüppeln schwer verletzt zu haben. Für die Verhandlung hatte das Amtsgericht Delmenhorst gestern sogar seine Sicherungsvorkehrungen verschärft. Hintergrund der Tat waren nämlich Streitigkeiten zwischen zwei Familien, und das Verfahren fand unter reger Anteilnahme von Familienmitgliedern beider Seiten statt. Doch im Gerichtssaal blieb alles ruhig, zumal sich die Kammer und die Verteidigung bereits im Vorfeld auf einen Maximal-Strafrahmen verständigt hatten: 18 Monate für den 24-jährigen Haupttäter, je zwölf Monate für dessen 23-Jährigen Bruder sowie den 48 Jahre alten Vater der beiden.

Bei der Tat hatte das Opfer nicht nur ein leichtes Schädel-Hirn-Trauma, sondern Platzwunden sowie zahlreiche Prellungen erlitten, sodass es stationär im Krankenhaus behandelt werden musste. Damit es zu den im Vorfeld ausgehandelten milden Strafen kommen konnte, bedurfte es im Gerichtsaal der vollumfänglichen Geständnisse der drei Angeklagten.

„In so einer Situation war ich in meinem ganzen Leben noch nicht. Ich stand einfach neben mir. Und es tut mir leid“, versuchte der 24-Jährige Angeklagte und „Rädelsführer“ zu begründen, warum er mehrfach mit einem dicken Ast, den er in dem Waldgebiet gefunden habe, auf den heute 46-Jährigen eingeprügelt habe. Aber auch der Bruder und der Vater hatten aktiv mit Ästen auf das Opfer eingeschlagen. Zwar sind die Verletzungen inzwischen alle wieder verheilt, doch leidet das Opfer nach eigener Aussage noch immer unter Angstzuständen und der Sorge, dass jederzeit ein neuer Übergriff passieren könne.

Warum die drei Männer den 46-Jährigen krankenhausreif prügelten, blieb auch vor dem Schöffengericht größtenteils undurchsichtig. Zum einen ging es bei dem Streit offenbar um Geld: Nach Darstellung der Verteidigung soll das Opfer der Familie der Täter 10 000 Euro geschuldet haben. Zum anderen hat der Haupttäter mit der Tochter des Opfers aber auch ein gemeinsames Kind, das er inzwischen allein erzieht. Deutlich wurde bei all dem nur, dass die beiden beteiligten (Groß-)Familien seit mindestens vier Jahren eine innige Feinschaft pflegen.

„Es ist dem Gericht nicht möglich, die Familienverhältnisse aufzuarbeiten und zu befrieden“, sagte der Vorsitzende Richter. Vor diesem Hintergrund sei nur das kleine Fenster der Ereignisse des 10. Februar 2013 Gegenstand des Verfahrens. Dennoch habe er „ein gutes Gefühl, dass ich in vielen vergleichbaren Fällen nicht habe“, dass das milde Urteil auch einen Beitrag zur Befriedung leisten könne. Als Grund für das milde Strafmaß nannte er neben den Geständnissen auch die Tatsache, dass die Angeklagten dem Gericht durch ihre Kooperation eine schwierige Beweisaufnahme erspart hätten. „Den Rest“, so der Vorsitzende, „müssen die Familien untereinander regeln.“

Der Anwalt der Nebenklage hatte in seinem Plädoyer eine Entschädigung für das Opfer gefordert – entweder in Form von Schmerzensgeld oder als Arbeitsauflage von mindestens 300 Stunden. In seiner Urteilsbegründung gab der Vorsitzende Richter jedoch zu bedenken, dass es eine Keimzelle für weiteren Streit sein könne, „wenn mit staatlicher Hilfe Geld in eine Richtung transferiert wird“. Das Gericht tue gut daran, sich da rauszuhalten.

Insofern müssen die drei Angeklagten nun insgesamt 3600 Euro der Opferorganisation „Weißer Ring“ überweisen. Zudem haben sie die Kosten des Verfahrens zu tragen und sie erklärten, auf die Außenstände, die das Opfer bei ihnen noch habe, zu verzichten.

Und in der Annahme, dass das Opfer das Strafmaß für seine Peiniger als zu milde empfinden würde, wurde der Vorsitzende Richter fast noch philosophisch: „Die Bestrafung der Täter führt fast nie dazu, dass es dem Opfer besser geht.“

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