Fall Qosay K. in Delmenhorst

Tod eines 19-Jährigen: Ermittlungen gegen Sanitäter eingestellt

Nach dem Tod des 19-jährigen Qosay K. hat die Staatsanwaltschaft nun auch die Ermittlungen gegen die beteiligten Sanitäter eingestellt. Eine unterlassene Hilfeleistung sei nicht festzustellen.
01.06.2021, 15:12
Lesedauer: 2 Min
Zur Merkliste
Tod eines 19-Jährigen: Ermittlungen gegen Sanitäter eingestellt
Von Björn Struß

Im Fall des verstorbenen Qosay K. hat die Staatsanwaltschaft Oldenburg nun auch die Ermittlungen gegen die am Einsatz beteiligten Rettungssanitäter eingestellt. Wegen des Vorwurfs der unterlassenen Hilfeleistung hatten Angehörige des 19-Jährigen gegen sie Strafanzeige erstattet. Bei einem Einsatz im Wollepark setzten Zivilbeamte nach einer Drogenkontrolle gegen Qosay K. Pfefferspray ein und brachten ihn gewaltsam zu Boden. Auf der Polizeiwache kollabierte der junge Mann, einen Tag später verstarb er in einem Krankenhaus in Oldenburg. Anwälte der Angehörigen hatten ebenfalls Strafanzeige gegen die beteiligten Polizisten erstattet, hier stand auch der Vorwurf der fahrlässigen Tötung im Raum. Diese Ermittlungen hatte die Staatsanwaltschaft vor zwei Wochen eingestellt.

Laut Staatsanwaltschaft haben die Sanitäter Qosay K. vor Ort untersucht, Puls und Atmung seien unauffällig gewesen. In der Pressemitteilung heißt es: "Auch bei weiteren, zum Teil unbeteiligten Zeugen hat der später Verstorbene zu diesem Zeitpunkt nicht den Eindruck erweckt, sich in einer Notlage zu befinden. Entsprechende Äußerungen sind durch Qosay K. auch nicht getätigt worden." Durch stetes Wegdrehen des Körpers habe der junge Mann eine weitere Untersuchung und Behandlung abgelehnt.

Lesen Sie auch

Für eine unterlassene Hilfeleistung brauche es eine Gefahr für Leib und Leben, die dem potenziellen Täter auch bekannt sei. "Aufgrund der geschilderten Umstände ist schon nicht feststellbar, ob zum Zeitpunkt der Untersuchung bereits ein entsprechender Notfall vorlag", argumentiert die Staatsanwaltschaft. Die Untersuchungsergebnisse wiesen auf das Gegenteil hin. Zudem entfiele aus rechtlicher Sicht die Hilfspflicht, wenn Hilfeleistungen abgelehnt werden.

Das "Bündnis in Erinnerung an Qosay" hatte bereits mit großem Unverständnis auf die Einstellung der Ermittlungen gegen die beteiligten Polizisten reagiert. Deshalb ruft es für Sonnabend, 5. Juni, erneut zu einer Demonstration auf. Es sei auch das Datum, an dem der gewaltsame Polizeieinsatz exakt drei Monate zurückliegt.

Lesen Sie auch

In einer online verbreiteten Stellungnahme kritisierte das Bündnis die Staatsanwaltschaft bereits nach dem ersten eingestellten Verfahren scharf: "Während sie anfangs entgegen Zeugenaussagen immer wieder erklärte, Qosay habe Erste Hilfe abgelehnt, behauptet sie nun, eine Untersuchung habe noch vor Ort stattgefunden und alle Parameter seien normal gewesen." Auch die Darstellung, Qosay sei nach der Festnahme eigenständig und in guter Verfassung in das Polizeiauto gestiegen, widerspreche deutlich der Aussage eines Freundes, der am Tatort gewesen sei.

Weiter hieß es: "Auch die Tatsache, dass die mehrfach eindringlichen Forderungen Qosays nach Wasser – auch in Reaktion auf den massiven Pfeffersprayeinsatz – weder von den Polizeibeamten noch von den Rettungssanitätern ernst genommen wurden, interessiert die Staatsanwaltschaft nicht." Gegen die eingestellten Ermittlungen gegen die Delmenhorster Polizisten haben die Anwälte der Angehörigen Beschwerde bei der Generalstaatsanwaltschaft eingelegt.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+