Geplantes Einkaufszentrum in Delmenhorst Rat segnet Kriterienkatalog ab

Delmenhorst. In der letzten Ratssitzung vor der Sommerpause ging es im Rat noch einmal um Grundsätzliches beim geplanten innerstädtischen Einkaufszentrum (EKZ). Diejenigen, die das Center ablehnen, meldeten sich noch einmal besonders laut zu Wort.
24.06.2010, 04:53
Lesedauer: 3 Min
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Von Andreas D. Becker

Delmenhorst. An ein paar Schrauben musste noch gedreht werden, an der Begrenzung der Parkplatzzahl auf 560 Stück oder den Abstand zum neu entstehenden Markthallenanbau zum Beispiel. Die Politik hatte ihre Vorstellungen zwar schon alle formuliert, aber nach den detailreichen Diskussionen hatte die Verwaltung noch nicht alle Änderungen in den Kriterienkatalog für ein innerstädtisches Einkaufszentrum (EKZ) eingearbeitet. Ansonsten ging es in der letzten Ratssitzung vor der Sommerpause vielmehr noch einmal um Grundsätzliches beim Center.

Vor allem die Ablehner meldeten sich noch einmal zu Wort, doch sie waren in der Unterzahl: FDelP, Grüne, Liberale Fraktion, Eva Sassen (Bürgerforum) und Lothar Mandalka (Unabhängige) stimmten aus diversen Gründen gegen den Kriterienkatalog, doch die breite Mehrheit aus CDU, SPD, 'Wir für Delmenhorst' und Unabhängigen sprach sich dafür aus. 'Die jetzige Vorlage ist ein wichtiger Schritt, den Stillstand und das Absinken der Innenstadt zu überwinden', lobte Oberbürgermeister Patrick de La Lanne die Politik, die sich akribisch mit den Anforderungen an ein Center auseinandergesetzt hat.

Annette Schwarz (CDU) gab sogar zu, dass die 10000 Quadratmeter Verkaufsfläche, die nun definiert wurden, mehr sind als im ursprünglichen Ratsbeschluss, der nur 10000 Quadratmeter Nutzfläche vorsah. 'Aber das ist auch ein Entgegenkommen für den Investor.' Schließlich muss der Rahmen für einen wirtschaftlichen Betrieb vorgegeben sein. Schwarz: 'Eine Untersuchung aus Bayern zeigt uns, dass ein Einkaufscenter positiv für die Innenstadt sein kann - wenn es eine zentrale Lage hat und nicht zu groß ist.' Lutz Lehnacker (UAD) gab zwar zu, dass er selbst der Vorlage nur mit Herzklopfen zustimme, weil er sich nicht sicher sei, das Richtige zu tun. 'Nur: Ich habe auch keine bessere Idee.' Schließlich muss in Sachen Innenstadtbelebung etwas getan werden. Und Christian Nowara (SPD) fügte hinzu, dass die detaillierten Vorgaben nötig seien, damit das Center ein Erfolg für die gesamte Innenstadt werde - und eben kein zweites 'Haven Höövt' wie in Vegesack.

Vegesack, das Negativbeispiel. Axel Unger (FDelP) führte es noch einmal an: 'Die verfehlte Planung in Vegesack hat die Innenstadt für immer ruiniert. Und das Center selbst läuft auch nicht gut.' Zudem kritisierte er die in die Debatte eingebrachten neuen Begriffe, um die Centergröße zu umschreiben: 'Für mich ist das nur ein Verwirrspiel.' Die andere liberal angehauchte Fraktion im Stadtrat war zwar auch gegen das Center, aber aus anderen Gründen. Ingeborg Hübscher kritisierte den Kriterienkatalog: 'Durch einen solchen Wust von Regularien werden gute Investoren abgeschreckt und zuletzt bleiben nur noch diejenigen übrig, die die Schuld eines eventuell vorzeitigen Scheiterns der Stadt zuweisen könnten, eben wegen zu strenger Vorgaben, die die Lebensfähigkeit eines Einkaufszentrums zu stark einschränken.'

Viel Zeit nahm sich Marlis Düßmann (Grüne), um ihre ablehnende Haltung zum Center noch einmal zu erläutern. Unter anderem zerpflückte sie das Beispiel Bocholt, das von den Delmenhorster Center-Befürwortern gern als Positivbeispiel, wie ein Center funktionieren kann, herangezogen wird. 'Jedes Jahr kommen eine Million Touristen aus Holland nach Bocholt - kommen die auch zu uns?' Zudem sei in Bocholt nie Kaufkraft auf die sogenannte Grüne Wiese umgeleitet worden. Sie verwies auch auf die Studie 'Auswirkungen Innerstädtischer Shopping-Center auf die gewachsenen Strukturen der Zentren', die gerade an der Hafencity-Universität Hamburg erarbeitet wird. In einem Zwischenfazit kommt die Autorin Monika Walther unter anderem zu dem Schluss: 'Ein autarkes Center ist in der Lage, in einigen innerstädtischen Geschäftszonen spürbar negative Effekte und städtebaulich unerwünschte Veränderungsprozesse auszulösen oder gegebenenfalls auch schon vorher sich abzeichnende Abwertungstendenzen erheblich zu

beschleunigen.'

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