Feldwebel-Lilienthal-Kaserne in Delmenhorst Rund 300 junge Soldaten schwören Treue

Delmenhorst. Rund 300 junge Soldaten marschierten am Donnerstag auf dem Rasenplatz der Feldwebel-Lilienthal-Kaserne in Adelheide auf. Es war das erste Mal, dass die Rekruten des Transportbataillons 165 und die Rekruten aus Schwanewedebeiden gemeinsam ihr feierliches Gelöbnis ablegten.
19.02.2010, 06:40
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Von Andreas D. Becker

Delmenhorst. So viele waren es noch nie, rund 300 junge Soldaten marschierten gestern auf dem Rasenplatz gleich hinter dem Eingangstor der Feldwebel-Lilienthal-Kaserne in Adelheide auf. Links und in der Mitte bezogen die Rekruten des Transportbataillons 165 Stellung, an den roten Baretts gut zu erkennen. Rechts nahmen die blau-behüteten 149 Rekruten und acht Rekrutinnen des Kommandos Schnelle Einsatzkräfte Sanitätsdienst aus Schwanewede Aufstellung.

Gesäumt wurde die Szenerie von knapp 500 Verwandten, die bei eisigen Temperaturen mit dampfendem Atem tapfer zuschauten, als die Söhne, Enkel oder Freunde gelobten, der Bundesrepublik Deutschland treu zu dienen und die Freiheit des deutschen Volkes tapfer zu verteidigen. Es war das erste Mal, dass die beiden Standorte gemeinsam ihr feierliches Gelöbnis ablegten.

Während das Marinemusikkorps Nordsee unter Leitung von Kapitänleutnant Tobias Terhardt den Präsentiermarsch spielte, schritt Fregattenkapitän Volker Laabs, Kommandeur des Transportbataillons 165, zusammen mit Gelöbnis-Ehrenrednerin Angelika Brunkhorst und seinem Schwaneweder Pendant Oberstleutnant Edgar Chatupa die Reihen ab. Mit 'Augen geradeaus' hieß es für die 300 jungen Soldaten, Stehvermögen zu beweisen - was nicht allen gelang. Die Kälte und Aufregung setzte einigen zu, Kreislaufprobleme traten auf, Sanitäter versorgten die Soldaten.

Hauptmann Holger Ohlrogge hatte es schon vormittags, beim Familientag, geahnt. 'Wenn die nicht genügend essen und trinken, halten sie nachher nicht durch.' Und das Programm dauerte gut eine Stunde, immerhin gab es neben dem Gelöbnis auch noch Reden und natürlich Musik, zum Beispiel den von Max Hempel komponierten Laridah-Marsch von 1918, der der Traditionsmarsch des Transportbataillons 165 ist, oder auch den Erzherzog-Albrecht-Marsch, der Marsch der Logistikbrigade 1.

Angelika Brunkhorst, selbst Hauptmann der Reserve und von daher innig mit der Delmenhorster Kaserne verbunden, betonte in ihrer Rede die Rolle der Bundeswehr in der Gesellschaft. Aber sie hob auch noch einmal hervor, welche Rolle der Wehrdienst im Leben der Rekruten spielen wird. 'Sie werden sich hier auch persönlich weiterentwickeln. Und Sie werden erfahren, was Kameradschaft bedeutet.' Zudem nahm die Politikerin die Ausbilder in die Pflicht: 'Seien Sie Vorbild, in dem sie Pflichten und Tugenden vorleben.' Gerade in Zusammenhang mit den jüngsten Vorfällen bei den Gebirgsjägern in Mittenwald klang das auch ein bisschen nach Appell.

Laabs ging in seiner Rede unter anderem auf die Bedeutung des Grundwehrdienstes, der ab dem kommenden Jahr auf ein halbes Jahr verkürzt werden soll, ein: 'Auch Grundwehrdienstleistende leisten heute wertvolle und unverzichtbare Beiträge bei der Vorbereitung und Unterstützung unserer Einsatzkontingente.' Zudem vertiefte er die Bedeutung der Werte Treue und Tapferkeit: 'Treu zu dienen, bedeutet auch den bewussten Verzicht auf entgegenstehende persönliche Wünsche und kann Entbehrungen mit sich bringen.'

Was alles zum treuen Dienst an der Waffe gehört, erfuhren Freunde und Verwandte der jungen Soldaten beim Familientag. Bei der sogenannten Modenschau ging es nicht nur darum, die neuesten Modelle des Flecktarnanzuges oder die unterschiedliche Verwendung des Sportanzugs kurz oder des Sportanzugs lang vorzuführen, es wurde auch gezeigt, welche Routinen zum soldatischen Alltag in der Kaserne gehören. Angefangen bei der Kleiderkontrolle und beim Frühsport.

Neben den schweren Lastwagen des Transportbataillons konnten sich die Gäste auch anschauen, mit welchen Geräten die Sanitäter aus Schwanewede in Einsätze gehen. In einem der Container war eine komplette Notfallambulanz aufgebaut. 'Hier werden verwundete Patienten hergebracht und zum Beispiel auf eine Operation vorbereitet', erklärte Christian Tschackert, Oberfeldwebel der schnellen Sanis.

Im Einsatz wie zurzeit in Afghanistan besteht das medizinische Dorf dann sogar aus 24 solcher Container, mit autarker Wasser- und Stromversorgung, verbunden durch Zelte, sodass ein richtiges Krankenhaus entsteht. 'Wobei wir eher dafür da sind, um bei Katastrophen zu helfen', erklärt Tschackert. Wenn beispielsweise nach einer Umweltkatastrophe zivile Krankenhäuser so zerstört sind, dass sie nicht mehr einsatzfähig sind, dann rücken die Schwaneweder Sanis aus.

'Das gefällt mir alles gut', sagte Helmut Seidel. Der Harpstedter hatte an diesem Vormittag noch eine vergleichsweise kurze Anfahrt, wenn man sich die verschiedenen Kennzeichen auf dem Parkplatz mal ansah. Sein Sohn Tim dient in Delmenhorst, und er will sogar noch länger bei der Bundeswehr bleiben, der entsprechende Antrag ist bereits gestellt. Denn die Bundeswehr ist ja weit mehr als der Dienst an der Waffe. Auch das gab es gestern zu sehen, das Zentrum für Nachwuchsgewinnung stellte die Karrierechancen bei der Truppe vor, angefangen mit zahlreichen Berufsausbildungen bis hin zu den vielfältigen Studienmöglichkeiten.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+