Alles rund um die Knolle Rund 50.000 Besucher beim Delmenhorster Kartoffelfest

Besucher, wohin das Auge reicht: Bei hochsommerlichen Temperaturen strömten rund 50.000 Menschen zum 27. Kartoffelfest durch die Delmenhorster Innenstadt.
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Von Björn Struß

Mit einem strahlend blauen Himmel und Temperaturen von bis zu 25 Grad erlebte Delmenhorst am Sonntag wohl eines seiner wärmsten Kartoffelfeste überhaupt. Die 27. Auflage des Familienfestes lockte wieder etwa 50 000 Besucher in die Innenstadt. Schon während der offiziellen Eröffnung gegen 12.15 Uhr erklärte Bürgermeisterin Antje Beilemann die Veranstaltung zu einem „vollen Erfolg“.

Und tatsächlich: Während der Mittagszeit bildeten sich an den Reibekuchen- Pommes- und Pellkartoffelständen lange Schlangen. Auf Rathausplatz und Langer Straße entstand ein buntes Treiben, an einigen Nadelöhren war kaum noch ein Durchkommen.

Wem das zu viel wurde, konnte auf dem Wasserturm den Menschenmassen entfliehen. In einer Höhe von 44 Metern reichte der Blick hier bis zum Bremer Dom. „Ich lebe schon seit 50 Jahren in der Region, aber hier oben war ich noch nie“, gibt Thorsten Much zu.

Gute Gründe nach Delmenhorst zu fahren

Entweder war das Wetter zu schlecht, oder der Turm sei gerade geschlossen gewesen. Der 56-Jährige lebt gemeinsam mit seiner Frau in Ganderkesee-Heide, nur 15 Fahrradminuten von Delmenhorst entfernt. Dennoch sagt Much: "Ich bin selten hier.

Es gibt für mich nur wenig Gründe, nach Delmenhorst zu fahren. Aber dieses Fest bietet wirklich viel, da lohnt sich der Besuch." Trotz des verkaufsoffenen Sonntags planen er und seine Frau aber keinen Shopping-Bummel. "Dafür ist es zu voll", moniert Much.

Am Fuß des mächtigen Turms hat der Bauernhof Moorschlatt ein schattiges Plätzchen bekommen. Dieser Stand gehört zu dem Kartoffelfest wie der Wasserturm zu Delmenhorst. Denn Dietrich Moorschlatt ist einer der Mitbegründer der Veranstaltung, die sich zu einem Besuchermagneten entwickelt hat.

Einige ausgefallene Sorten

Inzwischen leitet sein Sohn Heiko die Geschicke des Familienhofes aus Hengsterholz, doch auch Enkelsohn Marcel hat bereits seine Laufbahn als Landwirt begonnen. Auf dem Kartoffelfest sind alle drei Generationen vereint und präsenteren stolz auch einige ausgefallene Sorten der Knolle, wie etwa die Violetta-Kartoffel.

Diese Sorte hat eine schwarze Schale und zeigt im Inneren dunkle Lilatöne. „Die war um 1900 sehr verbreitet und wird gerade durch die vielen Kochshows wieder beliebter“, sagt Heiko Moorschlatt. Auch einige Restaurants setzten auf den Überraschungsmoment der besonderen Farbe.

Sohn Marcel kennt derartige Trends, schließlich hat er einen Teil seiner Kindheit auf den Kartoffelfeldern des Vaters verbracht. „Ich bin schon mit acht Jahren total gerne auf dem Trecker mitgefahren“, erinnert sich Marcel Moorschlatt.

Lesen Sie auch

Heute ist er 18 Jahre alt. Das erste Ausbildungsjahr hat er bereits hinter sich gebracht, in zwei Jahren kann er sich wohl Landwirt nennen. Danach möchte er schnellstmöglich die Weiterbildung zum Fachagrarwirt machen, was mit dem Meistertitel im Handwerk zu vergleichen ist.

Für ihn ist der Landwirt ein Beruf mit Zukunft. „Inzwischen verkaufen wir unsere Kartoffeln auch online“, betont Marcel Moorschlatt. Mit der Plattform „meinmarktstand.de“ wolle man regionale Produkte dem Kunden nach Hause liefern.

Einige Sorgenfalten bekommen die Gesichter der Kartoffelbauern allerdings, wenn man sie auf die Ernte dieses Jahres anspricht. „30 Prozent weniger als im letzten Jahr“, sagt Heiko Moorschlatt. Ursache dafür waren Trockenheit und Hitze, sodass die geernteten Knollen recht klein ausgefallen sind.

Lieferengpässe zwangen Betreiber zu einer kurzfristigen Absage

Die Folgen sind auch auf dem Kartoffelfest unmittelbar zu beobachten. Die Veranstalter von der Delmenhorster Wirtschaftsförderung (DWFG) hatten in einer Ankündigung noch einen neuen Stand mit „Originalen Kartoffelknödeln aus Neumarkt in der Oberpfalz“ versprochen. Lieferengpässe zwangen den Betreiber am Freitag aber zu einer kurzfristigen Absage.

Auch die besonders dicken Knollen, die Helmut Botterbrodt für seine Ofenkartoffeln nutzt, waren in diesem Jahr schwerer zu kriegen. „Ich musste etwas 50 Prozent mehr bezahlen als noch im vergangenen Jahr“, berichtet der 62-Jährige.

Diese Preiserhöhung habe er aber nicht an seine Kunden auf dem Kartoffelfest weitergegeben. An dem Ofen hat er in der Sonne einen besonders heißen Platz erwischt. „In diesem Jahr trage ich meinen Strohhut auch gegen die Sonne“, sagt er mit einem Lächeln. Nicht nur für ihn fühlte sich dieser 14. Oktober wie Hochsommer an.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+