Gartenhütten sind Grund für Nachbarschaftsstreit Sauna wird zumStein des Anstoßes

Nachbarschaften sind sensible soziale Gebilde. Das lässt sich oft an recht einfachen Sachverhalten feststellen, zum Beispiel am bundesdeutschen Baurecht. Im Neubaugebiet Milet- und Trojaweg ist es deswegen zu Streit gekommen. Die Verwaltung wollte den mit einem Kompromiss schlichten – und machte nach eigenen Aussagen alles noch schlimmer.
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Von Andreas D. Becker

Nachbarschaften sind sensible soziale Gebilde. Das lässt sich oft an recht einfachen Sachverhalten feststellen, zum Beispiel am bundesdeutschen Baurecht. Im Neubaugebiet Milet- und Trojaweg ist es deswegen zu Streit gekommen. Die Verwaltung wollte den mit einem Kompromiss schlichten – und machte nach eigenen Aussagen alles noch schlimmer.

Delmenhorst. "Man will ja nicht jeden Tag böse sein", sagte Ulrich Ihm, Fachdienstleiter Stadtplanung, als er den Änderungsvorschlag der Verwaltung für den "Bebauungsplan Nummer 269 ,Tiefer Weg’ für einen Bereich am Trojaweg und am Miletweg" in der jüngsten Sitzung des Planungsausschusses vorstellte. Ironisch spielte er auf das Image der bösen Baubehörde an, die den Bürgern das Leben immer nur schwer mache. Bei dem Disput in der Nachbarschaft des Neubaugebiets wollte die Verwaltung mit einem Kompromiss nett sein. "Das war ein Fehler. Wir hätten böse sein sollen", schlussfolgerte Ihm.

Der Streit in der Nachbarschaft entzündete sich an einem Saunahaus, das sich ein Anwohner in den Garten gestellt hat. Kein kleines Kabuff, in dem die Anwohner etwas beengt schwitzen können. Ihm schilderte den Bau als "ferienhausgroß", eine Grundfläche von 50 Quadratmetern soll die Sauna, im Schwedenhaus-Stil errichtet, hellblau gestrichen, haben. Im Behördendeutsch handelt es sich bei der Sauna um einen Schwarzbau. Denn der Bebauungsplan regelt das Errichten von sogenannten Nebenanlagen an der Stelle eindeutig: Es ist nirgends auf den Grundstücken erlaubt.

Der Bau der Sauna sorgte zuerst aber für einen anderen Effekt: Weitere Nachbarn zogen nach, setzten sich kleine Gartenhütten hinter ihr Haus. Irgendwann störte sich ein Anlieger an dem "Hüttenensemble, auf das er schaute", berichtete Ihm. Er wies die Stadt darauf hin, dass seine Nachbarn sich nicht an die Vorgaben des Bebauungsplanes gehalten hätten. Die Stadt musste tätig werden. "Wir schnüffeln den Bürgern nicht hinterher, aber wenn wir Beschwerden erhalten, müssen wir aktiv werden", erklärte der Erste Stadtrat Gerd Linderkamp.

Bei der Ortsbesichtigung stellten die Verwaltungsbeamten fest, dass mehrere Nachbarn gegen den Bebauungsplan verstoßen hatten. Um nicht gleich alle Häuschen zu Schwarzbauten zu erklären, erarbeiteten die Stadtplaner einen Kompromiss. Der sah vor, dass bis zu zehn Quadratmeter der Grundstücksflächen, die als nicht bebaubar im Bebauungsplan deklariert sind, nun doch bebaut werden dürfen. Nur die als Grünflächen gekennzeichneten Bereiche des Gartens bleiben für jegliche Hütte weiterhin tabu. Die Anwohner forderten übrigens sogar 20 Quadratmeter – zu wuchtig, befand die Verwaltung. Murat Kalmis (FDP) brachte schließlich als weiteren Kompromiss 16 Quadratmeter ein, dem folgte auch die Mehrheit der Mitglieder des Verwaltungsausschusses. Allerdings muss der Bebauungsplan nun erneut öffentlich ausgelegt werden, sodass es noch eine Weile dauern kann, bis er in Kraft tritt.

Derweil wird die Verwaltung schon einmal prüfen, welche Hütte nun stehen bleiben kann und welche nicht. Die Sauna muss auf jeden Fall weichen, sie ist einfach viel zu groß. "Die Genehmigung für ein Nebengebäude ist trotz der Änderung des Bebauungsplanes kein Automatismus, wir werden immer einzeln entscheiden, je nach Größe der bereits bestehenden Nebenanlagen", kündigte Ihm an.

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