Der Delmenhorster Slavko Janjatovic hält Tiere in Brokhuchting - und nun auch im Bremer "Park links der Weser" Schafzucht für die Seele

Delmenhorst·Bremen. An einem kalten, verregneten Tag nahe der Brokhuchtinger Landstraße in Bremen: Slavko Janjatovic lässt seinen Blick über die grünen Wiesen und Felder, den kleinen Deich und die grasenden Schafe schweifen. "Das hier", sagt der gebürtige Jugoslawe, "ist wie ein Stück Heimat. Das ist etwas für die Seele". Was in dem 59-Jährigen Erinnerungen an die Kindheit wachruft, sind die Schafe. Einst hat er sie an der blauen Donau gehütet, heute hält er auf Bremer Boden zwei kleine Herden. In Brokhuchting und - probehalber im "Park links der Weser".
14.02.2011, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Mario Assmann

Delmenhorst·Bremen. An einem kalten, verregneten Tag nahe der Brokhuchtinger Landstraße in Bremen: Slavko Janjatovic lässt seinen Blick über die grünen Wiesen und Felder, den kleinen Deich und die grasenden Schafe schweifen. "Das hier", sagt der gebürtige Jugoslawe, "ist wie ein Stück Heimat. Das ist etwas für die Seele". Was in dem 59-Jährigen Erinnerungen an die Kindheit wachruft, sind die Schafe. Einst hat er sie an der blauen Donau gehütet, heute hält er auf Bremer Boden zwei kleine Herden. In Brokhuchting und - probehalber im "Park links der Weser".

Slavko Janjatovic ist Hobbyzüchter, kein Schäfer. Rund 20 Schafe nennt der Delmenhorster sein Eigen. Die buntwolligen Tiere zählen zur Rasse der holländischen Zwartbles, die schwarzen entstammen einer Mischung. Allesamt sind sie genügsam und eignen sich auch wegen ihrer besonderen Klauen für eine Haltung in nassen Wiesen. Ein weiterer Vorteil der blökenden Vierbeiner: "Denen macht die Kälte nichts aus", so Janjatovic, deshalb habe er die Schafe bei Frost und Schnee draußen lassen können. Zur Verwunderung mancher Spaziergänger, wie Susanne Nobel weiß. Die Verwalterin des "Parks links der Weser" ist Janjatovics Ansprechpartnerin, geht es um seine acht Schafe, die seit November am Achterfeldweg wiederkäuen.

Impfung steht an

Dass die Tiere nun auf einer umzäunten Fläche im "Park links der Weser" stehen, darin sieht Slavko Janjatovic einen Test. Immerhin, das Parkgelände ist öffentlich zugänglich, die Schafe sind schreckhaft und bleiben weitgehend unbeaufsichtigt. Zwar hätten sich im Schnee auf der Weide schon mal Menschen- und Hundespuren gefunden, sagt Janjatovic, aber bislang sei doch alles gut gegangen. So droht auch kein Abbruch des Probelaufs, wenn die Vierbeiner demnächst vom Park nach Brokhuchting verfrachtet werden. Der Transport wird nötig, weil die Impfung gegen die Blauzungen-Krankheit ansteht - und die Geburt der Lämmer: Die Muttertiere im "Park links der Weser" sind trächtig. Im März kommen sie samt Nachwuchs zurück auf die Weide Achterfeldweg.

Die Brokhuchtinger Schafe haben ihre Lämmer bereits im Januar geboren. Allerdings nicht ganz nach Plan. Hintergrund: Im vergangenen August hatte der Bock einen kaputten Zaun sowie die urlaubsbedingte Abwesenheit der Familie Janjatovic ausgenutzt und sich mit seinen Gespielinnen offenbar tierisch vergnügt. Das Ergebnis - tollpatschig wirkende, auf einem Heuhaufen spielende Tierkinder - ist unüberhörbar, nähert sich etwa Janjatovics sechsjähriger Sohn Alexander mit einem Plastikeimer voll Brot.

Warum aber neben Brokhuchting jetzt ein zweiter Standort für Janjatovics Tiere? "Im Park wollen wir zeigen, wie die Grünlandbewirtschaftung funktioniert", erläutert Verwalterin Nobel. Entstanden sei die Idee im Zuge des Projekts "Gräserne Paradiese", einem Natur-Erlebnisraum für Kinder. Dabei sollen Jungen und Mädchen der Grundschule Grolland zum entdeckenden Lernen angeregt werden - unter anderem durch die Beobachtung und Betreuung von Falterhügel und Schnecken-Zoo, Duftstaudenbeet und Heuschrecken-Gehege. Angrenzend stehen nun die Schafe - in Kürze ebenfalls Gegenstand besagter Schüler-Entdeckungen.

Bauernsohn aus der Vojvodina

Erfahrungen in der Zusammenarbeit mit einer (landwirtschaftlichen) Schule hat Janjatovic in seiner heute zu Serbien gehörenden Heimat gesammelt. Den Grollander Schülern will er die Schafhaltung und -aufzucht, die Gewinnung von Wolle, alles rund ums Tier näherbringen. "Oder wussten Sie, dass die Schafe nur im Unterkiefer Schneidezähne haben?", fragt der Hobbyzüchter, in der Hand einen Holzstock mit kunstvoll gearbeitetem Metallaufsatz. "Ein Fanghaken, den habe ich bei einer internationalen Ausstellung in Serbien bekommen", fügt Janjatovic hinzu und erklärt damit, was es mit dem Arbeitsgerät für Schäfer auf sich hat.

Immer wieder kommt Slavko Janjatovic auf seine Heimat an der Grenze zu Ungarn, auf die Vojvodina in Nordserbien zu sprechen. Dann erzählt der 59-Jährige, wie er als Sprössling einer Bauernfamilie morgens zwischen 4.30 und 7 Uhr bis zu 50 Schafe gemolken und nach der Schule den Stall ausgemistet hat; wie Vater, Onkel und Nachbar im Sommer mit einer Herde von 1000 Tieren "nomadenartig umhergezogen sind"; wie er mal an einem einzigen, dazu heißen Tag 120 Schafe geschoren hat. "Die Tiere waren unser Lebensunterhalt", blickt Janjatovic zurück. Heute verdient er sein Geld bei einer Schweißtechnik-Firma, arbeitet bereits seit Jahrzehnten auf Werften in Bremen, Bremerhaven und Berne, nachdem es ihn 1972 nach Deutschland führte. Von der Schafzucht konnte und kann Janjatovic nicht lassen. "Das ist eine Sucht." Eine Sucht, bei der sich nun wirklich nicht meckern lässt.

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