Geschäfts-Bericht: Für Luxusyachten sowie für die Polizei-Flotte entstehen in Schierbrok individuelle Systeme Schiffstechnik aus Ganderkesee

Ganderkesee-Schierbrok. Ein wenig wie das Cockpit eines Raumschiffs sehen die Hightechbrücken aus, die von der Firma „Böning Ship Automation“ in Ganderkesee für die weltweite Schifffahrt entwickelt werden. Mit verhältnismäßig wenigen manuellen Tasten und drei Displays, über die auch per Fingerdruck navigiert werden kann, verfügt das Vorführobjekt, das Landes-Wirtschaftsminister Olaf Lies am Donnerstag begutachtete, der bei einer Sommertour durch verschiedene Unternehmen am Donnerstag auch in Schierbrok Station machte.
29.07.2016, 00:00
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Von Marie Lührs

Ganderkesee-Schierbrok. Ein wenig wie das Cockpit eines Raumschiffs sehen die Hightechbrücken aus, die von der Firma „Böning Ship Automation“ in Ganderkesee für die weltweite Schifffahrt entwickelt werden. Mit verhältnismäßig wenigen manuellen Tasten und drei Displays, über die auch per Fingerdruck navigiert werden kann, verfügt das Vorführobjekt, das Landes-Wirtschaftsminister Olaf Lies am Donnerstag begutachtete, der bei einer Sommertour durch verschiedene Unternehmen am Donnerstag auch in Schierbrok Station machte.

„Wir haben wenig Laufkundschaft“, stellt Geschäftsführer Günther Böning fest und scherzt: „Wenn wir Schuhe verkaufen würden, wäre das schlecht.“ Doch in dem Business, in dem Böning seine Brötchen verdient, kommt die Kundschaft trotzdem. Im Industriegebiet in Schierbrok hat der Unternehmer bereits vor knapp 20 Jahren Stellung bezogen. Die eigentliche Gründung liegt noch weiter zurück. 1977 ist das Geburtsjahr des Familienunternehmens. Im Bereich High-Speed-Motoren habe sich die Firma verdient gemacht, erklärt Böning. Viele Tausend Schiffe seien mit einer Ausstattung aus seinem Hause auf dem Wasser unterwegs. Im vergangenen Jahr erzielte Böning einen Umsatz von gut 15 Millionen Euro.

Gestartet mit sieben Mitarbeitern zählt das Unternehmen nun 107 Beschäftigte. Doch während der Wirtschaftskrise waren diese Arbeitsplätze bedroht. „Die maritime Krise hat uns sehr getroffen“, erinnert sich Böning, und ein wenig kränkle dieser Wirtschaftssektor noch immer. Eine gute Grundstimmung sei für diese Branche nötig, denn sonst habe keiner Lust, mit seinem Schiff zu fahren. Ende 2008 brach der Umsatz um mehr als 50 Prozent ein. „Die Kassen waren damals aber voll“, erklärt Böning. Dadurch stand der Unternehmensleiter vor der Entscheidung: die Firma an die neuen Verhältnisse anpassen, also zu verkleinern, oder die passende Nische finden und sich spezialisieren. Böning entschied sich für Letzteres: „Wir sind dann auf Expansionskurs gegangen.“

In fünf Ländern gründete das Unternehmen Tochterfirmen. „Das ist Voraussetzung, um am Markt bestehen zu können“, erklärt Böning und macht dies an einem Beispiel deutlich: Würde er in Ganderkesee hochmoderne Waschmaschinen in einer kleinen Auflage produzieren, müsste er die einzelne für 50 000 Euro verkaufen. Öffne er sich allerdings für einen größeren Markt, könnten deutlich mehr Maschinen produziert und zunehmend günstiger angeboten werden. Eine hohe Menge habe auch seiner Firma die Marktfähigkeit gesichert und tue das noch heute. In Brasilien, Italien, Florida, Kroatien und neuerdings auch in Spanien auf Mallora sind Tochterfirmen zu finden. Darüber hinaus gibt es in fast 20 weiteren Ländern Servicestellen. Warum die Firma so viele Dependancen hat, dass ließe sich leicht erklären: „Weil wir immer nah bei den Kunden sein müssen.“ Und die sind naturgemäß überwiegend dort, wo auch große Gewässer und Sonnenschein zu finden sind.

Der Kundenstamm der Firma ist breit aufgestellt. So statten die Ingenieure Polizei und Lotsenschiffe, aber auch andere Fahrzeuge aus dem Bereich der Berufsschifffahrt aus. Doch auch private Besitzer von Luxusyachten mit dem nötigen Kleingeld kommen auf die Angebote des Ganderkeseer Unternehmens zurück. „Spaßboote“, die zwischen einer und zehn Millionen Euro kosteten, würden vermehrt ausgestattet. Dabei gehe es vor allem darum, die verschiedenen Gerätschaften auf den Booten miteinander zu verbinden, „damit alle Systeme die selbe Sprache sprechen", erklärt Kai Lindermeier, der die Entwicklungsabteilung leitet. Weg von Einzelgeräten, hin zu einem Produkt, das eine kompatible und platzsparende Schnittstelle ist. So könne über eine moderne Brücke nicht nur das Fahrzeug gesteuert, sondern auch der Wasserstand der Tanks, die Motorleistung und die Klimatisierung des Schiffs bequem überwacht werden.

Zwei Jahre habe das Team an der neuen Brücke, der Smart-Bridge, gefeilt, erklärt Lindermeier. Nun sei der komplexe Tisch mit den Bedienelementen für etwa 100 000 Euro zu haben. Damit befinde sich das Unternehmen weltweit unter den fünf innovativsten ihrer Art, sagt der Leiter der Entwicklungsabteilung.

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