Lesecafé in Stadtbücherei Delmenhorst Schmökern mit Albert Einstein

Unter den Augen Astrid Lindgrens und Albert Einsteins können Stadtbüchereibesucher ab sofort in Krimis und Märchen schmökern oder die Tageszeitung bei einer Tasse Kaffee lesen.
05.01.2017, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Schmökern mit Albert Einstein
Von Michael Kerzel

Unter den Augen Astrid Lindgrens und Albert Einsteins können Stadtbüchereibesucher ab sofort in Krimis und Märchen schmökern oder die Tageszeitung bei einer Tasse Kaffee lesen.

Aufenthaltsqualität lautet das Ziel, das die seit September als Leiterin der Stadtbibliothek amtierende Anika Schmidt vorgibt. Die Besucher sollen sich wohl fühlen. Das können sie im neu geschaffenen Lesecafé im Erdgeschoss der Delmenhorster Stadtbibliothek. Mit gemütlichen Stühlen, Tageszeitungen und einem Kaffeeautomaten wartet die offene Ecke auf. Der buchstäbliche Hingucker ist das rund vier Meter breite Wandgemälde des Künstlers Patrick Przewloka von ATX Artworkx. 4000 Euro investierte die Bibliothek in das Lesecafé.

Przewloka hat die wichtigen Leitlinien einer modernen Bibliothek in Bilder gefasst. Unter anderem zieren Kinderbuchautorin Astrid Lindgren und Physiker Albert Einstein das Gemälde. Sie stehen für die Kreativität und Neugierde, die Kinder und Erwachsene in einer Bibliothek ausleben können. Zudem zeigt Przewloka klassische Motive wie Geschichtensammlungen oder Füllfederhalter aber auch ein Tablet und eine DVD. Altbewährtes soll erhalten, neue Errungenschaften etabliert werden, sagt Uwe Starkbauer, Fachdienstleiter Kultur der Stadt Delmenhorst. „Der Wechsel allein ist das Beständige“, sagte einst der Philosoph Arthur Schopenhauer – dieses und weitere Zitate bilden Teile des Werks von Przewloka.

Viele Innovationen auf dem Plan

Eines davon stammt von Marcus Tullius Cicero: „Ein Raum ohne Bücher ist wie ein Körper ohne Seele“, meinte der Römer bereits vor mehr als 2000 Jahren. Anika Schmidt passt diesen Spruch auf die heutige Zeit an. „Ein Bibliothekenteam ohne Ideen und eine Bibliothek ohne Innovationen funktionieren nicht“, sagt sie. Und Innovationen wird es dieses Jahr in der Stadtbibliothek viele geben. „Wir haben viel vor“, sagt Schmidt. Im Fokus stehe die Attraktivität der Bibliothek. „Die Aufenthaltsqualität in Büchereien wird für Besucher immer wichtiger“ meint Schmidt. Informationen bekämen Menschen auch zu Hause im Internet. In der Delmenhorster Stadtbibliothek würden Besucher am Empfang jedoch mit einem Lächeln begrüßt, sie träfen andere Menschen und könnten im Lesecafé gemütlich bei einem Kaffee die Tageszeitung lesen oder ein Buch aus der Bücherei auswählen und in diesem blättern.

Bibliothek will Anlaufstelle für alle sein

Die Bibliotheksleiterin betont, dass die Einrichtung Anlaufstelle für alle werden soll. Die Auswahl an Titeln reiche von hoch anspruchsvoll bis niederschwellig. So könnten Kinder, Behinderte oder auch Menschen, die Deutsch nicht perfekt sprechen, teilhaben. Um jedem die Orientierung in der Stadtbücherei zu erleichtern, gibt es ein neues Leitsystem in den Stadtfarben Delmenhorsts. Neben der Bezeichnung, wie beispielsweise „Lesecafé“, steht jeweils ein leicht verständliches Piktogramm. Die Kinderabteilung entsteht unter dem Motto „Wald“ neu. Baumelemente prägen diese, Rückzugsorte werden ebenfalls vorhanden sein. Auch hier gelten die beiden Maxime „Aufenthaltsqualität steigern“ und „Bibliothek für alle“. Das Lesecafé bildet, sagt Schmidt, den Auftakt für viele Veränderungen. Ob alle auf Gegenliebe seitens der Besucher stoßen, wird sich zeigen. Wem etwas nicht gefällt oder wer neue Ideen hat, kann diese aufschreiben und in den neuen Lob- und Kritikkasten im Eingangsbereich stecken. „Ich hoffe auf eine rege Nutzung“, sagt Schmidt.

E-Book-Sprechstunde

Zusammen mit ihren Team erstellte sie einen Plan mit Veranstaltungen für die kommenden Monate. Regelmäßige Veranstaltungen werden ein Bilderbuchkino für Kinder ab drei Jahren, ein Bücherwürmchen-Treff für Kinder ab 18 Monaten und deren Eltern, sowie eine E-Book-Sprechstunde sein. Zudem kommt bereits im Januar der Manga-Treff für Jugendliche zurück in die Stadtbücherei. Weitere Höhepunkte in der ersten Hälfte dieses Jahres werden die Krimilesung „Wahr ist nur der Tod“ mit dem deutsch-niederländischen Krimi-Team Hoeps und Toes sowie der Gratis-Comic-Tag am 13. Mai sein. Bei dieser Veranstaltung zeichnet eine Künstlerin Comics – dabei können Zuschauer dann Wünsche hineinrufen, die sie mit einbezieht. Improvisations-Comiczeichnung live. Zum allerersten Mal bietet Delmenhorst in den Sommerferien das Lese- und Literaturförderungsprojekt Julius-Club („Jugend liest und schreibt“) an.

Die Stadtbücherei und das Medienpädagogische Zentrum weisen derzeit 4100 aktive Nutzer auf, im vergangenen Jahr meldeten sich 750 Neumitglieder an. 1506 Kunden sind Kinder oder Jugendliche, 60 Schulen und Institutionen. Die Bücherei verfügt über rund 74 000 Medien, die 2016 rund 195 000 Mal ausgeliehen wurden.

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