Wildschwein-Bestand im Landkreis Oldenburg nimmt zu

Schneisen im Mais sollen Jagd erleichtern

Landkreis Oldenburg. Sie werden immer mehr und richten erheblichen Schaden an: Die Rede ist von Wildschweinen. Wegen des vermehrten Maisanbaus nimmt der Schwarzwild-Bestand auch im Landkreis Oldenburg zu.
01.03.2011, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Antje Rickmeier

Landkreis Oldenburg. Sie werden immer mehr und richten erheblichen Schaden an: Die Rede ist von Wildschweinen. Wegen des vermehrten Maisanbaus nimmt der Schwarzwild-Bestand auch im Landkreis Oldenburg zu.

Helmut Blauth, Bezirksvorsitzender der Landesjägerschaft Niedersachsen im Oldenburger Land, appelliert deshalb an die Landwirte, auf Maisfeldern sogenannte Bejagungsschneisen anzulegen. Sie sollen es den Jägern erleichtern, Wildschweine zu erlegen. Denn von den Tieren geht eine weitere Gefahr aus: Sie können die Schweinepest übertragen.

Beim Schwarzwild-Bestand nimmt der Landkreis Oldenburg unter den Kreisen und Städten des Oldenburger Landes den Spitzenplatz ein. 2009 seien 512 Wildschweine erlegt worden, sagt Helmut Blauth, der auch Vorsitzender der Jägerschaft Oldenburg-Delmenhorst ist. Im Landkreis Cloppenburg, der auf dem zweiten Platz liegt, seien es 292 gewesen. Die Zunahme des Maisanbaus und die veränderten Klimabedingungen führen nach Auskunft von Blauth dazu, dass sich die Wildschweine stark vermehren.

Mais bietet optimale Bedingungen

Während die Schwarzwildstrecke in Niedersachsen 1960 aus 5000 Tieren bestanden habe, seien 2009 rund 50000 Wildschweine erlegt worden. "Die Wildschweine haben ein hohes Futterangebot", begründete Blauth die Entwicklung. Dies führe dazu, dass die Sauen nicht nur ein Mal, sondern mehrmals im Jahr Nachwuchs hätten. Auch seien die Frischlinge, die im Januar und Februar geboren würden, noch im selben Jahr tragend.

Im Landkreis Oldenburg bieten Maisflächen in Waldnähe optimale Bedingungen für das Schwarzwild. "Tagsüber halten sich die Wildschweine im Wald auf, und in der Dämmerung gehen sie auf Futtersuche in den Mais", erläutert Blauth. All das geschieht, ohne dass die Jäger die Tiere zu sehen bekommen. Die Landesjägerschaft Niedersachsen macht sich deshalb für das Anlegen sogenannter Bejagungsschneisen stark. Aus Sicht der Jäger wäre es für die Wildschwein-Jagd optimal, wenn auf dem Feld zwischen Waldrand und Maispflanzung rund zehn Meter breite Streifen angelegt würden. Nach Auskunft von Blauth gibt es die Möglichkeit, einige Wochen vor der eigentlichen Maisernte eine Schneise zu häckseln. Der Ertrag könne dann an eine Biogasanlage geliefert werden.

"Die Frage ist, ob die Landwirte es annehmen"

Die bessere Lösung ist aus seiner Sicht jedoch, die Schneisen im Frühjahr gleich mit anzulegen. Denkbar wäre, dort Getreide oder Gras zu säen. "Dann haben die Jäger die Möglichkeit, schon im Frühjahr zu jagen." Denn die Tiere würden in den Mais gehen, sobald er gelegt worden sei. Mit speziellen Getreidemischungen könnten die Schneisen Blauth zufolge wildtierfreundlich angelegt werden, damit sich dort auch Fasane, Rebhühner und andere Tiere wohlfühlen. Damit finanzielle Einbußen vermieden werden, wenn Landwirte im Maisfeld Bejagungsschneisen einrichten, gibt es für den Antrag auf EU-Agrarbeihilfen ab 2011 besondere Nutzungscodes für die Streifen. Bisher habe es für die Schneisen keine Prämie gegeben, sagt Blauth.

Kreislandwirt Jürgen Seeger ist trotz der Codes skeptisch. "Die Frage ist, ob die Landwirte es annehmen." Zwar sei es denkbar, dass ein fünf bis zehn Meter breiter Getreide- oder Grasstreifen im Maisfeld angelegt werde. Auch sei es möglich, bereits vor der Maisernte einen Streifen zu häckseln. Doch Seeger sieht Probleme mit der Verwertung von Getreide oder Mais. "Es ist sehr schwierig, den Landwirten die Schneisen schmackhaft zu machen", meint der Kreislandwirt. Doch auch Seeger bestätigt, dass die Wildschweine auf den Feldern erhebliche Schäden anrichten können.

Seeger und Blauth wiesen auch auf die Gefahr hin, dass das Schwarzwild die Schweinepest auf Schweine-Bestände landwirtschaftlicher Betriebe übertragen kann. Deshalb würden ständig Blutproben von erlegten Tieren genommen, sagt Blauth. Zuletzt habe es im Landkreis Rotenburg die Krankheit bei Wildschweinen gegeben.

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