Landesforsten wollen „Erholungsplanung“ aufstellen / Runder Tisch hat Missstände im Blick und packt mit an

Schönheitskur für den Tiergarten

Delmenhorst. Die Landesforsten wollen künftig Wälder, die besonders stark von Erholungssuchenden genutzt werden, stärker unter diesem Aspekt in den Blick nehmen. Ein „Beispiel par excellence“ für einen solchen Erholungswald nennt Landesforsten-Sprecher Rainer Städing den Tiergarten.
30.07.2016, 00:00
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Von Ute Winsemann

Delmenhorst. Die Landesforsten wollen künftig Wälder, die besonders stark von Erholungssuchenden genutzt werden, stärker unter diesem Aspekt in den Blick nehmen. Ein „Beispiel par excellence“ für einen solchen Erholungswald nennt Landesforsten-Sprecher Rainer Städing den Tiergarten. Um den kümmert sich bereits ein Runder Tisch. An den haben die rührigen Bürger, die ihn gegründet haben, auch die Landesforsten als Eigentümer sowie die Delmenhorster Wirtschaftsförderungsgesellschaft (DWFG) geholt, die im Auftrag der Stadt unter anderem für Wege, Brücken und Bänke zuständig ist. Die jeweiligen lokalen Akteure sollen auch in die künftige „Erholungsplanung“ einbezogen werden, sagt Städing. Denn es geht darum, verschiedene Ansprüche an den Wald und die Möglichkeiten für deren Erfüllung miteinander abzustimmen. „Das Ziel ist ein besseres Zusammenspiel von forstlicher Nutzung und Erholung. Insgesamt wollen wir diese Wälder stärker Richtung Erholungswirkung entwickeln.“

Derzeit durchlaufe eine Richtlinie für den landesweiten Umgang mit Erholungswäldern die Beschlussgremien, erklärt Städing. Die tatsächliche Arbeit werde aber „nicht vor 2017“ beginnen. Das heißt jedoch nicht, dass sich bis dahin im Tiergarten nichts täte. Im Gegenteil, nach entsprechenden Hinweisen des Runden Tisches sind gerade im vorigen Monat die Wege ausgebessert worden. „Die Resonanz der Besucher ist ganz positiv“, berichtet der Sprecher der Bürgergruppe, Detlef Riedel. Zuvor seien Spaziergänger etwa im westlichen Bereich einer matschigen Wegekreuzung durchs Unterholz ausgewichen. Und am Denkmal für Großherzog Nikolaus Friedrich Peter sei so mancher über den Sockel geklettert, um keine nassen Füße zu bekommen. Der runde Tisch habe die 13 schlimmsten Stellen benannt, und der städtische Baubetrieb habe sie gründlich hergerichtet. „Die haben nicht nur ein paar Pfützen voll Steine geschmissen“, betont Riedel. 70 Tonnen Schotter hätten die Arbeiter verbaut, groben im Untergrund und feinen für die Deckschicht.

Ein weiteres wichtiges Vorhaben steht laut Riedel im Herbst an. Dann solle der Faulschlamm aus dem See in der Mitte des Waldes abgepumpt werden. Auf dessen Oberfläche trieben im vorigen Sommer Hunderte tote Fische – das Gewässer war bei ungünstigen Witterungsbedingungen umgekippt. „Das Umweltamt hat festgestellt, dass der See zur Hälfte voll mit sauerstoffzehrendem Faulschlamm ist“, blickt Riedel zurück. Der solle nun beseitigt werden. Zudem sollten Vorkehrungen getroffen werden, damit sich das Problem nicht wiederholt.

„Wir haben angeboten, dabei – soweit möglich – zu helfen“, sagt Riedel. Manches müssen zwar Fachkräften mit entsprechenden Maschinen übernehmen. Aber Freiwillige könnten beispielsweise mit anpacken, wenn das Ufer neu mit Pflanzen gestaltet werden soll.

Andere Arbeiten haben Mitglieder des Runden Tisches bereits zu Hause erledigt: Sie haben Holz gestrichen, mit dem sie in Kürze die 19 im Tiergarten verteilten Bänke reparieren wollen. Ein, zwei wollen sie aber in Absprache mit der DWFG gleich ganz abbauen und auch nicht ersetzen. „Die stehen an abgelegenen Plätzen und sind immer nur vermüllt“, ärgert sich Riedel.

Neben Müll sind in dem stadtnahen Wald auch die vielen Hundehaufen ein Problem. „Wenn Sie da vorbeigehen, fliegen 1000 Fliegen auf und drei davon noch in Ihr Gesicht.“ Der Runde Tisch hofft deshalb, dass die Stadt bald auch am Tiergarten einen oder mehrere Spender für Kot-Tüten und Behälter für deren Entsorgung aufstellt. Noch mehr als auf solchen Service setzt Riedel aber auf eine Bewusstseinsänderung aller Wald-Nutzer. Dazu wollen die rund 15 Mitglieder auch selbst beitragen. „Wir wollen erreichen, dass es als schick gilt, den Tiergarten sauber zu halten.“

Ein Mittel, „die Schönheit und den Wert des Tiergartens zu vermitteln“, könnten Führungen sein. Im nächsten Monat will Riedel, der auch Jäger und Umweltpädagoge ist, erstmals mit der Jugendfeuerwehr ein Programm speziell für Kinder und Jugendliche ausprobieren. Am 29. Oktober steht der nächste Rundgang für Erwachsene an. Vorher allerdings treffen sich die Aktiven erst noch am 24. September zur „Zwischenreinigung“. Mit Müllsammeln hat es übrigens auch mal angefangen: Entstanden sei der Runde Tisch aus der jährlichen Beteiligung von Tiergarten-Freunden an der Aktion „Delmenhorst putzt sich heraus“, erzählt Detlef Riedel. Mitmachen können aber auch alle anderen, die sich für den Wald interessieren. Information und Kontakt im Internet auf: www.runder-tisch-tiergarten.de.

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