Der „Küchenzauber“ der BBS II hat eine Genossenschaft gegründet und setzt auf fair gehandelte Produkte

Schülerfirma nun offiziell nachhaltig

Delmenhorst. Nun ist es offiziell: Die Schülerfirma „Küchenzauber“ der Berufsbildenden Schulen II (BBS) am Wiekhorner Heuweg ist ab sofort eine „Nachhaltige Genossenschaft“. Das haben Schulleitung, Stadt und Kooperationspartner bei der Gründungsversammlung am Donnerstag in den Räumen der Schülerfirma mit kräftigem Applaus gewürdigt.
19.05.2017, 00:00
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Von Alexandra Penth
Schülerfirma nun offiziell nachhaltig

Küchenzauber

INGO MOELLERS

Delmenhorst. Nun ist es offiziell: Die Schülerfirma „Küchenzauber“ der Berufsbildenden Schulen II (BBS) am Wiekhorner Heuweg ist ab sofort eine „Nachhaltige Genossenschaft“. Das haben Schulleitung, Stadt und Kooperationspartner bei der Gründungsversammlung am Donnerstag in den Räumen der Schülerfirma mit kräftigem Applaus gewürdigt.

Zehn Seiten umfasst die Satzung, die sich die Schülerfirma selbst gegeben hat. Darin verpflichtet sie sich der Herstellung und Vermarktung gesunder, umweltgerechter und möglichst fair gehandelter Produkte. „Wir wolllten eine Genossenschaft werden, weil wir bereits jetzt so arbeiten“, sagte die verantwortliche Lehrerin Christina Dierk. Um Mitglied in der Schülerfirma zu werden, können Schüler und Lehrer „Geschäftsanteile“ kaufen.

Bei der Versammlung stellten sechs Schülerinnen der Berufseinstiegsklasse (BEK) Hauswirtschaft ihr Unternehmen vor. Sie sind noch vier Wochen für den Küchenzauber der Berufsschule verantwortlich. Die Besetzung wechselt immer zum Schuljahresende. Die Schülerfirma funktioniert wie ein richtiges Unternehmen. Ihre Zutaten müssen die Schüler selbst einkaufen und dabei das Budget im Auge behalten. Außerdem kümmern sie sich um die Werbung und machen die Buchführung. Bei schulischen, aber auch externen Veranstaltungen ist die Schülerfirma als Catering-Service gefragt. Aus dem Pausenverkauf oder einem Spendebuffet im Lehrerzimmer generieren die Küchenzauber-Jahrgänge regelmäßig Geld für die Firmenkasse. Zu den Kunden zählen unter anderem auch die Stadt, die VHS und die Diakonie.

Das Thema Nachhaltigkeit begleitet die Schülerfirma schon eine Weile. Sie kauft ausschließlich regionales und saisonales Obst und Gemüse ein, nutzt Mehrwegboxen und kompostierbare Verpackungen, wie Christina Dierk berichtete. Im Rahmen des vom Regionalen Umweltzentrum Hollen initiierten Projektes „Wirf mich nicht weg“ hatte die Berufsschule vor zwei Jahren ein Restekochbuch entwickelt. „Dafür sind wir mit der Unesco-Fahne ausgezeichnet worden“, berichtete Dierk. Erst kürzlich verzeichnete sie einen weiteren Erfolg: Der Küchenzauber belegte den ersten Platz unter 30 Schülerfirmen aus Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen als Fair-Trade-Botschafter.

Ein Großteil ihres Gewinnes spendet die Schülerfirma an das Tierheim in Bergedorf und an die Hilfsorganisation „Steps For Children“. Mit einem Jahresbetrag übernimmt die Schule Patenschaften in Namibia und sorgt dafür, dass Kinder mit Essen versorgt werden. Dass jedes Jahr rund 500 Euro in eine Region fließen, wo große Hungersnöte herrschen, haben die Schüler ganz bewusst entschieden, erklärte Christina Dierk. „Wir haben uns überlegt, was Hunger und Armut mit Lebensmittelverschwendung zu tun haben.“ Die Schüler profitieren aber auch persönlich von den Gewinnen ihrer Firma. Ausflüge und die Klassenfahrt zum Schuljahresende werden selbst finanziert.

Auch das Thema Inklusion wird bei der Schülerfirma gelebt. Eine besondere Kooperation besteht seit zwei Jahren mit den Delme-Werkstätten. Beschäftigte und Schüler stehen an einigen Tagen gemeinsam in der Küche und kreieren Leckereien wie Schoko-Cookies und Konfitüre. „Da gibt es absolut keine Berührungsängste“, sagte Dierk. Überhaupt sei die Zusammensetzung der Schülerfirma-Verantwortlichen sehr heterogen. In sechs Jahren haben 85 Schüler an dem Projekt mitgewirkt. Wie die Berufsschullehrerin darstellte, waren 20 verschiedene Nationen, zwölf Sprachen und zehn Religionen vertreten. „Und es hat immer gut geklappt.“

Einen Ausblick auf künftige Projekte der Schülerfirma gab Christina Dierk bei der Versammlung auch. Eine Zertifizierung als nachhaltige Schülerfirma durch das Land Niedersachsen sowie ein Flug nach Namibia, um sich vor Ort ein Bild von der Arbeit des Hilfswerks „Steps For Children“ zu machen, stehen ganz weit oben auf der Prioritätenliste. Die Chance, ins ferne Afrika aufzubrechen, stehen derzeit gar nicht so schlecht, wie die Berufsschullehrerin erklärte. „Wir haben Fördergelder vom Bund beantragt.“

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