Gemeinde warnt vor unseriösen Anrufen bei älteren Bürgen / Betroffene Gesellschaft streitet Verantwortung ab Seniorenberater mit Verkaufsabsichten

Aus aktuellem Anlass warnt die Gemeinde Ganderkesee insbesondere Senioren vor vermeintlich unseriösen Anrufen: Dabei würden Anrufer sich als Mitarbeiter der Deutschen Gesellschaft für Seniorenberatung (DGS) ausgeben und versuchen, Termine für Hausbesuche zu vereinbaren oder Versicherungen zu verkaufen. Die DGS bestreitet die Verantwortung für die Anrufe.
27.02.2015, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Seniorenberater mit Verkaufsabsichten
Von Jochen Brünner

Aus aktuellem Anlass warnt die Gemeinde Ganderkesee insbesondere Senioren vor vermeintlich unseriösen Anrufen: Dabei würden Anrufer sich als Mitarbeiter der Deutschen Gesellschaft für Seniorenberatung (DGS) ausgeben und versuchen, Termine für Hausbesuche zu vereinbaren oder Versicherungen zu verkaufen. Die DGS bestreitet die Verantwortung für die Anrufe.

„Bestimmt ein Dutzend Mal“, schätzt Rainer Heinken, Fachdienstleiter Soziale Hilfen im Ganderkeseer Rathaus, sei er in den vergangenen Tagen und Wochen von Senioren aus der Gemeinde auf angebliche „Seniorenberater“ angesprochen worden, die versucht hätten, am Telefon Kontakt aufzunehmen und einen Termin für einen Hausbesuch zu vereinbaren. Die Anrufer hätten sich dabei als Mitarbeiter der Deutschen Gesellschaft für Seniorenberatung (DGS) ausgegeben und teilweise auch behauptet, im Auftrag oder in Kooperation mit der Gemeinde tätig zu sein. „Dies ist aber ganz und gar nicht der Fall“, betont Heinken. Unter anderem sei es bei den Telefonaten und dem sich anschließenden Schriftverkehr darum gegangen, zusätzliche Pflegeversicherungen an den Senior oder die Seniorin zu bringen.

Die Gemeinde rät den von den Anrufen betroffenen Menschen, sich nicht in ein Gespräch verwickeln zu lassen, sondern das Telefonat zu beenden. Niemals sollte die Bankverbindung oder eine ähnlich Information am Telefon weitergegeben werden. Auch sollte sich niemand zu einem Beratungstermin in den eigenen vier Wänden überreden lassen oder Verträge abschließen, ohne sie mit einer Person des Vertrauens durchgesprochen zu haben.

Heinken bezeichnete die Anrufe als „unseriös“. Das Vorgehen entspreche zudem einem unlauteren Wettbewerb „Verbraucher dürfen nicht angerufen werden, wenn sie dazu keine Einwilligung erteilt haben“, stellt der Fachdienstleiter klar.

Bei der Deutschen Gesellschaft für Seniorenberatung (DGS) handelt es sich sowohl um einen Verein als auch eine GmbH mit Sitz im nordrhein-westfälischen Engelskirchen. Beide Organisationen setzen sich nach eigener Darstellung dafür ein, dass ältere Mitbürger trotz altersbedingter Einschränkungen in den eigenen vier Wänden leben können. „Bei den Anrufern muss es sich um Trittbrettfahrer handeln“, kommentierte DGS-Pressesprecherin Irmgard Albuschkat gestern auf Anfrage die Beschwerden aus der Gemeinde Ganderkesee. „Wir betreiben zwar aktive Aufklärung, aber wir verkaufen keine Versicherungen am Telefon“, beteuerte sie.

Ein Blick ins Internet ergibt jedoch, dass sowohl Verbraucherschützer als auch Polizei in anderen Regionen Deutschlands bereits mehrfach vor den Geschäftspraktiken der DGS gewarnt haben. Und dabei war das Vorgehen durchaus mit dem vergleichbar, wie es die Ganderkeseer Senioren beschrieben haben. Bei den Hausbesuchen ging es zwar nicht unbedingt um Versicherungen, sondern etwa um die Vermittlung eines kostenpflichtigen Haus-Notrufes. Aber auch das Modell, dass die Kontaktpersonen den Eindruck erweckt hätten, als Mitarbeiter einer Behörde tätig zu sein, taucht dort auf.

Die Polizeiinspektion Delmenhorst/Oldenburg-Land/Wesermarsch hat bislang indes noch keine Erfahrungen mit der Deutschen Gesellschaft für Seniorenberatung gemacht. Aber auch Sprecherin Jennifer Koch gibt zu bedenken, dass es für Senioren immer eine potenzielle Gefahr darstelle, fremden Menschen Zutritt zu der eigenen Wohnung zu gewähren.

Kostenlose und neutrale Informationen in allen Fragen rund um Pflege und Versorgung erhalten Senioren etwa bei den Mitarbeiterinnen des Pflegestützpunktes im Landkreis Oldenburg. Ansprechpartnerinnen sind Bettina Lakomiec unter Telefon 0 44 31 / 85 603 oder Sylvia Lindemann, Telefon 0 44 31 / 85 604. Für eine seriöse Seniorenberatung in Ganderkesee steht der Freiwilligen-Senioren-Service zur Verfügung, der unter den Rufnummern 0 42 22 / 44 522, 44 515 und 44 517 zu erreichen ist.

Zudem würden auch alle großen regionalen und überregionalen gemeinnützigen Dienstleister verschiedene Hilfsdienste für ältere Menschen anbieten.

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