Camerata Instrumentale zu Gast Sinfonischer Abend im Kleinen Haus

Saisoneröffnung der Konzertsaison am Sonnabend im Kleinen Haus: Dieses Mal mit einem Konzert der besonderen Art. Und zwar in doppelter Hinsicht.
04.10.2016, 00:00
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Von Günter Matysiak

Saisoneröffnung der Konzertsaison am Sonnabend im Kleinen Haus: Dieses Mal mit einem Konzert der besonderen Art. Und zwar in doppelter Hinsicht.

Zwischen den Werken gab es nämlich wichtige Querverbindungen. Die einleitende Ouvertüre zu „Julius Cäsar“ f-Moll op. 128 von Robert Schumann wurde von ihrem Komponisten auch „Symphonie im kleinen Kreis“ genannt, stellt also etwas wie eine Sinfonie in einem Satz dar. Diese Idee der Einsätzigkeit taucht auch auf bei Schumanns Sinfonie Nr.4 in d-Moll op. 120, deren vier Sätze ohne trennende Pausen „attacca“ ineinander übergehen und die zudem durch gewichtige melodisch-motivische Beziehungen miteinander verbunden sind. Das „traditionelle“ Solokonzert zwischen Ouvertüre und Sinfonie war hier das Konzert für Oboe und kleines Orchester D-Dur op. 144 von Richard Strauss. Auch dessen Sätze sind thematisch miteinander verbunden und gehen attacca ineinander über. Überdies sind alle drei Werke tonartlich miteinander verwandt.

Präzise Bewegungen

Jörg Assmann, Geiger in der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen, leitet die Camerata Instrumentale seit 2007. Er dirigierte mit großen, präzisen, körperhaft-ausdrucksbetonten Bewegungen. Die einleitende Ouvertüre erhielt von da heraus gleich ab dem rhythmisch geschärften Beginn eine konturenreiche, Themen und Motive modellierende und sehr emotionsgeladene musikalische Formung. Der Durchführungsteil war von akzentuierter Dramatik, auf das strahlende Finale wurde hochbewegt und spannungsvoll hingespielt. Rodrigo Blumenfeld, Solo-Oboist der Kammerphilharmonie Bremen, war dann der Solist im Oboenkonzert. Er spielte mit einem in alle Registern weichgetöntem, warmem Oboenton, vermochte sein Instrument strahlend singen zu lassen, die bewegten Arabesken, die das Werk durchziehen, auch die beiden Solokadenzen waren liebevoll-virtuos, ja zärtlich ausgeformt. Es gab viele Möglichkeiten mit dem duftig-transparent agierendem Orchester in spielerische Dialoge zu treten. Das Orchester konnte auch im typischen Strauss-Klang schwelgen, Streicher und Holzbläser woben dem Solisten etwa im Andante den feinen Klangteppich für die große Kantilene.

Elan und Wildheit

Für die Schumann-Sinfonie gab es Wechsel an den Streicherpulten: „zweite Geigen“ wurden „erste Geigen“ und umgekehrt. Das „ziemlich langsam“ der Einleitung zum ersten Satz zielte hochgespannt auf das „lebhaft“, dessen Lebhaftigkeit voller federnder Akzente war, in dem immer auch melodische Details ausgeformt waren und in dem hohe Ausdrucksdichte herrschte. Die Übergänge zwischen den vier Sätzen gerieten mit Hochspannung, besonders die Auflösungsmomente am Schluss des Scherzos, die von der Geigenfigur des Hauptthemas aus dem ersten Satz „aufgefangen“ werden, wären da zu nennen.

Eine gehörige Portion mitreißende Orchestervirtuosität bot dann noch einmal der Elan und die Wildheit, mit der man auf die Schlussapotheose zusteuerte. Bravos und trampelnder Applaus für einen sinfonischen Abend, bei dem man getrost auch vergessen durfte, dass dort auf der Bühne kein Profi-Orchester spielte, weil einen Abend lang hochmotiviert und inspiriert Musik gemacht wurde. Und das merkte man auch noch mal in den beiden Zugaben mit dem zweiten und siebten der „Ungarischen Tänze“ von Johannes Brahms und ihrem so intensiv ausgespielten „con passione“-Ausdruck.

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