Ausstellung „fahrradkörper“ im Haus Coburg

Mehr als nur ein Fortbewegungsmittel

Die neue Sonderausstellung „fahrradkörper“ (15. August bis 31. Oktober) in der Städtischen Galerie Delmenhorst widmet sich dem Zweirad als Objekt und Motiv in der zeitgenössischen Kunst.
08.08.2021, 09:00
Lesedauer: 1 Min
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Von Alexandra Wolff
Mehr als nur ein Fortbewegungsmittel

In seiner kinetischen Skulptur von 2010 "Junger Mann zum Mitreisen gesucht" hat Felix Rombach aus einem Fahrrad eine Trommelmaschine gebaut.

Felix Rombach

Als alltägliches Fortbewegungsmittel und unkompliziertes Gefährt liefert es ein vertrautes Bild. In der Kunst hingegen kann das Fahrrad in ungeahnten Zusammenhängen auftauchen. So auch in der neuen Sonderausstellung der Städtischen Galerie Delmenhorst. Unter dem Titel „fahrradkörper“ mutieren ab Sonntag, 15. August, die Räder zu skurrilen, teilweise nutzlosen Gegenständen oder auch zu emotionalen Energieumwandlern, wobei die Künstler den menschlichen Körper als Energielieferanten nicht aus dem Blick verlieren. Die Ausstellung lädt dazu ein, Fahrräder neu zu denken.

Künstler wie etwa David Moises, Felix Rombach oder Wolfgang Zach stellen die Kraftwirkung des Fahrrads, also auch seine Funktionalität und Zweckgebundenheit, zuweilen humoristisch auf die Probe. Wie viele Vorderräder ein Fahrrad verkraften und wie wenig von einem Fahrrad übrig bleiben kann, um noch als solches zu gelten, untersucht beispielsweise Wolfgang Zach, der seine Werke zum Gebrauch zur Verfügung stellt. Tatsächlich realisieren sich diese Objekte erst, wenn die Ausstellungsbesucher diese benutzen. Denn auch wenn David Moises und Felix Rombach die Fahrräder zwar teilweise in ihre Einzelteile auflösen, so entwickeln sie sie trotzdem zu funktionsfähigen Maschinen weiter.

Kisten Pieroth hingegen befragt die Produktivität des Fahrrad fahrenden Körpers. 2008 beauftragte die Konzeptkünstlerin einen Fahrradkurier damit, in England ein Päckchen von Manchester ins 65 Kilometer entfernte Sheffield zu liefern. Ein Sportfotograf hat diese Aktion dokumentiert. Pieroth will mit dieser Kunstaktion darauf aufmerksam machen, dass der ausgebeutete Körper Strapazen und Gefahren auf sich nehmen muss. Sie hinterfragt also das Fahrradfahren als heilsversprechende urbane Praxis für den Klimaschutz. Nach der anstrengenden und gefährlichen Fahrt erhielt der Kurier das Päckchen, das er zugestellt hatte, als Geschenk.

„fahrradkörper“ ist die erste von drei Ausstellungen in der Region, die sich dem vielstimmigen Auftauchen des Velos in der Kunst widmet. Die Städtische Galerie in Bremen und die Kunsthalle Wilhelmshaven setzen dieses Programm im kommenden Jahr fort.

Zur Sache

Die neue Sonderausstellung „fahrradkörper“  ist von Sonntag, 15. August,  bis Sonntag, 31. Oktober, in der Städtischen Galerie Delmenhorst, Fischstraße 30, zu sehen.

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