SPD in Delmenhorst

Streitlustigste Partei Delmenhorsts

Der Vorstand der SPD Delmenhorst hat beschlossen, die beiden kleinen Ortsvereine Hasport/Annenheide und Düsternort/Adelheide zu fusionieren. Doch dagegen wehrt sich Widerstand.
24.06.2020, 21:00
Lesedauer: 3 Min
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Streitlustigste Partei Delmenhorsts
Von Andreas D. Becker
Streitlustigste Partei Delmenhorsts

Der Vorstand des SPD-Unterbezirksvorstands Delmenhorst: Lars Konukiewitz (stellvertretender Vorsitzender), Mechthild Harders-Opolka (Vorsitzende) und Adrian Mende (stellvertretende Vorsitzender).

Martina I. Meyer

Es gärt schon wieder in der Delmenhorster SPD. Der Ortsverein Düsternort/Adelheide hat einen offenen Brief an den Unterbezirksvorstand geschickt und sich bitter über die Art und Weise einer geplanten Fusion mit dem Ortsverein Hasport/Annenheide beschwert. Die Düsternorter und Adelheider befürchten, dass sie parteiintnern untergebuttert werden sollen.

Die Überlegung des Parteivorstandes um die im vergangenen Herbst neu gewählte Vorsitzende Mechthild Harders-Opolka, die in Personalunion auch den Ortsverein Hasport/Annenheide führt, sind indes einfach: Delmenhorst gliedert sich in vier Wahlbezirke, die SPD hat in der Stadt aber fünf Ortsvereine. Das macht das Aufstellen der Wahllisten kompliziert. „Wir Hasporter bekommen zum Beispiel auch noch immer einen Listenplatz in Ost“, erklärt die Parteivorsitzende das organisatorische Hickhack. Der Schritt soll also mit Blick auf die Kommunalwahl 2021 die Parteiarbeit erleichtern. Zudem will der Unterbezirk auch, dass die Ortsvereinszuschnitte an die Wahlbezirksgrenzen der Stadt angepasst werden.

Die Unterbezirksvorsitzende verweist darauf, dass die Fusionsdebatte nicht neu ist. „Ich bin seit 15 Jahren in der SPD, seitdem ist das Thema.“ Und da war es schon alt, wie Antje Beilemann, Vorsitzende des Ortsvereins Düsternort/Adelheide, bemerkt. Trotzdem: Passiert ist seitdem nichts. „Aber wir werden immer weniger“, erklärt Mechthild Harders-Opolka. Ihr Ortsverein zählt noch 50 Mitglieder, Düsternort/Adelheide 39. Zudem werden die Wenigen immer älter. Das erschwert die Partei- und Vereinsarbeit. Die Bündelung in eine größere Einheit soll neue Energien freisetzen.

Antje Beilemann kritisiert nun: „Auch wenn der Unterbezirksvorstand formal für organisatorische Angelegenheiten der örtlichen SPD zuständig ist, so verkennt er, dass es guter sozialdemokratischer Brauch ist, die betroffenen Mitglieder bei grundlegenden Entscheidungen mitzunehmen. Eben diese Transparenz fehlt, da der Unterbezirk augenscheinlich vergessen hat, den Vorstand des Ortsvereins Düsternort/Adelheide sowie dessen Mitglieder in die Beratungen mit einzubeziehen und ein Einvernehmen mit den betroffenen Ortsvereinen im Vorfeld dieser Entscheidung herbeizuführen.“

Das möchte Mechthild Harders-Opolka nicht auf sich sitzen lassen: „Ich habe mit Antje Beilemann über das Thema geredet.“ Das bestreitet die Düsternorterin auch nicht. „Aber mit wurde nur verkündet, dass es die Zusammenlegung geben soll.“ In ihren Augen wäre es sinnvoll gewesen, darüber erst einmal auf Vorstandsebene der Ortsvereine zu reden und dann auch die Mitglieder einzubeziehen, der Unterbezirksvorstand hätte das ganze Prozedere begleiten können. „Die Fusion muss doch aus den Mitgliedern heraus kommen“, sagt Antje Beilemann. Wenn es also eine positive Grundstimmung für die Fusion gegeben hätte, wäre es am Unterbezirk gewesen, diese zu beschließen – und nicht umgekehrt.

Konkret befürchten die Düsternorter-Adelheider Genossen, bei der Listenbestückung untergebuttert zu werden, eben weil Hasport/Annenheide mehr Mitglieder hat. Antje Beilemann hatte deswegen angefragt, ob eine paritätische Besetzung der Wahllisten weiterhin gewährleistet werden soll, damit ihre Genossen nicht nur auf den hinteren, sondern auch auf den sicheren Listenplätzen landen. Eine Antwort stehe bislang aus. Im Gespräch mit dem DELMENHORSTER KURIER sagt Mechthild Harders-Opolka dazu, dass sie sich gut vorstellen könne, den Vorstand des neuen Ortsvereins Süd paritätisch zu besetzen, vielleicht sogar eine Doppelspitze zu wählen. „Das habe ich aber noch nicht parteiintern besprochen“, sagt sie. Das liege letztlich allein in der Hand des neuen Ortsvereins.

Antje Beilemann verweist darauf, dass es gerade der Stadtsüden war, in dem die SPD bei der jüngsten Kommunalwahl 2016 auftrumpfte. „Von den zwölf Wahllokalen im Stadtsüden, von denen allein acht im Gebiet des Ortsvereins Düsternort/Adelheide liegen, wurden elf Wahllokale gewonnen“, erklärt sie. Sie holte damals mit 1059 Stimmen das zweitbeste persönliche Wahlergebnis aller Politiker im Rat, nur ihr Parteifreund Deniz Kurku schnitt noch besser ab. Sie spart auch nicht mit Kritik am Unterbezirksvorstand: „Eine derartige Debatte ist kurz vor der Kommunalwahl nicht zielführend und zeugt von parteistrategischer Unerfahrenheit.“

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