Trainer des SV Atlas Delmenhorst

"Am wichtigsten ist, ein Team zu werden"

Trainer Jürgen Hahn spricht im Interview über die Neuzugänge des Fußball-Oberligisten, die Ziele in der Saisonvorbereitung und warum Linksfüße so wichtig sind.
06.07.2018, 15:48
Lesedauer: 4 Min
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Von Michael Kerzel
"Am wichtigsten ist, ein Team zu werden"

Jürgen Hahn (47) ist Trainer des Fußball-Oberligisten SV Atlas Delmenhorst.

Ingo Möllers

Herr Hahn, die Vorbereitung hat diese Woche begonnen, der Kader steht großenteils. Sind Sie zufrieden mit diesem?

Ich bin grundsätzlich sehr zufrieden mit dem Kader und denke, dass Teammanager Bastian Fuhrken und ich da einen guten Job gemacht haben. Wirklich wissen wir das aber vermutlich erst im Winter. Auf dem Papier sieht das ganz gut aus. Wichtig war uns, in der Defensive mehr Optionen zu haben. Das ist uns gelungen. Mit Jannick Vollmer, Dennis Mooy und Leon Lingerski haben wir drei Linksfüße geholt.

Mit Karlis Plendiskis kommt zudem ein weiterer Innenverteidiger. Was erwarten Sie von ihm?

Er hat viel Erfahrung, spielte zuletzt in der Regionalliga. Er soll die Abwehr schon führen. Aber auch Vollmer ist gut ausgebildet worden beim VfB Oldenburg, soll bei uns jetzt den nächsten Schritt machen. Mooy kenne ich noch vom VfB, er kann die Lücke hinten links (Sebastian Kmiec und Tom Witte haben den Verein verlassen, Anmerkung der Redaktion) mehr als schließen. Wichtig ist, dass unsere Defensivspieler sehr variabel einsetzbar sind. Vollmer kann innen und links verteidigen, Mooy links verteidigen und auf der Sechs spielen, Lingerski kann die drei Positionen alle spielen, Thomas Mutlu kann rechts verteidigen und auf der Sechs spielen, Köster kann neben zentralem Mittelfeld auch rechts verteidigen, Stefan Bruns kann Innenverteidiger und Sechser. Marlo Siech bleibt ja jetzt doch. Wir haben viele Optionen und das ist gut. Der Kader ist so geplant, dass viele Spieler viele Positionen spielen können.

Marvin Osei und Tom Schmidt kommen zudem neu dazu. Wo sehen Sie diese Spieler?

Tom Schmidt sehe ich auf der Acht, er kann aber auch Zehner spielen. Für den BV Cloppenburg hat er gegen uns auf der Außenbahn gespielt, aber da kann er seine Stärken nicht voll einbringen. Marvin Osei ist ein emotionaler, leidenschaftlicher Spieler. Er ist schnell und athletisch. Das soll er einbringen. Auch wenn er ein anderer Typ ist, ersetzt er Lars Scholz (geht zu BW Lohne, Anmerkung der Redaktion) eins zu eins. Mit ihm, Oliver Rauh, Marco Prießner oder auch Steven Müller-Rautenberg haben wir viel Geschwindigkeit auf dem Platz.

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Wie fängt Atlas den Verlust von Dominik Entelmann auf?

Er ist ja nicht aus dem Verein raus, sondern spielt für die Zweite Herren. Wir haben ihn also in der Hinterhand. Aber angedacht ist, dass Thore Sikken diese Position einnimmt. Er war lange verletzt, aber wir hoffen, dass er Domo ersetzen kann. Aber natürlich ist es ein Verlust, dass Domo nicht mehr fest dabei ist.

Im Tor duellieren sich David Lohmann und Florian Urbainski, mit Niklas Göretzlehner kommt ein Talent dazu. Wie ist hier der Stand?

Lohmann und Urbainski halten sich eigentlich die Waage, das war in den letzten Jahren ja immer so. Urbainski hat das letzte Saison ganz gut gemacht, vielleicht hat er ein kleines Plus. Göretzlehner steigt erst noch ins Training ein, muss sich neben den beiden Etablierten behaupten. Als ehemaliger Torwart weiß ich, wie wichtig Spielpraxis ist. Falls das für ihn in der ersten Mannschaft nicht möglich ist, wird er diese in der zweiten bekommen.

Am Dienstag stand die erste Trainingseinheit an. Sind Sie zufrieden mit der Grundfitness?

Ich sage es mal so: Es gibt natürlich schon Unterschiede im Fitnessbereich, aber das ist alles noch im Toleranzbereich.

Welche Ziele stehen im Fokus in der Vorbereitung?

Am wichtigsten ist, dass wir ein Team werden. Das ist das vorrangige Projekt, unter dem Leitsatz steht die Vorbereitung. Wir haben viele neue Leute, das muss sich finden. Alle müssen lernen, was sie mit dem Ball und gegen den Ball machen müssen, was das Atlas-System ist. Es ist ein Umbruch, aber der war notwendig. Wir brauchten neue Leute und neue Impulse. Natürlich stehen die üblichen Verdächtigen einer Vorbereitung im Mittelpunkt: Fitness, Taktik, Technik. Wir trainieren jetzt fast täglich, im Juli gibt’s nicht viele freie Tage. Das wechselt dann in ein Intervall mit zwei Tagen Training, einem Tag frei.

Wie bewerten Sie das 4:1 im ersten Test gegen die eigene zweite Mannschaft?

Für einen ersten Test nach zwei Einheiten war das schon ganz gut. Man hat gesehen, dass alle motiviert sind. Das Positionsspiel war schon ganz gut. Ein Tor haben wir weggeschenkt, aber das bleibt ja in der Familie. Wir haben viele 1000-prozentige Chancen vergeben, einen Elfer verschossen. Unser Testspieler Keisuke Morikami hat das als Rechtsverteidiger herausragend gemacht.

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Am Sonntag steht der Dionysos-Cup an. Welche Bedeutung messen Sie diesem bei?

Wir wollen natürlich jedes Spiel gewinnen, aber in erster Linie geht es uns nicht um den Turniersieg, sondern darum, Sachen auszutesten. Alle bekommen Einsatzzeit. Neben Morikami haben wir mit Christopher Kant einen weiteren Testspieler dabei, er ist ein Linksfuß für die Offensive. Spätestens Ende kommender Woche wissen wir, wohin der Weg mit den beiden geht.

Anfang August steht die erste Pokalrunde gegen BW Lohne an, am 10. August beginnt die Liga. Wie schätzen Sie die Qualität in dieser Saison ein?

Die Oberliga ist schwer einzuschätzen vor der Saison. Aber ich denke, dass die Qualität eher gestiegen ist. Das liegt an den Absteigern. Mit Eintracht Braunschweig II kommt die Reserve eines Profivereins dazu, die eigentlich gar nicht abgestiegen ist (Durch den Abstieg von Eintracht Braunschweig aus der 2. in die 3. Liga musste die zweite Mannschaft automatisch absteigen, Anmerkung der Redaktion). Mit dem FC Hagen/Uthlede und dem VfL Oythe kommt gute Qualität dazu, die anderen beiden Aufsteiger kenne ich nicht.

Wie lautet das Saisonziel des SV Atlas?

Wir müssen realistisch sein und unsere finanziellen Mittel sehen. Was das Budget angeht, sehe ich uns nicht in den Top Zehn der Liga. Aber wir wollen den nächsten Schritt machen, unsere Heimbilanz verbessern. Wenn wir ein Team werden, dann schlägt sich das auf dem Rasen und in den Ergebnissen nieder.

Das Interview führte Michael Kerzel.

Info

Zur Person

Jürgen Hahn (47) ist Trainer des Fußball-Oberligisten SV Atlas Delmenhorst. In der vergangenen Saison schaffte er mit den Blau-Gelben als einziger Aufsteiger den Klassenerhalt. Nun steht ein Umbruch bevor.

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